Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Das hiesige Handwerk bleibt im Krisenjahr 2009 ein stabilisierender Wirtschaftsfaktor

So schlimm ist es nicht

Handwerkspräsident Joachim Möhrle ärgert sich über Schulpolitik, Schwarzarbeit und Steuerlast, aber die wirtschaftliche Lage des Handwerks sei im Schnitt ganz in Ordnung.

23.07.2009
  • Mario Beisswenger

<strong>Tübingen.</strong> Die Lage im Handwerk ist „nicht so schlimm, wie befürchtet“, sagt Joachim Möhrle. Der Präsident der Handwerkskammer Reutlingen untertreibt da vielleicht etwas. Die Zahlen, die er gestern am Rande der Vollversammlung der Kammer im Tübinger Ausbildungszentrum vorstellte, sehen recht gut aus. Von sinkenden Auftragszahlen etwa redet zur Zeit nur jeder fünfte der 13 000 Betriebe im Bezirk. Genau so viele waren es vor einem Jahr.

Möhrles zögerliche Aussage erklärt sich durch das uneinheitliche Bild im Handwerk. Betriebe im Gesundheitsbereich von Optiker bis Zahntechniker haben zu knabbern. Die Zulieferbetriebe für die Industrie, speziell des Autobaus, verzeichnen Umsatzeinbrüche. Ein Vorzeigebetrieb, so Hauptgeschäftsführer Joachim Eisert, habe ein Minus von 80 Prozent bei den Aufträgen. Gleichzeitig brummt das Geschäft bei den Bau-Handwerkern. Eisert kennt einen Installateur, der gerade das beste Frühjahr seit je erlebte.

In die energetische Sanierung ihrer Häuser stecken viele Privatpersonen ihr Geld. „Vielleicht auch aus Sorge um die zukünftige Geldentwicklung“, sagte Möhrle. Das Konjunkturprogramm hilft auch. Selbst nach Tarif zahlende Handwerksbetriebe hätten zur Zeit die Chance, bei öffentlichen Aufträgen den Zuschlag zu bekommen. Eine Situation, die es schon lange nicht mehr gegeben habe. Das liegt an den geänderten Richtlinien zur Vergabe von Bauaufträgen der öffentlichen Hand. Auch teure Bauleistungen können für einen beschränkten Bieterkreis ausgeschrieben werden. Die Gefahr, dass da nur „Hoflieferanten“ (Möhrle) zum Zuge kommen, soll durch größtmögliche Transparenz der Verfahren verhindert werden. Absprachen unter den Betrieben, wer wo wie hoch eingibt, konnte Eisert „bisher nicht beobachten“.

Handwerker kritisieren Schulpolitik des Landes

Für die Beschäftigten bedeutet die wegen der Orientierung auf den Binnenmarkt stabile Lage des Handwerks, dass die Arbeitsplätze relativ sicher sind. Wie im Vergleichsquartal 2008 suchen auch 2009 noch rund zehn Prozent der Betriebe Arbeitskräfte. Allerdings wollen auch etwa so viele Handwerksmeister entlassen. Das zeichnet sich bei der Beratungstätigkeit der Kammer ab. Laut Eisert gibt es mehr Anfragen, wie Arbeitsverträge zu lösen sind. Während 40 Prozent weniger Gründungsberatung nachgefragt wird, gibt es mehr Anfragen zum Insolvenzrecht. Mit etwa 100 überschuldeten oder zahlungsunfähigen Betrieben rechnet Möhrle dieses Jahr.

Auf dem Lehrstellenmarkt sieht das Handwerk eine „Bedarfslücke“. Etwa 400 Ausbildungsplätze könnten im Kammerbezirk nicht besetzt werden, weil es keine geeigneten Bewerber/innen gäbe, so Möhrle. Der rechnet das auch der Landesregierung an. Deren Schulpolitik orientiere sich „nur an ideologischen Gesichtspunkten“. Zwei Drittel der Azubis des Handwerks kommen aus den Hauptschulen. Wegen der aus seiner Sicht „missglückten Reform“ von Haupt- zu Werkrealschulen fürchtet der Kammerpräsident um den Nachwuchs. Schade sei es, dass nicht so etwas wie eine berufliche Realschule eingeführt wurde oder gleich, wie vom Handwerk schon lange gefordert, eine längere gemeinsame Schulzeit aller Kinder.

Das Image des Handwerks soll von 2010 an eine Werbekampagne aufpolieren. Mit einem Etat von 50 Millionen Euro bundesweit – die hiesige Kammer trägt davon etwa 140 000 – über fünf Jahre organisiert das die gleiche Agentur, die auch den Slogan „Wir können alles außer Hochdeutsch“ kreierte. Den „Claim“ der Handwerker wollte Möhrle nicht verraten. Es soll aber um das Handwerk als Wirtschaftsmacht gehen.

So schlimm ist es nicht
Joachim Eisert

So schlimm ist es nicht
Joachim MöhrleJoachim MöhrleJoachim MöhrleJoachim MöhrleJoachim Möhrle

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

23.07.2009, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen M&ouml;ssingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular