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„Spannende Sache mit Risiken“
Twitter wird zehn Jahre alt. #HappyBirthday. SWP Grafik / Screenshots Twitter
Interview · Katrin Weller

„Spannende Sache mit Risiken“

Spontan, schnell und offen – das sind die Vorzüge des Mediums. Nachteil: Es ist leicht, Gerüchte zu streuen und zu manipulieren, sagt Katrin Weller vom Gesis Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Köln.

18.03.2016
  • ANTJE BERG

Frau Dr. Weller, wer nutzt Twitter?

KATRIN WELLER: In Deutschland ist die Zahl der Twitter-Nutzer verhältnismäßig niedrig. Sie liegt bei etwa sechs bis sieben Prozent der 54 Millionen Internetnutzer, also bei rund 3,5 Millionen Leuten. Plattformen wie Facebook, Youtube, Instagram oder Whatsapp werden bei uns deutlich öfter verwendet. Der typische Twitter-Nutzer ist zwischen 20 und 40 Jahre alt und hat meist einen höheren Bildungsabschluss.

Was ist reizvoll an Twitter?

WELLER: Twitter ist im Vergleich zu Facebook das spontanere, schnellere und offenere Medium: Facebook funktioniert darüber, dass man sich mit den Leuten vernetzt, die man ohnehin kennt – mit alten Schulfreunden, Kollegen und dergleichen. Bei Twitter geht es darum, nach Themen zu schauen, die einen interessieren, und auf diesem Weg neue Leute zu finden, die sich mit Ähnlichem befassen. Man kann sich zu jedem aktuellen Ereignis einklinken und mitdiskutieren.

Für substanzielle Diskussionen dürften 140 Zeichen pro Nachricht etwas kurz sein.

WELLER: Es hört bei 140 Zeichen ja nicht auf. Viele Leute lesen mehr als sie schreiben oder teilen überwiegend Links. Twitter hat den Charakter eines Ideenlieferanten, es lädt zum Stöbern ein, ist ein Portal, das einem Zugang zu Informationen verschafft – zu Nachrichten, zu Zeitschriften, zu Blog-Beiträgen.

Immer mehr Politiker nutzen Twitter. Warum?

WELLER: Weil Twitter ein direkter Draht zum Wähler sein kann. US-Politiker sind ihren deutschen Kollegen da weit voraus. Was man sonst am Wahlkampfstand macht, funktioniert über Twitter ortsungebunden. Allerdings ist der Dialog noch ausbaufähig, in Deutschland twittern Politiker in erster Linie Statements – was für sie den Vorteil hat, dass sie den Wähler direkt erreichen und das Einordnen durch die Medien umgehen können.

Fördert Twitter die Demokratisierung?

WELLER: Der Arabische Frühling ist ein Beispiel dafür, wie gut sich Aktivisten über diese Kanäle vernetzen, sich gegenseitig mobilisieren und Menschen auf die Straße bringen können. Oder denken Sie an die #Aufschrei-Debatte über sexuelle Belästigung im Alltag, die durch den Sexismus-Vorwurf gegen den FDP-Politiker Brüderle ausgelöst wurde. Damals ist dieses Thema über Twitter so gepuscht worden, dass es auch den Weg in die traditionellen Medien gefunden hat.

Wo liegen Risiken?

WELLER: Das Medium Twitter funktioniert natürlich auch andersherum: So lassen sich Regimekritiker aufspüren, die ihre Meinung frei äußern. Oder es gibt versuchte Beeinflussung über Programme, sogenannte Bots, die ferngesteuert in großem Stil Inhalte verbreiten, um Meinungen zu beeinflussen.

Hier geht es also um Manipulation.

WELLER: Ja, und auch das Verbreiten von Gerüchten oder die Vereinfachung komplexer Sachverhalte funktionieren immer wieder. So werden dieser Tage häufig Fehlinformationen gestreut, um Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Oder man reißt Bilder aus dem Zusammenhang und versieht sie mit einer erfundenen Unterschrift. Der Laie kann das alles kaum aufdecken. All diese Gefahren sollte man sich bewusst machen – dann kann Twitter eine spannende Sache sein.

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18.03.2016, 09:56 Uhr
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