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Applaus allein reicht nicht: franz. K fordert Zuschuss vom Kreis

Soziokulturelles Zentrum wird ausgezeichnet

Mit 30 000 Euro ist der Bundesmusikpreis „Applaus“ dotiert, den das franz. K jetzt verliehen bekommen hat. Dieselbe Summe fordert das soziokulturelle Zentrum nun als jährlichen Zuschuss vom Landkreis Reutlingen.

22.10.2015
  • Matthias Reichert

Reutlingen. „Applaus“ ist die „Auszeichnung für die Programmplanung unabhängiger Spielstätten“. 64 Livemusikprogramme aus 14 Bundesländern wurden am Montag in der Münchner Muffathalle von der Berliner Kultur-Staatsministerin Monika Grütters mit diesem Bundesmusikpreis geehrt. In Baden-Württemberg kürte die Jury drei Preisträger in der ersten Kategorie mit mehreren wöchentlichen Musikveranstaltungen: das franz. K, den Stuttgart Bix-Jazzclub und das Heidelberger Zentrum Karls torbahnhof. Sie wurden unter 320 Bewerbern ausgewählt; die Fördersumme beträgt je 30 000 Euro (wir haben überregional berichtet).

Zu acht sind sie nach München gefahren. „Eine riesengroße Bestätigung für unsere Arbeit“, freut sich Öffentlichkeitsarbeiterin Sarah Petrasch. „Wir sind glücklich und stolz auf den Preis und auf das Team“, sagt Karl Grüner, der Vorsitzende des Trägervereins (470 Mitglieder) – es sei keine Selbstverständlichkeit, über die Jahre solche Akzente zu setzen. Geschäftsführer Andreas Roth wertet die Auszeichnung als politische Anerkennung, dass auch Solisten und kleinere Bands förderwürdig seien, die sich nicht an einzelne Häuser binden wollen oder können. Sprich: dass nicht nur große Bühnen und Orchester Unterstützung brauchen.

62 Prozent des Etats durch Eintrittsgelder

Das franz. K stemmt einen Jahresetat von 1,3 Millionen Euro. Die Stadt Reutlingen zahlt 340 000 Euro Zuschuss im Jahr, das Land 170 000 Euro. Das sind 38 Prozent des Haushalts. Immerhin 62 Prozent sind eigenfinanziert: In den vergangenen Jahren kamen jeweils regelmäßig über 50 000 Besucher ins franz. K – in rund 300 Veranstaltungen, davon 140 Konzerte. Woher das Publikum anreist, kann Roth nur aufgrund des Vorverkaufs und des Programmhefte-Versands ermitteln. Demnach sind 40 Prozent aus der Stadt Reutlingen und 25 Prozent aus dem übrigen Landkreis Reutlingen. Etwa 17 Prozent kommen aus der Stadt Tübingen.

Das soziokulturelle Zentrum hat schon 2008 bei seiner Gründung einen Zuschuss vom Kreis Reutlingen beantragt. Damals wurde ihm beschieden, der Kreis sei nur marginal in der Kulturförderung unterwegs. Jetzt startet das franz. K einen neuen Anlauf und hat zur Haushaltsrunde einen jährlichen Zuschuss von 30 000 Euro beim Kreis beantragt – von 2016 an. „Wir haben uns das sehr genau überlegt“, sagt Grüner. Der Betrag sei moderat, liege deutlich unter der Förderung von Württembergischer Philharmonie und Tonne-Theater. „Das franz. K ist seit Jahren unterfinanziert“, argumentiert Grüner, der auf fraktionsübergreifende Unterstützung im Kreistag hofft.

Um die Unterfinanzierung zu beziffern, hat das Kulturzentrum hochgerechnet, was es kosten würde, den Mitarbeitern (elf Leute auf 8,5 Stellen) Tariflöhne wie im öffentlichen Dienst zu zahlen. Dafür müsste der Verein als Arbeitgeber im Jahr 107 000 Euro mehr ausgeben. 17 000 Euro könnte das franz. K aus eigener Kraft sparen. 30 000 Euro sollen nun vom Kreis kommen, weitere 30 000 Euro von der Stadt, die den Zuschuss erhöhen müsste. Die fehlenden 30 000 Euro könnte dann komplementär das Land tragen, so die Rechnung.

In der Belegschaft stehe ein Generationenwechsel an; es sei schwer, Leute zu finden, die den bisher geringen Lohn in Kauf nehmen, sagen Roth und Grüner: „Bisher gehört viel Idealismus dazu, hier einen Job anzunehmen.“ Die Alternative? „Ansonsten wird das Programm in seiner Qualität und Vielfalt nicht mehr zu halten sein.“

Soziokulturelles Zentrum wird ausgezeichnet
Preisgekröntes Musikprogramm: Felix, den Leadsänger von Kraftklub, haben sie Ende 2011 beim Auftritt im franz. K auf Händen getragen. Archivbild: Haas

Für die 30 000 Euro aus dem „Applaus“-Preis will das franz. K eine neue Backline -Verstärkeranlage für die Bands kaufen. Ein Teil der Summe soll in die Reihe „Sonic Visions“ fließen, speziell in die kommendes Jahr geplante Eigenproduktion mit 40 Mitwirkenden zum 100. Geburtstag des Dadaismus. Beim neuen Festival „inter:Komm!“ wird der Eintritt gesenkt. Das Team bekommt eine Prämie. Und die Zuschauer ein Bonbon: Am 15. Februar tritt, dank des Preises, die legendäre Postrock-Band Tortoise aus Chicago auf. Aber ist es politisch wirklich sinnvoll, gleich nach der Preisverleihung denselben Betrag als jährlichen Zuschuss vom Landkreis zu fordern? Ja, glaubt Geschäftsführer Andreas Roth: „Der Preis ist einmalig, weil unsere Arbeit auch kulturpolitisch gewürdigt wird. Aber damit können wir keine Lohnerhöhung finanzieren.“

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22.10.2015, 12:00 Uhr
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