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Pop

So viel Kelly wie noch nie

Michael Patrick ist schon lange nicht mehr Paddy, dafür solo erfolgreich unterwegs. Der große Rest der Family ist aber auch wieder gut im Geschäft.

26.07.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Lauchheim. Schon nach einer halben Stunde reist Michael Patrick Kelly Jahrzehnte zurück, in die Zeit, als er Paddy war. Der süße, umschwärmte Paddy der Kelly Family. „Wer diese Songs jetzt zum Kotzen findet – neben der Bühne stehen Eimer“, witzelt der Musiker. Und für diejenigen, „die jetzt vor Hysterie umkippen, gibt es Sanitäter“.

Kellys „Flashback für Nostalgiker“ bereitet den 2300 Fans auf Schloss Kapfenburg dann einfach nur Freude: Allein mit Gitarre bringt der 40-Jährige ein Medley aus Kelly-Family-Hits wie „An Angel“ und „One More Song“, die er einst als Teenager geschrieben hat. Das ist lange her. Kelly hat die Haare kurz, eine reifere Stimme und erfreut sich nach Krisen und Jahren im Kloster einer erfolgreichen Solo-Karriere.

Als er die Plakate, Kuscheltiere und Teenies in der dritten Reihe sieht, meint er, es sei „wieder wie früher, ich mache wohl etwas falsch“. Und im Ernst: Begeisterung sei gut und toll, Hysterie aber wolle er nicht mehr erleben. Doch er weiß eben auch: „Es wäre ein unvollständiger Ausschnitt meiner Identität, wenn ich ganz alte Songs ausschließen würde.“ Identität ist sein Thema, sein aktuelles Album heißt „iD“.

Eine Frage der Identität

Ja, wer oder was sind die Kellys heute? „Man darf uns jetzt gut finden! Die Kellys sind cool!“ Das zu betonen wird Michael Patrick Kellys Bruder Angelo (36) dieser Tage nicht müde, sei es in Talkshows (wo er oft mit Geschwistern oder mit Kindern zu Gast ist), oder auf der Bühne (wo er mit Geschwistern oder mit Kindern musiziert). Tatsächlich sind die Kellys so präsent wie lange nicht mehr – und dabei so vielgestaltig wie noch nie unterwegs.

Die Kelly Family selbst ist seit ihrem Comeback-Konzert im Mai 2017 wieder zurück. Eine Geschichte voller Auf und Abs ist damit in ihrem fünften Jahrzehnt angekommen. Die vom irischstämmigen Amerikaner Dan Kelly gegründete Familien-Combo hatte nach Jahren als hippieske Straßenmusiker von 1980 an erste Erfolge gefeiert. Das Album „Over The Hump“ (1994) war dann die Initialzündung zu fünf Jahren voller Hits und Hysterie vor allem um die Teenager Paddy und Angelo.

In Deutschland – die Kellys bewohnten mal ein Hausboot in Köln – herrschte eine Kellymania um die langmähnigen Jungstars mit dem eigentümlichen Vibrato. Sie verkauften 20 Millionen Platten, gewannen Echo, Bambi und Herzen. Nach dem Tod des zwölffachen Vaters Dan 2002 kam es zu Reibereien, auch wegen der Finanzen, die Truppe schrumpfte, manche der Geschwister versuchten sich auf Solo-Pfaden, gründeten eigene Familien, manche spielten wieder auf der Straße.

Nun ist die Family also zurück. Just der jüngste Spross Angelo, mittlerweile 36, ist der Kopf hinter der Truppe, mit dabei sind noch seine Geschwister Kathy (55), Paul (54), John (51), Patricia (48), Jimmy (47) und sogar Joey (45). Letzterer hat eine medienwirksame Karriere als Extremsportler, Teilnehmer von Überlebens-Experimenten bei „Stern TV“ und von Spaß-Sportshows. Jetzt aber steht auch Ironman Joey wieder mit Gitarre und Geschwistern auf der Bühne und scheint Spaß zu haben. Die nicht unheikle Familien-Historie interessiert derzeit nicht.

Dass auch Geld eine Rolle bei dem Revival spielt, dementiert keiner der Beteiligten ernsthaft. Aber wenn sie vor ausverkauften Häusern spielen, liefern sie engagiert ab, was die Fans lieben: eingängigen Folk-Pop, durchaus mit Hang zum Pathos und auch mal zur Schnulze.

Angelo Kelly ist zudem mit seiner eigenen Familie (Gattin Kira und fünf Kinder) unterwegs, dem Irish Folk verpflichtet. Und seine Schwester Maite (38) hat sich in der Schlagerbranche („Warum hast du nicht nein gesagt“) einen Namen gemacht und in Tanz-Sendungen für Furore gesorgt.

Spaß und positive Stimmung

Also alles Kelly, oder was? Michael Patrick Kelly zumindest steht nur für sich selbst, singt heute „Friends R Family“, auch wenn er ein paar der alten Songs in den malerischen Innenhof von Schloss Kapfenburg mitgebracht hat. Vor allem aber spielt er in den gut über zwei Stunden Lieder aus seinen Solo-Alben, die ihn als guten Songwriter ausweisen.

Spaß und positive Stimmung: Da gibt's mit der Fünf-Mann-Band Tempo-Nummern („Run Jump Fly“) und Piano-Balladen („Higher Love“), Kuhglocken- und Bongo-Soli. Aus der Tauschkonzert-Show „Sing meinen Song“ hat er Gentlemans „Memories“ dabei und Mark Forsters „Flüsterton“, der in eine Friedens-Schweigeminute mündet.

Nahbar, glaubwürdig kommt Kelly rüber, er lässt sich auf Händen tragen, ein Zugaben-Dankeslied wie „Holy“ aus Klosterjahren nimmt man ihm ebenso ab. So werden auch Fans zur Familie.

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26.07.2018, 06:00 Uhr
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