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Der Leitartikel

Spiele am Limit

Kann es eine spektakulärere Kulisse für Olympische Sommerspiele geben als die Copacabana-Strände, den Zuckerhut und die Christus-Erlöser-Statue? Rio de Janeiro pulsiert in einem natürlichen sportlichen Samba-Rhythmus schöner Menschen. Hier verstehen sie zu feiern, nicht nur den Karneval.

04.08.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Besonders schön sind auch die Erinnerungen an Rio 2014. Ans gigantische deutsche Fußball-Fest: Im Maracanãstadion jubelte Jogi Löws Elf am 13. Juli vor zwei Jahren. Mario Götze schoss das famose 1:0 gegen Argentinien. Es war der große Triumph nach dem großen Triumph – jenem 7:1 gegen total entzauberte Gastgeber aus Brasilien.

Nun also großer Sport, Teil zwei. Wieder schaut die Welt nach Rio de Janeiro. Doch schon vor der morgigen Eröffnungsfeier der ersten Sommerspiele in Südamerika ist klargeworden: Olympia ist am Limit. In vielen Belangen. Die Marke nimmt immer mehr Schaden, weil zu viele Faktoren zusammengekommen sind. IOC-Präsident Thomas Bach hechelt nur so durchs Krisenmanagement.

Alles fing ungewöhnlich ominös an mit dem Zika-Virus. Gewaltige innenpolitische Probleme, finanzielle Engpässe und schließlich akute Terrorangst hätten darüber hinaus als Gesamtpaket negativer Nachrichten üppig ausgereicht. Doch mit einem Heer von 85 000 Soldaten und Polizisten in der Stadt ist dem größten Feind fairen Sports nicht beizukommen. Russisches Staatsdoping und viel Hick-Hack um den Teil-Ausschluss der Mannschaft nur anderthalb Wochen vor Beginn der Spiele sorgten und sorgen für Wirbel. Bis kurz vor der Eröffnung wussten zahlreiche russische Athleten vor Ort nicht, ob sie starten können.

Erstmals bei Olympischen Spielen ist der internationale Sportgerichtshof Cas in Rio mit Richtern vertreten, um Klagen schnell zu entscheiden. Das zeigt eine unschöne Entwicklung: Der olympische Sport wird immer mehr zum Spielfeld von Juristen und ihren Athleten-Kunden, die sich ungerecht behandelt fühlen. Schon deshalb muss der Anti-Doping-Kampf weiter intensiviert werden. Es braucht klare Verhältnisse – schon vor den Spielen.

Olympia steckt in einem gewaltigen Zwiespalt und ist auf dem besten Weg, zu einer Schmierenkomödie zu verkommen, ehe überhaupt der erste Startschuss fällt. Und ansonsten? Dass bei näherem Hinsehen tote Fische in der Ruder-Lagune und im Segelrevier gesichtet wurden – nun gut, hier ist nicht Mitteleuropa. Auch am harten Kontrast zwischen Favela-Bewohnern und Superreichen ändert so schnell niemand etwas. Riesengroß war die Freude, als sich die 6,5-Millionen-City 2009 beim finalen Duell mit Madrid das Sahnestück des Weltsports gesichert hat. Fast hätten sich die Brasilianer daran verschluckt. Bau- und Organisationsmängel sind bis zum Eröffnungstag nicht zu übersehen. Schleppend wie zuletzt 2004 in Athen waren die Vorbereitungen. Mitten in der Regierungskrise mit schwerer Rezession und Korruptionsskandalen, auf dessen Höhepunkt Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben wurde, ging der Stadt das Geld aus, musste der Staat zuschießen. Die Folgen sind auch unmittelbar herauszulesen aus der Kriminalstatistik. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben Raubüberfälle (um 34 Prozent) und Morde (um 17 Prozent) im Bundesstaat Rio stark zugenommen.

Die bedrückenden Sorgen sind nicht wegzudiskutieren. Umso wichtiger, dass die sportlichen Wettkämpfe jetzt in Gang kommen. Dann werden die Brasilianer das tun, was sie auszeichnet: fröhlich, friedlich und freundlich feiern. Den XXXI. Olympischen Spielen kann nichts Besseres passieren.

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04.08.2016, 06:00 Uhr
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