Rottenburg

Sportpark des TVR: Mehr als nur Fitness

Seit 2005 betreibt der TV Rottenburg seinen Sportpark 18-61. Schon von Beginn an achtet der Verein darauf, Energie einzusparen und Müll zu vermeiden. Nach der Corona-Pandemie stellt jetzt die Energiekrise den Verein und den Park vor neuen Herausforderungen.

13.10.2022

Von Tobias Zug

Bild: Ulmer

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Aktuelle Leistung 0,72 kW, Gesamtenergie 386210 kWh, CO2-Einsparung 270347 kg CO2 – so sind die aktuellen Angaben an diesem Tag auf der elektronischen Tafel „Sonnenkraftwerk TV Rottenburg“ im Sportpark-Gebäude des TV Rottenburg, in dem auch die Geschäftsstelle installiert ist. Schon seit es den Sportpark droben auf dem Hohenberg gibt, seit 2005, versucht der TV Rottenburg diesen umweltfreundlich, nachhaltig und energiesparend zu betreiben. Eine Solarthermie-Anlage wandelt Sonnenenergie in Wärme um, die für das Trink- und Duschwasser aber auch zur Unterstützung der Heizung genutzt wird. Auf dem Parkplatz stehen zwei Ladestationen für Elektro-Fahrzeuge.

„Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt uns schon länger“, sagt Philipp Vollmer, stellvertretender Geschäftsführer des Gesamtvereins, „trotzdem reichen die regenerativen Energien noch nicht für eine komplette Energieversorgung.“

Vor wenigen Wochen hat der TV Rottenburg seine Mitglieder angeschrieben. Thema des Schreibens ist die Energiekrise auch in Bezug auf das jüngst beschlossene Energiesparprogramm der Stadt. Die beschloss unter anderem, in Sport- und Mehrzweckhallen das warme Wasser in den Duschen bis zum Ende der Heizperiode abzustellen. Was der TVR in seinem Sportpark nicht machen werde, wie er die Mitglieder informierte. „Wir sind ja ein Dienstleister“, erläutert Vollmer. Der Verein bat seine Mitglieder nur, beim Energiesparen mitzuhelfen. Beispielsweise mit kürzeren Duschzeiten. Ein Beitrag des Vereins ist es, die beiden Saunen nicht mehr parallel laufen zu lassen. „Sauna ist ein Energiefresser“, sagt Vollmer, „die Mitglieder akzeptieren das, sie erwarten von uns ja auch, dass wir was tun.“

So, wie der Verein auch während der Corona-Pandemie handeln musste und handelte: Im Kursraum, in dem gerade eine Gruppe von acht Frauen und Männern Funktionsgymnastik mit Schwingstäben macht, steht eine größere Box. Sieben solcher Luftfilter, die während der Pandemie beschaffen wurden, werden weiterhin im Haus benutzt. Dazu sorgt eine Lüftung alle zehn Minuten für Luftaustausch. „Wir schauen auch immer noch, dass die Kursteilnehmerzahl nicht so hoch ist“, sagt Vollmer,

An die Außenwand installiert ist ein 200 Quadratmeter großes Partyzelt. Auch das steht seit der Pandemie. „Das war während Corona super, weil man drinnen ja nichts machen durfte“, berichtet Vollmer. Und bis Ende September, Anfang Oktober wird das Zelt auch weiter benutzt, falls es beispielsweise bei Freiluft-Sportangeboten regnen sollte, aber auch wenn es zu heiß sein sollte. Vollmer: „Sonne kann auch ganz schön fies sein.“

Vor zwei Jahren mussten unter anderem Sportstätten wegen des Ausbruchs der Infektionskrankheit erstmals schließen. „Eine sehr schwere Zeit“, sagt Marco Buchberger, der Sportliche Leiter des TVR-Sportparks, „für mich waren das ja sieben Monate Arbeitsverbot.“ Buchberger verlor aber nicht den Job, wie der TV Rottenburg auch alle anderen Festangestellten hielt – trotz fehlenden laufender Einnahmen. Auch die Nebenberufliche konnten gehalten werden, wie Vollmer betont, „wir haben sie teilweise sogar weiterbezahlt.“ Buchberger: „Personal zu halten, finde ich auch anspruchsvoll. Uns war es aber immer wichtig, von Anfang an mit einem festen Kern zu arbeiten, von den Leuten beim Empfang, den Kursleitern bis zum Hausmeister.“

Nur die Mitglieder hielten sie nicht alle: Etwa 13 Prozent traten während der Corona-Pandemie aus. Nicht ungewöhnlich in der Branche: „Da gibt es noch härtere Verluste“, sagt Philipp Vollmer, „aber es wird ein jahrelanger Prozess, um wieder auf das Niveau vor Corona zurückzukehren.“

Bild: Ulmer

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Auf zwei Ebenen verteilen sich die Räume für die Sportangebote im Haus. In der unteren sind die Kurs- sowie Krafträume, im oberen wird Ausdauer trainiert, beispielsweise auf Laufbändern. Unten an der Wand hängt auch ein offenes Regal mit Baumwolltüchern. Die Sporttreibenden sollen mit diesen die Sportgeräte putzen, nachdem sie diese benutzt haben. Früher stand dort ein Papiertuchspender. „Das erspart uns jetzt Unmengen von Papiermüll“, erläutert Vollmer. Die Baumwolltücher müssen dafür regelmäßig gewaschen werden. „Aber wir haben das durchgerechnet“, sagt Vollmer, „wir sparen dadurch trotzdem mehr Rohstoffe.“

Es gibt Tage, da kehren drei- bis vierhundert Menschen im Sportpark ein und aus, um die Sportangebote zu nutzen. Auch draußen, wo es beispielsweise Beachfelder gibt, den Bike- und Skatepark sowie eine beleuchtete Finnenbahn zum Laufen mit gelenkschonendem Ricoten-Belag. Die Benutzung dort kostet nichts, der TVR ist aber für die Instandhaltung zuständig.

Für die Nutzung aller anderen Angebote müssen Interessierte zumindest Passiv-Mitglied beim TV Rottenburg sein oder werden. Sie bezahlen dann ihren Jahresmitgliedsbeitrag (Passiv zum Beispiel 42 Euro), dazu den Sportpark-Monatstarif, der nach Alter gestaffelt ist (über und unter 24 Jahren) sowie nach den Trainingszeiten. Wer nur bis 16 Uhr kommt, zahlt weniger: ein passives TVR-Mitglied über 24 Jahren 41 Euro pro Monat.

Klassischer Fitnesstag ist der Montag. Direkt nach dem Wochenende, „ist das Haus am vollsten“, sagt Vollmer, „da sagen sich die meisten halt, ich muss was tun.“ An 362 Tagen im Jahr ist der Sportpark geöffnet. Nur an Heiligabend, am ersten Weihnachtstag und an Silvester ist geschlossen.

In der oberen Etage lehnt sich Marco Buchberger an die Brüstung vor den großen Fenstern. Und blickt direkt auf den im Freien stehenden sogenannten Cross Tower: ein Turm, an dem mehrere Geräte wie Ringe oder Kletterseile installiert sind. „Das ist so was wie mein Baby“, sagt Buchberger. Da lässt sich wunderbar ein Zirkeltraining gestalten, „auch für Leute mit körperlichen Einschränkungen“, sagt Buchberger, „der 70-Jährige bekommt da eben ein anderes Training als beispielsweise ein Johannes Elsäßer aus dem Volleyballteam.“

Solch funktionales Training sei immer begehrter und wichtiger. „Fitness ist das Kerngeschäft“, sagt Buchberger, „aber es hat sich gewandelt.“ Buchberger verweist auf den Buchtitel des Physiotherapeuten Kelly Starret: „Sitzen ist das neue Rauchen.“ Der bewegungsarme Alltag vieler sorge zunehmend für Bewegungseinschränkungen, Krankheit, Schmerzen und Verletzungen. Dem könne mit Übungen am Cross Tower vorgebeugt oder gar Abhilfe geschaffen werden.

Wegen Kleinkindbetreuung muss übrigens niemand auf sein Training im Sportpark verzichten: Die können mitgenommen werden. Im Haus ist eine ausgebildete Erzieherin angestellt, die sich in der Spielecke im großen Besprechungsraum von 8 bis 12.15 Uhr um die Kinder kümmert.

„Wir sind kein Drehkreuz-Studio“, sagt Philipp Vollmer. An der Theke im Eingangsbereich bekomme jeder und jede noch einen Kaffee, soll sich setzen und quatschen, ein Treffpunkt für alle TVR-Mitglieder und solche, die es noch werden wollen. „Es soll noch menscheln“, sagt Vollmer.

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Erstellt:
13.10.2022, 13:43 Uhr
Lesedauer: ca. 4min 11sec
zuletzt aktualisiert: 13.10.2022, 13:43 Uhr

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