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Leidenschaftlich statt dröge

Sozialverband VdK fordert mehr politische Unterstützung für Menschen in Not

Zwei Stunden wurde geredet, mit immer deutlicheren Forderungen an die Politik: Der Sozialverband VdK im Kreis Tübingen traf sich am Samstag in der Pfrondorfer Schönbuchhalle zu seiner Herbstversammlung.

26.10.2015
  • Fabian Renz

Pfrondorf. Die Herbstversammlung eines gemeinnützigen Vereins, mit langen Grußworten, Kaffeegedecken auf den Tischen und Blumenschmuck an den Turnhallenwänden, kann eine sehr dröge Veranstaltung werden. Unter gewissen Umständen kann sich so ein Nachmittag aber auch als sehr unterhaltsam erweisen: Zum Beispiel, wenn es sich bei dem Verein um den größten Sozialverband Deutschlands handelt, wenn drei Bundestagsabgeordnete im Publikum sitzen und markige Forderungen mit auf den Weg bekommen und wenn der Gastredner ein flammendes Plädoyer für mehr Sozialstaat und mehr gesellschaftliche Solidarität abgibt – und dabei auch zum aktuellen Reizthema Flüchtlinge klare Worte findet.

Genau so lief am Samstag die Herbstversammlung des Tübinger Kreisverbandes des Sozialverbandes VdK in der Pfrondorfer Schönbuchhalle ab. 1,7 Millionen Mitglieder hat der Verband deutschlandweit, über 3700 im Kreis – rund 400 davon kamen nach Pfrondorf. Ihnen gleich taten es mit Martin Rosemann (SPD), Annette Widmann-Mauz (CDU) und Heike Hänsel (Linke) gleich drei Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis. Chris Kühn (Grüne) hatte seine Zusage kurzfristig zurücknehmen müssen.

Auf dem Programm standen vier Grußworte und eine Hauptrede. „Hoffentlich geht das nicht zu lang“, stöhnte einer der Gäste schon vor der Begrüßung durch Manfred Brüssel, den Vorsitzenden des Kreisverbands. Seine Hoffnung blieb unerfüllt: Die veranschlagte Redezeit wurde um mehr als 30 Minuten überschritten, zwei Stunden dauerten die Ansprachen insgesamt. Dass es dennoch nicht langweilig wurde, lag zum einen daran, dass die Reden immer leidenschaftlicher wurden, und zum anderen, dass die Uneinigkeiten zwischen Verband und Politik immer deutlicher zu Tage traten.

Relativ leicht hatte es in seinem Grußwort, das eher zur Rede geriet, noch der SPD-Politiker Martin Rosemann. Als Mitglied sowohl einer Regierungspartei als auch des VdK betonte er die erfolgreichen sozialpolitischen Entscheidungen der letzten Jahre, allem voran die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns. „Das war ein Meilenstein auf dem Weg, prekäre Arbeitsbedingungen zu verdrängen“, sagte er. „Ich denke, wir können jedes ihrer Worte unterschreiben“, befand da auch die Moderatorin und VdK-Frauenvertreterin Ursula Moosburger. Soweit herrschte Eintracht im Saal.

Als dann jedoch zuerst Georg Wiest, Vorsitzender des VdK-Bezirksverbandes Südwürttemberg-Hohenzollern, und danach Armin Lang, Vorsitzender des VdK-Bundesausschusses, sprachen, wurden die Forderungen an die Politik immer deutlicher – und die Eintracht unter den geladenen Gästen aus der Politik nahm immer weiter ab.

Kritik an „Verwerfungen in unserer Gesellschaft“

In der Gesundheits-, Pflege-, Renten und Arbeitsmarktpolitik gebe es noch vieles zu verbessern, betonte vor allem Lang. „Die sozialen Verwerfungen in Deutschland treiben die Leute in unsere Arme. Sie haben den Eindruck, dass es nicht gerecht zugeht in ihrem Land.“ Im Lauf seiner Rede wurde Lang immer energischer, markante Sätze rief er laut ins Mikrofon: „Während die einen Arzttermine absagen, weil sie die Zusatzkosten in der Apotheke nicht bezahlen können, boomt die Wellness-Branche in den 4-Sterne-Hotels. Das sind die Verwerfungen in unserer Gesellschaft, die wir niemals akzeptieren werden.“ Während nun zum Beispiel Annette Widmann-Mauz kaum noch die Hände rührte, wurde der Applaus von Linken-Politikerin Heike Hänsel immer energischer.

Deutliche Worte fanden die VdK-Redner auch zur Flüchtlingsproblematik. Gerade in der Erinnerung an die Schrecken des Krieges und die erfolgreiche Integration vieler Flüchtlinge nach Ende des Zweiten Weltkrieges dürften einem Sozialverband Menschen in Not nicht egal sein. „Der VdK ruft alle Mitglieder auf, sich solidarisch mit Flüchtlingen zu zeigen“, sagte etwa Georg Wiest. Da applaudierten wieder alle im Saal.

Der Sozialverband VdK Deutschland wurde 1950 unter dem Namen „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschland“ gegründet – daher rührt auch die Abkürzung VdK. Mittlerweile setzt der Verband sich jedoch nach eigener Darstellung für alle Menschen ein, „die Hilfe brauchen und benachteiligt sind“ – seien es Pflegebedürftige, chronisch Kranke, Arbeitslose, Rentner oder Menschen mit Behinderung. Mit 1,7 Millionen Mitgliedern hat der Verband mehr Mitglieder als alle im Bundestag vertretenen Parteien zusammen. Etwa 60 000 ehrenamtliche und 1500 hauptamtliche Mitarbeiter sind für den Verband tätig. Im Kreis Tübingen gibt es insgesamt 28 Ortsverbände mit zusammen mehr als 3700 Mitgliedern.

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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