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Leitartikel · Automobilmesse IAA

Späte Einsicht

Hochnäsig und selbstgefällig präsentierte sich die deutsche Autoindustrie in den vergangenen Jahren.

13.09.2017
  • ALEXANDER BÖGELEIN

Im Gefühl, technisch überlegen zu sein, maximierte sie ihren Gewinn, belächelte Kritiker, spöttelte über neue Konkurrenz wie den US-Konzern Tesla, ignorierte Umweltbedenken, Feinstaub-Diskussion und den Wandel gesellschaftlicher Einstellungen. Volkswagen verstieg sich in seiner Profitgier gar zu Betrug.

Das alles rächt sich nun. BMW, Daimler und VW stehen in Sachen Profitabilität zwar weltweit an der Spitze, doch auf ihrem Heimatmarkt sind sie Getriebene. In einer emotional aufgewühlten Diskussion steht die Branche kollektiv am Pranger und unter Generalverdacht, ihre Kunden, Behörden und Politik arglistig getäuscht zu haben. Das stimmt zwar so nicht, wird aber von vielen Kritikern nicht wahrgenommen. Die VW-Betrüger haben das Image der Branche ruiniert – und das Vertrauen verspielt. Doch gerade auf das ist die deutsche Autoindustrie angewiesen, wenn der tiefgreifende Wandel gelingen soll. Es steht außer Frage: Die mobile Zukunft ist vernetzt, automatisiert und emissionsfrei.

Auf der IAA, der weltweit größten Automesse, machen VW und Daimler aus der Not eine Tugend. Von dem Ort, an dem sich die Branche alle zwei Jahre selbst feiert, geht nun das Signal aus: Wir nehmen E-Mobilität ernst und investieren Milliarden. Das ist auch eine Kampfansage an die Konkurrenz. Die Einsicht kommt spät und sie ändert nichts an der verqueren Diskussion hierzulande: E-Autos sind nur so sauber, wie der Strom, der sie antreibt. Angesichts eines Kohleanteils von 40 Prozent an der deutschen Stromproduktion sind elektrische Fahrzeuge alles andere als emissionsfrei – und werden es mit Blick auf ihre gesamte Ökobilanz selbst nach der Energiewende nicht sein.

Auch die Feinstaubbelastung in Städten wie Stuttgart wird das E-Auto nicht wesentlich reduzieren – aus einem einfachen Grund: Der Verkehr ist zwar für die Hälfte des Feinstaubs verantwortlich, doch der überwiegende Teil davon wird laut Landesanstalt für Umwelt durch Reifen und Bremsen verursacht. Auch in diesem Punkt leistet sich Deutschland eine aberwitzige Debatte.

Die Grünen fordern dennoch in Veggie-Day-Manier das Endes des Verbrennungsmotors. Das ist ideologisch motivierter Blödsinn. Wer über die Autoindustrie redet, muss global denken. In China, Indien und Afrika wird die Mobilität in den nächsten Jahren zunehmen, und auch die Zahl der Verbrennungsmotoren. An deren weiterer Optimierung führt kein Weg vorbei. Auch hierzulande macht es Sinn, auf verschiedene Technologien zu setzen – vom E-Antrieb über die Brennstoffzelle bis zum Diesel.

Nach der Bundestagswahl muss sich die neue Regierung schnell mit der Autoindustrie an einen Tisch setzen und einen Plan aufstellen. Für die Mobilitäts- und Energiewende sind Milliarden an Investitionen notwendig, die aufeinander abgestimmt sein müssen. Scheiterten diese Mega-Projekte, die Folgen für unser Land wären dramatisch.

leitartikel@swp.de

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13.09.2017, 06:00 Uhr
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