Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
*/-->

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Jogging während der Bürostunden

Sportkongress liefert ungewöhnliche Vorschläge zum Sportangebot für 30- bis 50-Jährige

Fit und munter in die Zukunft: Mit erfrischenden Thesen hat die Zukunftsforscherin Anja Kirig Sportvereine und Unternehmen beim Stuttgarter Sportkongress zu deutlichen Veränderungen aufgefordert.

27.10.2015
  • KLAUS VESTEWIG

Stuttgart Sport und Bewegung in der Zukunft - mit dem Verein? Drei Tage lang haben 850 Teilnehmer beim 10. Stuttgarter Sportkongress des Deutschen und Schwäbischen Turnerbunds über diese Frage diskutiert. Klar doch: Angesichts von demographischer Entwicklung, Flüchtlingszustrom, Ganztagesschule und nicht beliebig strapazierbarer Ehrenamtlicher sind die Sportvereine künftig mächtig gefordert. Das ist unbestritten.

Im Reigen der 191, teils hochkarätigen Workshops sorgte aber eine junge Zukunfts- und Trendforscherin mit ihrem Vortrag und in der folgenden Podiumsdiskussion bei den Vereinsvertretern aus ganz Deutschland für Überraschungseffekte und reichlich Gesprächsstoff. Ihr Name: Anja Kirig. In ihren frischen Thesen mahnt die promovierte Politikwissenschaftlerin, die seit 2004 regelmäßig als freie Mitarbeiterin für das Zukunftsinstitut in München tätig ist, Vereine wie Unternehmen zu deutlichen Reaktionen.

Das größte Defizit sieht die 38-Jährige, Mitautorin der Studie "Sportivity", bei Menschen im mittleren Lebensalter, die in berufliche Karriere und Familienbildung eingespannt sind. "Kinder und Jugendliche werden sportlich stark gefördert, und auch nach Abschluss des Arbeitslebens steigt die Sportlichkeit stark an", sagte Anja Kirig. "Bei den 30- bis 50-Jährigen klafft aber eine große Lücke. Das muss und wird sich ändern." Weil dieser Arbeitsgruppe Gelegenheit, Zeit, Angebote und Zugang fehlten, ist sie in sportliche Aktivitäten kaum eingebunden. Das führe dazu, dass die Hälfte der Menschen überhaupt keinen Sport treibt, sich aber gerne mehr bewegen würde, wenn sie könnte. Bewegung als menschliches Grundbedürfnis.

Kreative Ideen in Vereinen wie Betrieben sind hier gefordert. Der größte Grund für die Misere ist für Anja Kirig der Berufsalltag: "Bei sportlichen Angeboten herrscht in den Unternehmen großer Nachholbedarf. 33 Prozent würden es begrüßen, wenn sie sich am Arbeitsplatz mehr bewegen könnten und weniger sitzen müssten. Es gibt zwar Betriebssport, aber das muss flexibler und situativer genützt werden."

Denn Arbeit und sonstiges Leben, davon ist Anja Kirig überzeugt, werde sich in Zukunft viel stärker mischen. Immer mehr Menschen arbeiteten schließlich freiberuflich, zu Hause oder in Teilzeitjobs. Insofern müsse die Arbeitszeit im Betrieb, wo möglich, flexibler und selbstbestimmter gestaltet werden.

Wie die Stuttgarterin in einem Interview ausführte, müssten die Unternehmen spätestens für die nächste Generation andere Bedingungen schaffen, um attraktiv zu bleiben. Dann sei es sicher auch kein Problem mehr, sich während der Bürostunden zu einer Jogging-Auszeit oder einem Besuch im Fitnessstudio zu verabschieden oder am Arbeitsplatz ein Laufband unter dem Schreibtisch oder Stehpult zu haben. Bewegung fördere schließlich Arbeitseffektivität und Kreativität. "Solche Freiräume werden morgen passieren. Viele Unternehmen denken fortschrittlich", sagte Anja Kirig. "Da wird es Kooperationen und neue Konzepte zwischen Vereinen und Unternehmen geben."

Eine große Chance sieht die Trendforscherin auch in der zunehmenden Online-Vernetzung: "Die virtuelle Ebene ist aus der morgigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken." Das erleichtere es auch, kurzfristig eine Sporteinheit zu vereinbaren: Sport als Ausgleich dann zu machen, wenn nötig: ad hoc und ohne festen Termin, eventuell sogar jede Woche in einer anderen Gruppe.

Nicht grundsätzlich verändert wird nach den Worten Anja Kirigs das Identitätsgefühl derjenigen, die sich mit anderen bewegen. "Die Sehnsucht von Sportlern nach Gemeinschaft ist sehr stark. Es wird spontane neue Gemeinschaften über die sozialen Medien geben. Das Wir-Gefühl wird vielleicht nicht mehr so sein, wie es der Verein gewohnt ist, zum Beispiel bei der Rückengymnastik um 17 Uhr."

Wird die Entwicklung der nächsten 15 Jahren an den Vereinen vorbeigehen? Nicht notwendigerweise! "Es muss nicht alles auf einmal realisiert werden. Jeder Verein hat eine spezielle Nische, eine Ausrichtung, wo er etwas machen kann. Das muss auch über das sportliche Angebot hinausgehen. Eine Web-Seite reicht nicht mehr aus", so betont Anja Kirig. Geschieht das nicht, droht Mitgliederschwund. Die Zukunftsforscherin aber macht den Sportvereinen mit deren Vorzügen Mut: Exklusivität, Extra-Service für die Mitglieder, Qualität der zertifizierten Trainer. So bleiben die Vereine auch in Zukunft die attraktive Anlaufstelle für Aktive.

Sportkongress liefert ungewöhnliche Vorschläge zum Sportangebot für 30- bis 50-Jährige

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Video-News: Fußball
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Fußball-Kreisliga A3 | Spiel des Tages Sogar Benedikt Müller muss aushelfen
Fußball-Bezirksliga | Spiel des Tages Zwei treten auf der Stelle
Volleyball-Bundesliga Rottenburger Aufbauhilfe West
Volleyball-Bundesliga Und am Ende feiern die anderen
Schwitzkasten
Schwitzkasten

Ob die weltweit wohl meistgesehene Tipp-Runde für die Fußball-Landesliga oder die beliebte "Elf der Woche" - für solche Formate gibt es den "Schwitzkasten" der TAGBLATT-Sportredaktion.
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular