Neuer Vorstoß von Lisa Federle

Initiative will Kindern und Jugendlichen mit Tests Training ermöglichen

Ein Tübinger Modell für den Sportplatz? Die Initiative „#BewegtEuch“ will Sport für Kinder und Jugendliche auch unter Pandemie-Bedingungen ermöglichen – durch Tests vor dem Training. Sie hat viele bekannte Unterstützer und Unterstützerinnen.

03.05.2021

Von ST

Szene aus einer bewegteren Zeit: Damit Kinder und Jugendliche wieder Sport machen können, will die Initaitive #BewegtEuch eine Teststrategie fürs Training. Archivbild: Ulmer

Notärztin Lisa Federle, der Sportmoderator Michael Antwerpes und der Schauspieler Jan Josef Liefers haben eine Initiative gegründet, um Kindern und Jugendlichen auch in Corona-Zeiten Sport zu ermöglichen. Prominente Unterstützer und Untersützerinnen kommen aus dem Leistungssport, beispielsweise Biathlon-Olympiasiegerin Magdalena Neuner und Ringer-Weltmeister Frank Stäbler. Auch viele Prominente aus Sport, Kultur, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft unterstützen die Initiative, darunter die Olympiasiegerinnen Katarina Witt und Maria Höfl-Riesch, Fußballtrainer-Legende Ottmar Hitzfeld, EU-Kommissar a.D. Günther Oettinger und der Virologe Martin Stürmer. „Dieser Zuspruch hat unsere Erwartungen übertroffen. Darüber freuen wir uns sehr“, erklären Federle, Liefers und Antwerpes in einer Pressemitteilung.

Die Initiative hat sich aus der von Lisa Federle ersonnenen Tübinger Teststrategie entwickelt. „Wir machen uns schon seit letzten Herbst Gedanken darüber, wie wir es Kindern und Jugendlichen ermöglichen und wie wir sie auch dazu ermuntern können, von der Playstation auf den Sportplatz zu wechseln“, sagt Federle. Weil sich seit mehr als fünf Monaten fast der gesamte Breitensport im Lockdown befindet, leiden dem Trio zufolge Kinder und Jugendliche massiv unter Bewegungsmangel. „Kinder sind das Wertvollste, was wir haben. So sollten wir sie auch behandeln“, erklärt die Initiative.

Sie will eine kontrollierte Öffnung des Kinder- und Jugendsports und das in Modellprojekten in Berlin und Tübingen erproben. Voraussetzung für die Teilnahme an den Übungseinheiten ein tagesaktueller negativer Schnelltest sein, außerdem soll auf eine unbedenkliche Anfahrt zur Trainingsstätte geachtet werden. Vorgesehen ist, den Versuch wissenschaftlich zu begleiten. Die Forscher wollen Fakten und Erkenntnisse sammeln, damit das Konzept auch an anderen Orten rasch umgesetzt werden kann.

Alleine macht kicken wenig Spaß, egal wie viele Bälle man hat. Archivbild: Ulmer

„#BewegtEuch“ verweist auf eine Studie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), wonach sich Personen zwischen vier und 17 Jahren im Frühjahr 2021 als Folge der Pandemie-Beschränkungen durchschnittlich nur noch 61 Minuten pro Tag bewegten. Im Frühjahr 2020 waren es noch 144 Minuten. Die Folgen sind gravierend: Bis zu 1,5 Millionen Kinder in Deutschland leideten an Fettleibigkeit, Essstörungen, Diabetes, psychischen Problemen und Entwicklungsdefiziten – mit steigender Tendenz. Professor Ansgar Thiel, Leiter des Instituts für Sportwissenschaft der Uni Tübingen und Förderer von #BewegtEuch“: „Ich erkenne geradezu ein Infektionsschutz-Paradoxon. Mit Sportverboten möchte man die Gesundheit der Menschen schützen. Aber gleichzeitig tragen diese Verbote dazu bei, dass die Menschen körperlich abbauen, sozial isoliert werden und auch psychisch enorm leiden.“

Mit Gerhard Scheuch unterstützt auch einer der führenden deutschen Aerosol-Forscher „#BewegtEuch“. Ihm zufolge belegen wissenschaftliche Studien, dass beim Sport an der frischen Luft eine Ansteckung über Aerosole praktisch ausgeschlossen ist. „Draußen ist das Risiko minimal im Vergleich zu Innenräumen“, sagt der Wissenschaftler, „deshalb sollten wir alles tun, um die Kinder zu motivieren, rauszugehen.“

Diese Prominenten unterstützen als „Fanclub“ die Initiative #BewegtEuch:

Hans-Peter Müller-Angstenberger (ehemaliger Bundesliga-Trainer Volleyball), Tom Bartels (ARD-Sportreporter), Markus Baur (Weltmeister Handball), Matthias Behr (Olympiasieger Fechten), Stefan Bell (Fußball-Profi FSV Mainz 05), Daniel Bohnacker (Weltcupsieger Skicross), Werner Daniels (Leichtathletik-Trainer), Manuel Faißt (Weltcupsieger Nord. Kombination), Anna-Lena Forster (Paralympics-Siegerin Monoski), Dr. Zita Funkenhauser (Olympiasiegerin Fechten, Zahnärztin), Christopher Gohl (MdB, Tübingen), Anna und Lisa Hahner (Marathonläuferinnen).

Julia Harting (EM-Silber Diskus), Robert Harting (Olympiasieger Diskus), Timo Hildebrand (Fußball-Nationaltorwart), Ottmar Hitzfeld (Welttrainer Fußball), Maria Höfl-Riesch (Olympiasiegerin Ski Alpin), Laura Hottenrott (Marathonläuferin), Kuno Hottenrott (Sportwissenschaftler), Niko Kappel (Paralympics-Sieger Kugelstoßen), Christian Keller (Geschäftsführer Profifußball SSV Jahn Regensburg), Knut Kircher (FIFA-Schiedsrichter), Lukas Kohl (Weltmeister Kunstrad).

Christian Lindner (FDP-Bundesvorsitzender), Anna Loos (Schauspielerin), Dan Lorang (Sportwissenschaftler), Gina Lückenkemper (EM-Silber 100m), Valentin Z. Markser (Leiter Dt. Gesellschaft für Sportpsychiatrie und -psychotherapie), Silvio Meißner (Fußballprofi) Sabrina Mockenhaupt (Rekordmeisterin Langstrecke), Marcel Nguyen (Olympia-Silber Turnen), Boris Obergföll (Bundestrainer Speerwerfen Männer), Christina Obergföll (Weltmeisterin Speerwurf), Günther Oettinger (EU-Kommissar a.D.), Markus Othmer (Moderator), Philipp Pflieger (Olympiateilnehmer Marathon), Uta Pippig (Marathonsiegerin Berlin, Boston, New York).

Tobias Renner (Leiter Kinder- und Jugendpsychiatrie Uni Tübingen), Aline Rotter-Focken (Weltmeisterin Ringen), Coletta Rydzek (Skilanglauf), Johannes Rydzek (Olympiasieger Nordische Kombination), Gerhard Scheuch (Aerosol-Experte), Helmut Schlotterer (Inhaber Marc Cain), Rezzo Schlauch (Wirtschafts-Staatssekretär a.D.), Keven Schlotterbeck (Fußball-Profi SC Freiburg), Alexander Schmid (WM-Bronze Ski Alpin), Mark Schober (Vorstandsvorsitzender Deutscher Handballbund), Lena Schöneborn (Olympiasiegerin Moderner Fünfkampf), Axel Schulz (ehemaliger Profi-Boxer), Anna Seidel (EM-Silber Shorttrack), Elisabeth Seitz (Deutsche Rekordturnerin), Klaus Stöhr (Virologe und Epidemiologe), Martin Stürmer (Virologe), Ansgar Thiel (Leiter Institut für Sportwissenschaft Uni Tübingen), Andreas Toba (EM-Silber Turnen), Nico Willig (U19-Trainer VfB Stuttgart), Katarina Witt (Olympiasiegerin Eiskunstlauf), Rick Zabel (Rad-Profi).

Das sagen Prominente zur Aktion #BewegtEuch“

„Bewegung war für mich schon als Kind elementar. Es gab kaum einen Tag, an dem ich nicht draußen war. Unsere Kinder und Jugendlichen leiden heute massiv unter der Pandemie. Ohne regelmäßige Aktivität an der frischen Luft verkümmern nicht nur ihre Körper, sondern auch ihre Seelen.“

Magdalena Neuner, Olympiasiegerin Biathlon und #BewegtEuch-Botschafterin

„Es gibt nichts Schöneres, als mit Freunden Sport zu treiben und Spaß zu haben. Körper, Geist und Seele werden hierbei belebt. Das muss jetzt wieder dringend aktiviert werden, für Klein und Groß, Jung und Alt.“

Frank Stäbler, Ringer-Weltmeister und #BewegtEuch-Botschafter

„Ich habe als Trainer in meinen Spielern immer mehr gesehen als talentierte Profis, die funktionieren müssen. Mir ging es auch immer um den Menschen. Die jungen Leute brauchen endlich wieder dieses Gesehen-Werden. In Sportvereinen passiert genau dies.“

Ottmar Hitzfeld, Welttrainer Fußball

„Als ehemalige Spitzensportlerin und Mutter von zwei Kindern unterstütze ich die Aktion #BewegtEuch von ganzem Herzen, weil die Bewegung unserer Kinder für ihre geistige, soziale und motorische Entwicklung elementar wichtig ist.“

Christina Obergföll, Weltmeisterin Speerwurf

„Als ich als Kind in der Turnhalle war, konnte ich immer meine ganze Energie rauslassen. Das fehlt den Kindern aktuell. Wir müssen einen Weg finden, dass gemeinsames Bewegen und Spaß haben wieder machbar ist. Die Kinder brauchen das – aber auch jeder Breitensportler.“

Elisabeth Seitz, Deutschlands Rekord-Turnerin

Gerade für Jugendliche ist es wichtig, dass sie auch in Krisenzeiten in der Gruppe von Gleichaltrigen trainieren können.

Alexander Wütz, (Abteilungsleiter Fußball TSG Tübingen, Mitinitiator #BewegtEuch

„Bewegung an der frischen Luft gehört zu meinem Leben, seit ich denken kann. Das ist Lebensqualität. Gerade für Kinder, die in dieser Pandemie wenig Struktur haben, ist Bewegung elementar, um ihre Energie kanalisieren zu können.“

Johannes Rydzek, Olympiasieger Nordische Kombination

„Der Bolzplatz war für mich wie eine zweite Heimat. Das tägliche Kicken mit meinen Kumpels hat mir gutgetan und mich selbstbewusster gemacht. Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen dringend mehr Bewegung und Sport.“

Timo Hildebrand, ehemaliger Fußball-Nationaltorwart

„Gerade in diesen Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche sehr viel im Haus chillen, geht die Bewegung immer mehr verloren. Das ist schlecht. Kinder brauchen Sport, um sich weiterzuentwickeln - körperlich und psychisch.“

Andreas Toba, EM-Silber Turnen

„Als Bundestrainer und Vater von zwei Söhnen beobachte ich die Entwicklungen des Spitzen- und Breitensports mit großer Sorge. Die Pandemie schränkt nun seit mehr als einem Jahr die Möglichkeiten der sportlichen Betätigung stark ein. Deshalb sollten insbesondere unsere Kinder hier dringend durch die Aktion #BewegtEuch Unterstützung erfahren.“

Boris Obergföll, Bundestrainer Speerwurf Männer

„Als Papa eines sechsjährigen sportbegeisterten Sohnes habe ich in den vergangenen sechs Monaten erfahren müssen, wie ein Kind darunter leidet, seinen Sport nicht ausüben zu dürfen. Dabei tragen Bewegung und Sport erheblich zu einer gesunden körperlichen, geistigen und psychosozialen Entwicklung des Kindes bei.“

Silvio Meißner, ehemaliger Fußball-Profi

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Erstellt:
3. Mai 2021, 08:28 Uhr
Aktualisiert:
3. Mai 2021, 08:28 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Mai 2021, 08:28 Uhr

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