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Zeit-Fragen

Sonnige Aussichten

Der Verein Sonnenenergie Neckar-Alb will erreichen, dass die Region bis 2030 zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt wird. Diesen Herbst feiert der Verein 20. Geburtstag.

09.10.2015
  • TEXT: Matthias Reichert | Foto: Verein

Als der Verein Sonnenergie Neckar-Alb 1995 entstand, galt es noch als exotisch, Strom mit Fotovoltaik, Biomasse oder Windkraft zu erzeugen. Landräte äußerten, solange sie im Amt seien, würden keine Windräder in ihrem Gebiet genehmigt. Der Verband deutscher Ingenieure zweifelte die Fachkompetenz des neu gegründeten Vereins an. Deshalb lobt der heutige Reutlinger Landrat Thomas Reumann zum 20. Geburtstag die Aktivisten: „Sie haben das mit beispielhafter Hartnäckigkeit betrieben.“

Am 27. September 1995 wurde der Sonnenergie-Verein im Reutlinger Ratskeller gegründet. Er hatte sich die Förderung erneuerbarer Energien aufs Panier geschrieben – vernetzt in den drei Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb. „Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen kein Stadt- oder Kreis-, sondern ein Regionalverein sein“, erinnert sich der Gründungsvorsitzende Thomas Merkle.

Heute hat der Verein 48 Mitglieder: Abgeordnete, Wissenschaftler, Ingenieure, Architekten, Handwerker, aber auch ganz normale Bürger. Mittlerweile trommelt der Sonnenergie-Verein für das Ziel, die Region Neckar-Alb bis 2030 zu hundert Prozent mit erneuerbaren Energien zu versorgen. In 20 Jahren sei der Anteil schon von annähernd null auf 17 angestiegen, teilt der Vorstand zum Jubiläum mit.

Fünf Gemeinden von 66 in den drei Landkreisen der Region Neckar-Alb erzeugen schon jetzt, hochgerechnet auf den Pro-Kopf-Verbrauch, mehr als hundert Prozent ihres Strombedarfs regenerativ. Hohenstein auf der Reutlinger Alb schafft sogar das Vierfache des Bedarfs – weil dort die Fertighausfirma Schwörer ein Holz-Heizkraftwerk betreibt. Weitere energetische Vorzeige-Kommunen sind Zwiefalten, Hayingen und Pfronstetten im Kreis Reutlingen sowie Dotternhausen im Zollernalbkreis. „In Pfronstetten-Tigerfeld sieht man heute schon mehr blaue Dächer mit Fotovoltaik-Anlagen als rote mit den Dachziegeln“, freut sich Gründungsvorsitzender Merkle.

Der Verein hat Energiepioniere wie den 2010 verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer zu Vorträgen in die Region geholt, den Träger des Alternativen Nobelpreises. Schon 1996 rief der Verein die Solartage ins Leben, die bald zu groß für die Reutlinger Listhalle wurden. Sie avancierten in wenigen Jahren zu einer der größten Messen für erneuerbare Energien in Deutschland, erzählt Merkle. 2004 zog der Verein mit der Messe, die nun „Neckar-Alb regenerativ“ hieß, nach Balingen. Dort wird sie mittlerweile jährlich von einem professionellen Veranstalter organisiert.

So hat der Verein Kapazitäten für andere Projekte. Er organisiert Solarstrom-Vorhaben in Afrika. Er betreibt die Einrichtung von Bürger-Solaranlagen, die erste entstand 2003 auf dem Dach des Reutlinger Umweltbildungszentrums Listhof. Die 2012 gegründete Bürger-Energiegenossenschaft hat heute 286 Mitglieder und verfügt über eine Million Euro Investitionskapital. Insgesamt sind bisher vier Fotovoltaikanlagen entstanden, unter anderem eine auf dem Dach der Reutlinger Stadthalle. Ebenfalls vor drei Jahren wurde zudem ein Netzwerk „Energie Kooperativ“ gegründet, gemeinsam mit Vereinen und Genossenschaften der Nachbarkreise sowie den Tübinger Stadtwerken.

2009 hat der Sonnenergie-Verein sein „Energieszenario 2030“ präsentiert. Diese Studie wurde jetzt aktualisiert. Sie soll aufzeigen, wie in der Region bis 2030 der verbrauchte Strom zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammen könnte. „Warum soll das nicht gehen?“, fragt der heutige Vereinsvorsitzende Klaus Fink aus Sonnenbühl rhetorisch. „Die Technik ist vorhanden, auf der Fläche kann man’s machen, die Sonnen- und Windpotenziale und auch das Geld sind da. Man muss es nur wollen.“

Die neue Studie zeigt auf, was sich seit 2007 getan hat. Die Nutzung der Fotovoltaik hat sich – wenngleich noch auf bescheidenem Niveau – mehr als vervierfacht, die Stromerzeugung aus Biogas wurde fast verdoppelt. Die vergleichsweise geringen Potenziale der Wasserkraft sind schon annähernd ausgeschöpft. Nur bei der Windenergie hat sich nichts getan, obwohl diese mit den Solaranlagen die größten Nutzungs-Erwartungen hat.

Zum einen haben sich die Genehmigungsverfahren für Windräder immer wieder verzögert. Und dann bläst den sanften Riesen auch noch der politische Wind kräftig ins Gesicht. Denn die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes der Bundesregierung verlangt Ausschreibungen für große Windkraft-Anlagen. „Das hängt die Bürgergenossenschaften ab“, kritisierte Helmfried Meinel, Ministerialdirektor im Stuttgarter Umweltministerium, beim Festakt des Sonnenergie-Vereins im Reutlinger Spitalhofsaal. Das Gesetz bevorzuge nun institutionelle Anleger. „Wer nicht kapitalkräftig ist, kann sich kein Scheitern bei den Ausschreibungsverfahren mehr erlauben“, so Meinel.

Doch der Sonnenenergie-Verein lässt nicht locker. Unter anderem plane man mit der Energie-Kooperative derzeit die Gründung einer Windkraft-Genossenschaft, die finanzkräftigen Tübinger Stadtwerke im Rücken. „In den nächsten Jahren wird da sehr viel passieren“, sagt Thomas Merkle voraus.

Sonnige Aussichten
2012 wurde in Reutlingen eine Bürger-Energie- Genossenschaft gegründet. Sie hat heute 286 Mitglieder und verfügt über eine Million Euro Investitionskapital. Seither sind schon vier Fotovoltaikanlagen entstanden, hier die auf dem Dach der Reutlinger Stadthalle.

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09.10.2015, 12:00 Uhr
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