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Weil’s immer schon so war

Sportphänomene (5): Die Rote Wurst

Für die Nienburgerin Gianna Mader war es ein kleiner Kulturschock, als sie vor acht Jahren wegen des Studiums in Tübingen zum Fußballspielen nach Derendingen kam. Nicht wegen der Bälle oder der Plätze, die jenen in ihrer niedersächsischen Heimat ähneln. Nein: „Mir sind gleich die Würste aufgefallen, die hier bei den Spielen immer gefuttert werden.“ Bei den Spielen in ihrer Heimat an der Weser gebe es „wenn überhaupt was, dann Pommes“.

13.05.2013
  • Tobias Zug

Hierzulande ist sie aber wie ein Kulturgut bei Sportveranstaltungen, vor allem auf den Fußballplätzen: die Wurst. Genauer gesagt: die Rote Wurst. Rufname „die Rote“, den sie von ihrer rötlich-orangenen Haut und ihrem rosa Brät hat. Ihre Bestandteile: fein zerkleinertes Schweinefleisch, Speck und Gewürze.

Wobei Schwangere sich in acht nehmen sollten vor allzu viel Wurst, wie ein Professor Nagl vom Medizinischen Universität Innsbruck auf www.wurstakademie.com schreibt: Sie sollten nur ausreichend geräucherte, gebratene oder gekochte Fleischzubereitungen essen, da die Infektionskrankheit Toxoplasmose übertragen werden kann.

Für die meisten Nicht-Schwangeren aber gilt: „Ein bisschen angebraten ist sie am besten“, wie Thomas Rebmann sagt, Fußballer und Metzgermeister aus Hailfingen. Zu stark angebraten erhöhen sie aber das Krebsrisiko, wie Studien ergaben. Früher, so stellt der Hailfinger fest, „haben die älteren Zuschauer die Wurst immer direkt aus dem warmen Wasser wollen.“ Heute fast nur noch vom Grill. Rebmann bevorzugt da den Gasgrill – „bei einem Kohlegrill schmeckt sie arg nach Kohle.“

Und wo gibt’s die besten „Rote“? Der VfB Bodelshausen behauptet auf seiner Internetseite, er habe „die beste Stadionwurscht landauf, landab“. Und das „hübscheste Wurscht-häusle“ sowieso. Ein 75-jähriger Edel-Fan des FV 08 Rottweil erzählte Ade Walddörfer, dem Fußball-Spielleiter der TSG Tübingen, jüngst: „Die größten Würste gibt’s in Bösingen, die schlechtesten in Rottweil – und die besten in Tübingen.“ Rebmanns Tipp für alle Wurstmeister: „Vorher die Würste auf alle Fälle im warmen Wasser vorwärmen und die Temperatur dabei nie mehr als auf 75 Grad stellen, denn sonst platzen sie!“ Wer das nicht weiß, dem kann’s so gehen wie Freddy Groß, Thomas Härtner und Walddörfer, als diese einst als Jugendliche in den 1970er Jahren bei der TSG Tübingen zum Wurstgrillen eingeteilt waren. „Wir hatten da gar keinen Plan“, sagte Walddörfer. Dass zu jenem Fußballspiel gegen den TSV Ofterdingen über 1000 Zuschauer kamen und auch noch Hunger hatten, verschlimmerte die Lage der Dreien: Die Würste, die sie an die Menge brachten, seien jedenfalls „außen schwarz und innen kalt“ gewesen, wie Walddörfer noch weiß.

Jedenfalls: Außer bei Migrantenvereinen wie einst Hellas Bodelshausen, wo’s auch mal Souflaki und Ouzo zu den Spielen gab, findet sich im Landkreis kaum eine Wochenend-Sportveranstaltung ohne Wurst. Warum das so ist? „Das war schon immer so“, antwortet Ade Walddörfer philosophisch. Wobei Gianna Mader insgeheim froh sein muss, dass es sie nicht nach Burkina Faso verschlagen hat: Da gibt’s bei den Fußballspielen frittierte Raupen als Snack. Mahlzeit!

Sportphänomene  (5):  Die Rote Wurst
Von Vegetariern verschmäht, bei Sportveranstaltungen fast schon ein Kulturgut: Rote Würste wie hier beim TGV Entringen. Bild: Ulmer

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13.05.2013, 12:00 Uhr
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