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So viel Altes wie möglich erhalten
Gestern schwebte der Turm der Kapelle durch die Luft. Bild: Faden
Denkmal

So viel Altes wie möglich erhalten

Die jahrhundertealte Kapelle in Kreßbach droht einzustürzen. Deshalb wird sie nun renoviert. Ein Kran hob dazu gestern Früh den tonnenschweren Glockenturm von dem fragilen Gebäude.

02.09.2017
  • Madeleine Wegner

Es war keine einfache Aufgabe, welche die zwölf Bauleute gestern Früh auf dem Gelände des Schlosses Kreßbach zu bewältigen hatten. Um die jahrhundertealte, mittlerweile marode Kapelle sanieren zu können, mussten sie den Glockenturm abbauen. „Die Hauptgefahr ist, dass die Giebelmauer einfällt“, sagte Zimmerermeister Elmar Herter. Ein 120-Tonnen-Kran hob den Turm aus dem Dachgebälk. Schlosser hatten zuvor eine Stahlkonstruktion angebracht, um den Turm überhaupt anheben zu können. Der Kran setzte ihn auf den vorbereiteten Sockel neben der Kapelle ab. Aufatmen unter allen Beteiligten: Die Kapellenmauer hielt Stand – auch ohne Turm.

Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1572. Es steht unter Denkmalschutz. Bis zum Ersten Weltkrieg feierten die Kreßbacher hier sonntags Gottesdienst. Seit 1950 dient die Kapelle auch als Familiengruft der Freiherren von Saint-André. Wie die umliegenden Gebäude samt Schloss auch, ist sie durch Erbschaft seit knapp 20 Jahren im Besitz von Nicoletta Freifrau von Saint-André.

Ihr geht es bei der Sanierung des Denkmals jedoch weniger um den persönlichen Besitz als vielmehr um das „Erhalten für die nachfolgenden Generationen“. Die Arbeiten dauern seit drei Jahren an. Damals hatte der Hagel das Dach der Kapelle beschädigt. Vor drei Monaten sei über Nacht am Giebel die innere Mauerschale eingefallen, sagt der Reutlinger Architekt Hans Hubert Krämer.

Die aufwendige Aktion war die einzige Möglichkeit, an das einsturzgefährdete Giebelmauerwerk heranzukommen. Doch nicht nur das muss renoviert werden. An einer anderen Wand ist das Mauerwerk mindestens handbreit eingerissen. Auch an der Außenwand neigt sich der Giebel. Hinzu kommt, dass das Feldsteinfundament nur eineinhalb Meter tief ist und die Last des Gebäudes deshalb kaum tragen kann. Es droht immer wieder abzusinken.

Geheimnisse im Inneren

Bereits vor 20 Jahren wurde hier und dort am Gebäude gewerkelt. Dabei sei wohl nicht aufgefallen, dass umfassendere Sanierungen notwendig sind: „Damals hat man nicht so tief reingeschaut“, so Krämer. Außerdem gab es damals kaum Interesse, historische Bausubstanz best möglich zu erhalten. „Es gibt Materialien, die so nicht reingehören“, sagte Architekt Krämer. Dazu gehört auch ein „relativ unsachgemäßer Betonputz“. Der Putz löst sich mittlerweile fast von selbst ab und „gehört da nicht drauf“. Er soll durch einen kalkgebundenen Putz ersetzt werden. Nicht so ganz historisch passend, jedoch vom Denkmalamt genehmigt, ist eine Regenrinne am Sparrendach – um besser kontrollieren zu können, wie viel Wasser in den Untergrund und damit in das Fundament dringt.

„Wenn alles gut läuft, setzen wir den Turm in einem Monat wieder drauf“, sagte der Architekt. Dann wird das Dach wieder mit alten Biber-Ziegeln gedeckt. Ein Teil der Ziegel stammt von der Kapelle selbst, der Rest von Abbrucharbeiten an anderen Gebäuden.

Der Glockenturm ist mit originalgetreuen, handgefertigten und grün lasierten Ziegeln eingedeckt. „Wir waren schon mal weiter“, sagte Krämer lakonisch. Denn zusammen mit dem Dach sei nach dem Hagelschaden auch der Turm renoviert worden. Die Schindeln an den Turmwänden, verschiedene Zierleisten und auch die Glockenläden mussten für den Transport mit dem Kran nun wieder abmontiert werden. Und die Kosten für die aufwendige Sanierung? Krämer formulierte es vorsichtig: „Es sind über 100000 Euro.“ Die Weilheimer Kirchengemeinde hat dazu laut der Kreßbacher Hausherrin eine „nennenswerte Summe“ beigesteuert.

„Ich hoffe, wir sind zu Weihnachten fertig mit allen Arbeiten“, sagte der Architekt. Für die Öffentlichkeit ist die Kapelle nur einmal im Jahr geöffnet. In diesem Jahr musste der Himmelfahrtsgottesdienst, den die Kirchengemeinden Weilheim und Hirschau hier feiern, jedoch wegen der Sanierung verlegt werden. Im kommenden Jahr soll die Kapelle, die für bis zu 80 Personen Platz bietet, auch für Hochzeiten geöffnet werden.

Im Inneren birgt die Kapelle übrigens Schätze und Geheimnisse: Eine einmalige barocke Truhenorgel wartet auf Restaurierung. Außerdem gibt es Nischen in den Wänden, deren ursprünglicher Verwendungszweck selbst Archäologen noch nicht klar ist.

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02.09.2017, 01:00 Uhr
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