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Speerwerfer Thomas Röhler lässt sich von blasser DLV-Bilanz nicht bremsen
Der erste Speerwurf-Olympiasieger seit 1972: Thomas Röhler. Foto: dpa
Den Rucksack geschultert

Speerwerfer Thomas Röhler lässt sich von blasser DLV-Bilanz nicht bremsen

Thomas Röhler und sein Speerwurf-Gold: Es war mit Abstand das Beste, was den deutschen Leichtathleten zum Schluss in Rio passieren konnte.

22.08.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Rio de Janeiro. Klaus Wolfermann triumphierte 1972 in München. Nun gibt es wieder einen deutschen Speerwurf-Olympiasieger zu feiern: Thomas Röhler. Der 24-Jährige aus Jena möbelte damit auch die schwache DLV-Bilanz am Ende zumindest etwas auf. Bis zum Schlussabend der Wettkämpfe im Olympiastadion von Rio hatte es nur Diskus-Gold und -Bronze durch Christoph Harting und Daniel Jasinski gegeben.

Auch die Hoffnung, Hochspringerin Marie-Laurence Jungfleisch würde bei ihrer Olympia-Premiere vielleicht noch einmal an ihren Zwei-Meter-Flug von Eberstadt herankommen, waren geplatzt. Die 25-Jährige scheiterte in der Nacht zum Sonntag deutscher Zeit bei 1,97 Metern und wurde beim Sieg der spanischen Europameisterin Ruth Beitia mit übersprungenen 1,93 Siebte. Beitia, bereits 37 Jahre alt und Mutter, übersprang die 1,97 und ist nun die älteste Hochsprung-Olympiasiegerin aller Zeiten.

Jubeln, das tat auch Thomas Röhler ausgiebig. „Es ist einfach bombastisch. Nach 44 Jahren haben wir wieder einen Olympiasieger im Speerwerfen, und das bin ich“, sagte er stolz in eine Anzahl von Mikrofonen, die für ihn einen Rekord bedeutete. Bei 90,30 Meter landete sein 800-Gramm-Speer im fünften Versuch. Damit setzte sich der Thüringer vor dem kenianischen Weltmeister Julius Yego (88,24) und Keshorn Walcott (85,38), Überraschungs-Olympiasieger von 2012 aus Trinidad und Tobago, an die Spitze. Johannes Vetter von der LG Offenburg wurde mit 85,32 knapp geschlagen Vierter. Ähnlich war es Röhler bei der WM 2015 in Peking ergangen, als zu Bronze 23 Zentimeter fehlten. Yego konnte am Ende in Rio nicht mehr kontern, er hatte sich beim vierten Anlauf verletzt.

„Ich hatte ein gutes Gefühl, aber auch enormen Druck und einen schweren Rucksack zu tragen“, sagte Röhler mit Blick aufs Abschneiden des deutschen Teams, schränkte aber gleich ein: „Ich will jetzt nicht sagen, dass ich eine ganze Sportart gerettet habe.“ Sein Gold kam aber zum rechten Zeitpunkt. Schließlich waren gerade auch die Speerwerfer selbst im Vorfeld für missliebige Schlagzeilen gut: Erst sorgte der Mainzer Julian Weber, in Rio mit 81,36 Neunter, mit einer Alkohol-Fahrt für Aufsehen, dann folgte der Nominierungsstreit bei den Frauen, in dem Katharina Molitor sich zu Olympia klagen wollte, aber unterlag. So startete schließlich Christina Obergföll und wurde als beste Deutsche Achte. Überglücklich gratulierte ihr Ehemann, Bundestrainer Boris Obergföll, nun dem Goldmedaillen-Gewinner. Seit 2010 steht Röhler in seinem Kader.

Nach Olympia 2012 und der WM 2015 mit jeweils acht Medaillen hätte die deutsche Bilanz ohne den finalen Sieg noch magerer gewirkt. DLV-Präsident Clemens Prokop ist jedoch fest überzeugt: „Unser Abschneiden hier spiegelt nicht den aktuellen Stand der deutschen Leichtathletik wider. Dass wir das herausragende Ergebnis von London nicht erreicht haben, sehe ich nicht als Trendwende zum Schlechteren, sondern als Ausrutscher.“ Rio zeigt ein Team im Umbruch: Athleten wie Christina Obergföll, Robert Harting (Diskus), Betty Heidler (Hammer) sind dabei abzutreten. Viele jüngere kommen nach. Erstmals seit langem enttäuscht haben im Kugelstoßen David Storl und Christina Schwanitz. Und Stabhochsprung-Star Raphael Holzdeppe war nach seiner Verletzung offenbar doch nicht fit genug. Dennoch: Bei 80 Einzelstarts gab es nur acht persönliche Bestleistungen.

Das macht auch DOSB-Präsident Alfons Hörmann nachdenklich: „Hier muss man jetzt schon kritische Fragen stellen und genau analysieren.“ Wirklich Sorgen machen ihm allerdings die Schwimmer, die nach 2012 erneut leer ausgegangen sind.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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