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Wenig schießt und sprießt Wegen des trockenen

Sommers wachsen so geringe Mengen Pilze wie selten

Wegen des trockenen Sommers fällt die Pilzsaison 2015 praktisch aus. Ausstellungen werden abgesagt, Sammler kommen oft mit leeren Körben heim. Wenig schießt aus den Böden - schon gar keine Pilze.

17.10.2015
  • HANS-ULI MAYER

Ulm/Neu-Ulm Das Frühjahr war zu kalt, der Sommer zu trocken und der Herbst auch ein ziemlicher Ausfall. "Ich beschäftige mich seit 1974 mit Pilzen. Ein so schlechtes Jahr wie dieses gab es, wenn überhaupt, erst einmal." Gerd Fischer weiß wovon er spricht. Der 75-Jährige war jahrelang Vorsitzender des Arbeitskreises Mykologie (Wissenschaft von den Pilzen), in dem er heute noch Ehrenmitglied ist.

Wird er auf die laufende Pilzsaison angesprochen, so macht er aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Das Jahr 2015 war ganz schlecht. Und zwar nicht nur der Herbst, sondern das komplette Jahr: "Es gab im Grunde weder Frühlings- noch Sommer- noch Herbstpilze." An diesem Urteil ändert auch der Regen der vergangenen Tage wenig. "Das waren ja nur ein paar Tropfen. Wenn man überlegt, wie viele Monate es trocken war, begreift man schnell, wie wenig das bringt", sagt er.

Die Lage ist sogar so schlecht, dass bis auf wenige Ausnahmen viele für den Herbst geplanten Pilzausstellungen abgesagt wurden (siehe untenstehender Bericht). Mitarbeiter des Botanischen Gartens berichten davon, bei Sammelaktionen derzeit statt der üblichen 200 bis 250 verschiedenen Arten gerademal 20 zu finden. Insgesamt sind in der Region Ulm knapp 3000 verschiedene Pilzarten kartiert, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Bedingungen liegt, die in der Region rund um Ulm vorzufinden sind.

Ganz grob unterscheidet man drei Oberbegriffe, beziehungsweise drei verschiedene Ernährungsweisen von Pilzen. Die einen sind die so genannten Verzehrer, wie etwa der Champignon, der totes Material wie Nadeln oder Laub für sein Wachstum braucht. Eine zweite Art besiedelt Holz, vorzugsweise totes oder geschwächtes und baut ganz praktisch auch Holz ab. Und die dritte Unterscheidung sind die Mykorrhiza, also die Baumwurzler, die eine Symbiose mit gesunden Bäumen zum beiderseitigen Nutzen eingehen. Die Bäume geben dem Pilz Zucker, die wiederum schaffen Mineralien und Wasser ans Wurzelwerk ihres Wirtes.

Pilze wachsen als Geflecht im Boden und an Baumwurzeln. Was gekocht oder gebraten auf den Tisch kommt, ist lediglich der oberirdisch sichtbare Fruchtkörper, der von Natur aus den Auftrag hat, den Pilz zu verbreiten und auf diese Weise letztlich die Art zu erhalten. Freilich gibt es nicht nur unterschiedliche Ernährungsweisen der Pilze, es gibt natürlich auch aufgrund der Bodenarten große Unterschiede.

So wachsen nördlich der Donau auf dem Kalkstein der Schwäbischen Alb ganz andere Pilze als etwa in den Feuchtgebieten des Langenauer Rieds oder ganz generell südlich der Donau, wo die Böden eher säuerlich sind. Dennoch landet heuer kaum etwas in den Körben der Pilzsucher. Selbst Kenner und Spezialisten wie Gerd Fischer kommen zu kurz. Erst Anfang der Woche haben sich die Mitglieder des Arbeitskreises Mykologie getroffen - und allenfalls 30 verschiedene Arten auf dem Tisch gehabt.

Auch Fischer war vergangenes Wochenende unterwegs und hat so gut wie nichts gefunden: "Ich habe wirklich kaum etwas gehabt", gesteht er ein. Kaum Röhrlinge, keine Steinpilze, keine Champignons und erst recht keine Pfifferlinge. Mit deutlich mehr Regen hätte 2015 eigentlich das richtige Wetter gehabt für Steinpilze. Aber es hat einfach an Feuchtigkeit gefehlt, was auch nicht durch einen einzigen Regenguss wettgemacht werden kann.

Doch so ganz will Fischer die Hoffnung noch nicht aufgeben. "Eigentlich stehen die Pilze in den Startlöchern", macht er sich selber Mut. Es bräuchte nur mal ein oder besser zwei Tage einen richtigen Landregen, dass von dem Nass auch etwas auf und im Waldboden ankommt. Die Wälder seien leider total ausgetrocknet, weshalb ein kurzer starker Guss nicht ausreiche.

Mit etwas Glück bietet der Herbst aber noch etwas. Bis es richtig gefriert ist noch etwas Zeit, und schließlich ist es im Wald immer etwas wärmer als auf dem freien Feld. Wenn es dann mal etwas anhaltender regnet, brauchen die Pilze ein bis zwei Wochen, bis sie schließlich sprießen. Gerd Fischer würde sich freuen. So ganz jedenfalls hat er die Hoffnung auf ein versöhnliches Saisonende noch nicht aufgegeben.

Sommers wachsen so geringe Mengen Pilze wie selten
Foto: © markis - fotolia.com

Sommers wachsen so geringe Mengen Pilze wie selten
Hofft auf mehr Regen: Pilzexperte Gerd Fischer. Foto: Privat

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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