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Staatsanwalt gab auf

Spediteur in Reutlingen freigesprochen

Ein Rottenburger Spediteur soll Auszahlungsquittungen an seine Fahrer gefälscht haben. Einen Sachbeweis dafür gab es nicht. Belastungszeugen verwickelten sich in Widersprüche. Gestern wurde er vom Amtsgericht Reutlingen freigesprochen.

12.05.2014

Von fk

Reutlingen / Rottenburg. Der Verteidiger war ratlos. Gegen Mittag waren erst acht Zeugen angehört worden, doch zwei Entlastungszeugen fehlten noch. Der eine war im Kaukasus unterwegs, der andere im kriegsverheerten Syrien. „Wir haben alles gehört“, drängte der Staatsanwalt zur Eile: „Entweder ich hab?s zur Kenntnis genommen oder ich will?s nicht zur Kenntnis nehmen.“

Vor einer Woche waren ausführlich die vier angeblich Geschädigten gehört worden. Gestern nun wurde der Rottenburger Anwalt vernommen, der den Angeklagten in vier Prozessen vertreten hatte, in denen es um die umstrittenen Quittungen ging. Dass es gleich vier waren, bezeichnete er als Zufall. Der erste Prozess ruht im Moment; in einem zweiten ist die Sache erledigt; im dritten gibt es eine Gegenforderung der inzwischen insolventen Spedition. Und im vierten soll die Firma doppelt bezahlt haben, weil ein Gegen-Anwalt Druck ausgeübt habe.

Der Angeklagte habe ihn eines Tages angerufen, erzählte der Rottenburger Advokat, weil ihm der Anwalt eines seiner Fahrer angedeutet habe, er könne ihm Schwierigkeiten machen. „Welche?“, wollte der Richter vom Zeugen wissen. Von Durchsuchungen sei die Rede gewesen, so dieser. „Es geht in der Speditionsbranche nicht immer ganz hasenrein zu. Da hat man es nicht gern, wenn die Geschäftsräume durchsucht werden.“ Die Firma habe immer gut gefüllte Kassen und Bankkonten gehabt.

Tatsächlich wurde die Firma im Sommer 2012 wegen Verdachts von Schwarzarbeit vom Zoll durchsucht, viele Unterlagen wurden beschlagnahmt. Eine Reutlinger Kripobeamtin prüfte die Echtheit der Quittungen und fand nichts Belastendes, wie sie gestern vor Gericht aussagte. Auch der Münchener Anwalt des Fahrers wurde gestern vernommen. Er konnte sich nicht erinnern, dem Angeklagten Schwierigkeiten angedeutet zu haben.

Genau allerdings hatte ein Zeuge ein Geldbündel in der Hand des Fahrers gesehen, der alles ins Rollen brachte. Der Zeuge schilderte blumig die Situation im Büro des Angeklagten: Ein ganzes Paket mit Geldscheinen sei es gewesen, darunter ein 500-Euro-Schein und viele kleine. „Als Gastronom sieht man das.“

„Mit diesen Zeugen kann man keinen Tatnachweis führen“, plädierte der Staatsanwalt anschließend auf Freispruch. Der Verteidiger wies noch einmal auf die Besonderheiten der Speditionsbranche hin, in der „es ein bisschen hemdsärmelig“ zugehe. Da sei nicht alles verrechtlicht, es herrschten dort auch „andere Quittungskulturen: Es ist ja nicht immer was faul, wenn nicht alles ausreichend dokumentiert ist.“

Der Richter sprach den Angeklagten vom Vorwurf des Betrugs und der Urkundenfälschung frei. Der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel. Am Montag um 12.45 war das Urteil rechtskräftig.

Info Richter: Johannes Ady. Staatsanwalt: Thomas Trück. Verteidiger: Martin Stirnweiss.

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Erstellt:
12. Mai 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Mai 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Mai 2014, 12:00 Uhr

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