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Spitzenwäsche aus Hanf
Petra Rusch freut sich über ihr erstes deutsches Hanf aus Bielefeld. Foto: Ferdinando Iannone
Das kleine Unternehmen Cannamoda setzt auf nachhaltige und chemiefreie Textilien

Spitzenwäsche aus Hanf

Hanf bringen die meisten Menschen zuerst mit Drogen in Verbindung. Doch die Pflanze ist vielseitig: Das Unternehmen Cannamoda stellt Kleidung aus Hanf her. Nicht alles sieht nach Öko-Mode aus.

16.03.2016
  • BIANCA FRIESS

Sachsenheim. Ein grünes Hanfblatt hängt um ihren Hals. Der beige, locker sitzende Pulli ist selbst gestrickt, ihr Haar hat genau die selbe Farbe - Petra Rusch sieht man die Leidenschaft für Naturprodukte an.

Die 60-Jährige stellt vegane Textilien aus Hanf her. In ihrem kleinen Betrieb in Sachsenheim entwirft sie die Muster, die in einer Strickerei auf der Schwäbischen Alb und einer Näherei produziert werden.

Der kleine Raum quillt fast über: Nähmaschinen, Klamotten, Garnrollen - es wirkt ein bisschen chaotisch. Im Eingangsbereich sind Schaufensterpuppen aufgestellt: Eine trägt ein schwarzes Kleid, das gar nicht nach Öko-Mode aussieht. Eine andere präsentiert ein Unterhemd, mit weißer Spitze gesäumt.

Aber auch einfache beige T-Shirts sind ausgestellt, manche mit einem Blumen-Druck versehen. Und nicht alles ist erdfarben. Einige der Shirts werden eingefärbt - rot, grün und blau sind im Angebot.

"Die meisten kennen Hanf leider nur zum Rauchen", sagt Rusch: "Dabei ist es die vielseitigste Pflanze überhaupt." Von Papier über Dämmmaterial bis hin zu Lebensmitteln und Waschmittel könne man alles daraus herstellen - sie spricht von über 40 000 verschiedenen Produkten. Ihre Textilien werden übrigens aus Industriehanf hergestellt, der keine berauschende Wirkung hat.

Rusch nutzt Hanf auch zum Kochen. Gerade kam ein frisches Paket mit Lebensmitteln an, darin sind Aufstriche, Pesto und Öl. Rusch träufelt ein wenig Hanf-Öl auf einen Löffel. Es schmeckt ein bisschen bitter, aber auch nussig.

Ihr Garn bezieht sie meist aus Italien. Momentan freut sie sich aber über ihren ersten deutschen Hanf aus Bielefeld - hierzulande wird bislang sehr wenig davon angebaut.

Direkt nach der Ernte ähnelt der Hanf einer Mischung aus Stroh und Heu. Dann werden daraus die Fasern gelöst und gekämmt, erklärt Rusch. In einer Kiste liegen einige Bündel des gekämmten Hanfs, noch fühlt es sich rau an. Daraus wird dann das beige Garn gesponnen. Der fertige Stoff ist nicht kratzig, im Gegenteil: Man kann sich vorstellen, dass er angenehm zu tragen ist.

Bei ihren Textilien ist ihr wichtig, dass das Material auch für Allergiker geeignet ist - ihre Klamotten sind komplett chemiefrei. Auch Sportlern empfiehlt sie den atmungsaktiven Stoff.

Rusch selbst trägt fast nur ihre eigene Kleidung "Da gewöhnt man sich dran - in synthetischen Klamotten bekomme ich Platzangst", sagt sie. Sogar ihr Hund trägt ein Halstuch aus Hanf.

Spaß am Nähen hatte Rusch schon immer, als Kind saß sie oft an einer Nähmaschine. 1995 lernte sie über einen Freund Stoffe aus Hanf kennen, damals arbeitete sie noch als Handarbeitslehrerin. Dann entwarf sie ihre erste Kollektion: Hanf-Kleidung für Kinder.

Wirklich erfolgreich war sie damit nicht. "Keiner wollte die Klamotten - Hanf kannte einfach keiner", sagt sie. Momentan finde aber ein Umdenken statt, regionale und nachhaltige Produkte werden beliebter. Dadurch erhofft Rusch sich einen Aufschwung für ihr Geschäft.

Sie spielt mit dem Gedanken, wenigstens für die Musterstücke eine kleine eigene Näherei in Sachsenheim aufzubauen. Dort könnte man zum Beispiel Flüchtlinge beschäftigen, sagt sie. Auch einen eigenen kleinen Laden würde sie dann gerne eröffnen. Momentan verkauft sie ihre Klamotten über verschiedene Online-Händler.

Ihr aktuelles Projekt sind Dessous - natürlich zu 100 Prozent aus Hanf. Auf eine Mischung etwa mit Baumwolle will sich Rusch nicht einlassen. Die Büstenhalter sind beige und mit weißer Spitze versehen, dazu gibt es passende Slips und Strings. Noch sind die Stücke nicht im Verkauf, erst einige Musterteile hängen auf einer Stange. "Dazu habe ich mir sogar richtige Model-Bilder geleistet", sagt Rusch.

Ihre Kunden sind meist Menschen, die alternativ denken. Rusch will aber alle ansprechen: Manchen gefällt auch einfach das Material, sagt sie. Die 60-Jährige steht in engem Kontakt zu ihren Kunden, so entstehen auch neue Ideen. Vor kurzem kam bei einer Frau zum Beispiel der Wunsch nach einem Still-BH aus Hanf auf - das möchte Rusch als nächstes ausprobieren.

Lange Geschichte, kleiner Marktanteil

Historie Hanf hat eine lange Geschichte in der Bekleidungsindustrie. Seit Jahrtausenden werden Hanffasern für Bekleidungstextilien und technische Anwendungen wie Seile und Netze eingesetzt. Im 18. Jahrhundert wurde Hanf von Baumwolle verdrängt, heißt es in einer Studie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. In den 1990er Jahren entstand eine neue Nachfrage.

Marktanteil Wie viel mit Hanftextilien in Deutschland umgesetzt wird, ist schwer zu sagen. „In der Textilindustrie hat Hanf nur einen winzigen Marktanteil, unter 0,1 Prozent“, berichtet Hartmut Spiesecke vom Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie. Es dominieren Baumwolle, Chemiefasern und Wolle. bf

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16.03.2016, 08:30 Uhr
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