Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Pro und Contra · Facebook

Soll man das Netzwerk verlassen?

Der millionenfache Datenmissbrauch von Facebook hat eine neue Debatte entfacht. Lässt sich seine Macht eindämmen?

03.04.2018

Von Guido Bohsem & Igor Steinle

Symbolbild: tiero - Fotolia.com / Montage: hz

Pro

Nein, Facebook ist nicht an allem schuld. Das Unternehmen ist nicht dafür verantwortlich, dass sich Leute lieber in ihren Echo-Blasen verschanzen, als mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen. Facebook kann nichts für die Oberflächlichkeit, mit der wir unsere Freundschaften pflegen. Facebooks Geschäftsmodell ist auch nicht das erste, das darauf setzt, Informationen über andere Menschen zu sammeln und dann meistbietend zu verkaufen.

Doch unschuldig ist die Firma aus aus Menlo Park in Kalifornien deshalb noch lange nicht. Denn sie fördert all diese unerfreulichen Dinge und zwar in eigennütziger Weise. Facebook bündelt sie zu einem internationalen Geschäftsmodell, für das es wenig Regulierung und noch weniger gesellschaftliche Übung gibt.

Redaktionsleiter Berlin Guido Bohsem. Foto: NBR

Die neuerlichen Vorwürfe legen den Verdacht nahe, dass das Unternehmen mit seinem gigantischen Wachstum nicht fertig wird und es ihm nicht gelingt, die Daten zu schützen, die es minütlich von seinen Nutzern absaugt. Der nun diskutierte Umgang mit intimen Informationen von über 50 Millionen Menschen ist nicht etwa deshalb besorgniserregend, weil sie von einer dubiosen Firma wie Cambridge Analytica angeblich zur Manipulation des US-Wahlkampfs eingesetzt worden sind. Nein, schlimmer ist, dass sie überhaupt zur Verfügung standen und dass diese Lücke schon lange bekannt war.

Auf Hinweise hat das Unternehmen nicht reagiert. Wie so häufig. Es gibt derzeit nur einen Schritt, Facebook in die Schranken zu weisen. Je mehr Nutzer das Netzwerk verlassen, desto eher wird in Kalifornien der Groschen fallen, dass man so nicht weiter machen kann. Guido Bohsem

Contra

Machen wir uns nichts vor: Wir wussten doch schon immer, dass unsere Daten bei Facebook nicht sicher sind. Trotzdem sind die Nutzer nie in Massen ausgetreten, auch nach dem jüngsten Skandal nicht. Warum? Weil ein Austritt mangels Alternativen keinen Sinn macht. Alle sind bei Facebook. Es ist der sogenannte Netzwerkeffekt, der es so schwer macht, sich von dieser Plattform zu verabschieden: ein Netzwerk funktioniert umso besser, je größer es ist. Erst dann erhält man als Mitglied auch bessere Informationen. Facebook ist durch diesen Effekt zu einem Quasi-Monopolisten geworden.

Korrespondent Igor Steinle. Foto: NBR

Dabei existiert ein einfaches Mittel, diesen Effekt zu durchbrechen: Wettbewerb. Man könnte Facebook gesetzlich verpflichten, eine Schnittstelle für andere soziale Netzwerke in seinem Dienst zu schaffen. Als Nutzer hätte man dadurch die Möglichkeit, sich für einen alternativen Dienst zu entscheiden, ohne über Jahre hinweg gesammelte Facebook-Kontakte aufzugeben. Mit Sicherheit würde dann auch ein Netzwerk auf den Markt treten, das den Datenschutz ernst nimmt. Und Facebook stünde auf einmal unter Druck, sein Geschäftsmodell zu überdenken.

Allzu exotisch ist dieser Vorschlag auch nicht, auf einem anderen Kommunikationsmarkt ist er völlig selbstverständlich: Als Telekom-Kunde können Sie schließlich auch problemlos Vodafone-Kunden anrufen. Stellen Sie sich vor, um Kunden anderer Netze zu erreichen, müssten Sie einen jeweils neuen Vertrag abschließen! Das wäre Wahnsinn.

Genau die Situation haben wir jedoch heute mit sozialen Netzwerken. Es ist Zeit, diesen Wahnsinn zu beenden. Igor Steinle

Zum Artikel

Erstellt:
3. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. April 2018, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen?
Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+      Google+