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So würden Elfen singen
Vor der Bühne schwappt Wasser: 5000 Zuhörer kommen an den Strand zum „G!?Festival“. Foto: Dirk Hülser
Musik

So würden Elfen singen

Das „G! Festival“ auf den Färöern lockt jeden zehnten Einwohner des Inselstaats an den Strand. Dieses Jahr unter anderem wegen Eivør Pálsdóttir, dem Topstar der Färöer.

19.07.2018
  • DIRK HÜLSER

?. Kannska“ Das ist färöisch und heißt „vielleicht“. Die Fähringer gebrauchen das Wort zu jeder Gelegenheit, und das hat viel mit der abgeschiedenen Lage irgendwo zwischen Island und Norwegen zu tun, mit dem Wetter, den Naturgewalten, dem Leben abseits des Weltgeschehens. Vielleicht spielt Eivør Pálsdóttir, der Topstar des Ministaats im Nordmeer, ja auf dem „G! Festival“. Vielleicht aber auch nicht, oder vielleicht an einem anderen Tag als geplant. Kannska.

Ja, sie hat gespielt. Aber es lief tatsächlich mal wieder nicht so wie vorgesehen. Was auf den Färöern wiederum niemanden aus der Ruhe bringt. Vier Tage lang stieg das größte Musikereignis des Inselstaats, der zum Königreich Dänemark gehört, aber weitgehend autonom ist, am Strand von Sydrugøta. Mit dabei waren internationale Superstars wie Rag ‘n' Bone Man oder Sister Bliss, die zum Abschluss ein erstklassiges DJ-Set mit 90er-Techno des englischen Dance-Trios Faithless in den gar nicht dunklen Nachthimmel über den Bergen hinausblies.

Rag ‘n' Bone Man sorgte gleich zum Auftakt für einen vollen Strand, rund 5000 Leute waren da. Sichtlich bewegt sagte der Musiker: „Das ist einer der schönsten Plätze, an denen ich jemals gewesen bin. Und ich habe einige der verrücktesten Leute getroffen, die ich jemals kennengelernt habe.“ Zu seinem Megahit „Human“ rasten die Fähringer aus; gänzlich unberührt von all dem bauen Kinder Sandburgen, springen ins eiskalte Nordmeer, während sich die Hot Tubs am Strand zu Mini-Partyzonen entwickeln.

Am Folgetag ist Badewetter, Sonne, 20 Grad. Der US-Rocker Benjamin Gibbard, Frontmann von Death Cab for Cutie, enttäuscht mit einem lahmen Set, während die Fähringer es besser machen: Marius Ziska und Hogni zeigen, was die 50 000 Einwohner drauf haben. Am Freitag Regen, Nebel, Wind. Nachts baut ein Team die Technik der Hauptbühne ab, morgens ein anderes sie wieder auf. Am Samstag rollen die Wellen auf den Strand, immer wieder baut ein Bagger neue Dämme. Wasser schwappt vor der Bühne, während der Harlem Gospel Choir aus 13 Kehlen sein „Happy Day“ dem Ozean entgegenschmettert. Das Publikum ist fasziniert, der Chor genauso.

Gesungen wird immer

Spielt Eivør noch? Kannska. Einen Tag später als geplant tritt sie dann tatsächlich auf. Der Flieger mit einem ihrer Musiker konnte wegen des Wetters nicht landen, also wird umgeplant.

Eivør stammt aus Sydrugøta, ist mittlerweile international bekannt und unterwegs – nicht zuletzt wegen eines Songs für die Kultserie „Game of Thrones“. Ihre sensationelle Stimme – gäbe es Elfen: So würden sie singen! – gepaart mit traditioneller färöischer Musik und Elektrobeats ergibt eine einzigartige Mischung, die weltweit ihresgleichen sucht. Das Publikum feiert sie, kein Wunder, ist sie doch eine der Ihren.

Nachts, ein Haus im Dorf, wenige Meter von der Bühne am Strand entfernt. Vier junge Frauen tanzen den traditionellen Kettentanz, der auf simplen Schritten basiert und bei dem jeder mitsingt. Es geht um alte Sagen, Fabeln und mystische Geschichten. Wer in diesem Haus landet, wird an der Hand genommen und muss sich einreihen in diesen magischen Kreis. Dann geht eine Tür auf, Eivør kommt heraus, nimmt zwei Hände der Tanzenden und beginnt mitzusingen. Sowas kann hier immer passieren, kannska.

Eines ist aber sicher: Gesungen wird immer. Und überall. Und die Fähringer können es. Das beweisen sie auch beim G! Festival am Strand, ein wichtiger Programmpunkt ist am letzten Abend zur besten Zeit das „Sangløta“, das gemeinsame Singen. Eine bunt zusammengewürfelte Band spielt färöische Lieder – und 5000 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder singen mit, textsicher und immer den richtigen Ton treffend. Mehr Gänsehaut geht nicht. Nächstes Jahr wieder? Kannska!

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19.07.2018, 06:00 Uhr
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