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Sonnenbad im großbürgerlichen Park
Der Weissenburgpark lädt zur Entspannung am Rande der Großstadt ein. Foto: Daniel Grupp
Ausflüge

Sonnenbad im großbürgerlichen Park

Historische Grünanlage der Villa Weissenburg verbindet auf ideale Weise Stadtnähe mit dem Aufenthalt im Grünen. Ein neues Buch ermöglicht eine Reise in die Vergangenheit des Stuttgarter Anwesens.

12.04.2018
  • DANIEL GRUPP

Stuttgart. Der Württemberger Weißherbst ist schon zur Kaffeezeit ausverkauft. Der kühl getrunkene Wein passt offenbar hervorragend zu diesem sommerlichen Sonntag. Viele Ausflügler, vielleicht einige Tausend, sind in den Park der Villa Weissenburg gekommen. Sie können von der Liegewiese aus einen tollen Blick auf die Landeshauptstadt genießen. Familien mit kleinen Kindern, jüngere und ältere Besucher haben die Gelegenheit, im Grünen und gleichzeitig der Großstadt so nahe zu sein. Die Vielzahl der Besucher zeigt sich dann auch an der Warteschlange vor dem Teehaus. Wer etwas essen oder trinken möchte, muss Geduld aufbringen.

Wer im zwischen Heusteigviertel und Bopser gelegenen Weissenburgpark nicht nur dem Müßiggang frönt, kann sich auch auf historische und kulturgeschichtliche Spurensuche begeben. Fundstellen, die bis in die Keltenzeit zurück reichen, sind reichlich vorhanden, allerdings nicht immer leicht zu finden. Die interessierten Spaziergänger müssen schon wissen, worauf zu achten ist. Da hilft Klaus Steinkes Buch „Teehaus, Tanz und Berg der Wahrheiten“, das in diesem Jahr im Silberburg-Verlag erschienen ist. Steinke schreibt, er habe schon als Kind im Park gespielt.

Der Park verdankt seine Existenz dem Stuttgarter Apothekersohn Ernst von Sieglin, der ein Seifenpulver miterfunden hatte, dessen Vertrieb ihn in den 1870er Jahren „in Aachen sehr wohlhabend“ machte, schreibt Steinke. Sieglin setzte sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Villa Weissenburg in Stuttgart zur Ruhe. Aus der Zeit des großbürgerlichen Parks stammen der Marmorsaal, wo auch Hochzeiten gefeiert werden, und das inzwischen gastronomisch genutzte Teehaus. Der Buchautor schreibt, dass die Familie Sieglin damals den „größten privaten Höhenpark Deutschlands“ besessen habe. Wie die Familie auf dem riesigen Anwesen lebte, kann mit dem Buch nachempfunden werden. Zwei Fotoalben der Sieglins geben private Einblicke. Zudem konnte Steinke mit vier von Sieglins Enkelkindern übers großbürgerliche Leben rund um die Villa sprechen. Im Buch werden die privaten Bilder mit aktuellen Aufnahmen verbunden. So kann sich der Leser auch über inzwischen verschwundene Örtlichkeiten und Gebäude wie das Schwimmbad, den Tennisplatz oder den Verlobungspavillon informieren.

Die namensgebende Villa wurde 1964 abgerissen. Das Haus war 1844 als zweistöckige Villa mit Walmdach errichtet worden. In der Folge kam es zu mehreren Wechseln der Besitzer. Der Weingroßhändler Albert Munzer ließ schließlich in den 1890er Jahren das Gebäude erweitern. Damals entstanden die markanten Seitentürme, welche die weithin sichtbare Silhouette prägten. Die im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigte Villa diente nach dem Krieg der amerikanischen Militärregierung. 1952 erhielten Sieglins Erben das inzwischen sanierungsbedürftige Gebäude zurück, weigerten sich aber, es zu renovieren. Ende der 1950er Jahre kaufte die Stadt das Anwesen. Zur Bundesgartenschau 1961 entstand dort der „kleine Killesberg“.

Im Buch wird berichtet, dass der Bopserweg westlich des Parks ein uralter keltischer Fußweg zwischen Hohenasperg und Hohenneuffen war. Bis zum Bau der Straßenbahn nach Sillenbuch in den 1930er Jahren diente der Keltenweg als direkteste Fußverbindung, die Bauersfrauen und Milchmädchen täglich nutzten, um frische Milch in die Stadt zu bringen. Auf der steinernen Ruhebank am oberen Ende der Bopserwaldstraße ruhten sich die Bäuerinnen aus. An die Gruobbank (von gruoba = ausruhen), die dort steht, erinnert die Stadtbahnstation Ruhbank, an der Besucher aussteigen, die zum Fernsehturm wollen. Dem Schutz des mehr als 2500 Jahre alten Fernwegs diente die Weissenburg, die zur Stauferzeit vor etwa 800 Jahren errichtet und schon 1312 von den Esslingern zerstört wurde. Was blieb, sind der ehemalige Burghügel, der jetzt die Aussichtsplatte trägt, und die Liegewiese, die die Stuttgarter und ihre Gäste an schönen Tagen genießen.

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12.04.2018, 06:00 Uhr
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