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Enttäuschter Kitsch-Fan

So kann man mit Kitsch doch nicht umgehen

In Weihnachtsbaum-Gestaltungsfragen gibt es mindestens zwei gegnerische Schulen. Die eine Schule spricht sich für unbedingte Schlichtheit am Baum aus, ja kein Brimborium, ja keinen Kitsch. Die andere Schule findet, dass ein Baum ohne Kitsch überhaupt keine Daseinsberechtigung hat.

02.12.2017
  • Ulla Steuernagel

Denn eine in die Stube gepflanzte Tanne sollte nicht so tun, als sei irgendwas an ihr schlicht und natürlich. Die Schule, die den Stubenbaum aus ökologischer Überzeugung ablehnt, gibt es selbstverständlich auch, die kommt aber in ihrer Generalablehnung gar nicht bis zur Schmuckfrage.

Ich möchte nicht behaupten, dass die verschiedenen Schulen sich bis aufs Messer bekämpfen, aber für einen „clash of civilizations“, einen Kultur-Konflikt, reicht es allemal. Ich gestehe offen, ich gehöre der Kitsch-Schule an. Schon so lange ich denken kann. Und ich muss gleich noch etwas gestehen: Ich habe mich immer als eine Vertreterin des wahren und echten Kitsches gefühlt und mit leichter Herablassung auf all diejenigen geschaut, die sich an vorgefertigten, zertifizierten Kitsch halten. Der Weihnachtskitsch, der in Lifestyle-Läden haufenweise angeboten wird, ist für mich nicht der wahre Kitsch. Dieser Kram besitzt nicht die Unschuld des echten Kitsches, und der ist am besten, wenn man ihn selbst erjagt hat, wenn er den Hang zu Höherem in sich trägt und damit auf komische Weise bauchlandet. Als Entdecker ist man dann auch eine Art Erfinder, denn der schönste Kitsch liegt im Auge des Betrachters.

Weihnachtsschmuck ist dafür perfekt geeignet. Er bringt die nötige Fallhöhe mit – nicht nur, wenn er am Baum hängt. Wenn sich der Drang zu Höherem in die Niederungen des schlechten Geschmacks begibt, kann es richtig lustig werden.

Jahrelang habe ich solchen Baumschmuck zusammengetragen, bis der Baum proppenvoll war. Jetzt mach ich Schluss – irgendwie auch etwas beleidigt Schluss. Denn was ich früher in diversen verstaubten Sortimentern entdeckte, hängt jetzt in großer Auflage und als definierter Spaßkitsch an jeder Ecke. Ladenketten bieten ganze Wände voll schräger Baumanhänger an: nackte Frauen, Dollar-Scheißer, Schweine im Tüllröckchen, Rentiere mit Schießgewehr, karierte Kugeln, Osterhasen, Totenköpfe und Pommes-frites-Tüten. Ich könnte sie endlos aufzählen. Einiges davon hängt auch an meinem Baum, bei manchem dieser vorfabrizierten Kitsch-Kleinodien konnte ich selber nicht widerstehen oder bekam es als Geschenk angehängt. Nichts für ungut, aber nichts verbreitet sich so schnell unter Geschenke suchenden Freunden wie eine Vorliebe für Kitsch.

Doch von meiner Seite aus ist jetzt Schluss mit dem vordefinierten Spaßkitsch, dazu ist mir die Sache zu ernst. Ich warte darauf, dass in den Design-Läden wieder die minimalistische Schule den Ton angibt, dass wieder Strohsterne und schlichte Glaskugeln schick werden. Dann schlägt meine Stunde, dann gehe ich wieder auf Entdeckungsreise.

Wir wollen wissen: Wie sieht denn Ihr besonderer Baumschmuck aus?

Was man nicht alles in so einen Weihnachtsbaum hängen kann! Eine Knoblauchkugel, eine gläserne Rose, einen Geldsack, eine Krone, ein wächsernes Jesuskindlein in der Nussschale, Spinnen aus Perlchen und selbst vor leicht bekleideten Damen aus anrüchigem Ambiente ist so ein christlicher Baum nicht sicher. Manche Tannen werden jedes Jahr von ihren Besitzerinnen völlig neu gestylt und kriegen ein anderes Farboutfit. Auch da gibt es eine Wegwerf-Kultur.

Manche Bäume aber bleiben sich über die Jahre und über die Jahrzehnte treu – und das nicht nur, weil eine Nordmanntanne wie die andere aussieht. Sie werden geschmückt mit ererbten und sorgsam zugekauften Stücken. Leicht oder schwer hängen auch die Kindheitserinnerungen an ihnen. Erstaunlich, wie selbst zartestes Glas und allerfeinstes Strohschnitzwerk Stürme, Kriege und Umzüge überdauert. Auch im Kindergarten grob Zusammengeklebtes hält oft noch bis zu den eigenen Urenkeln.

Weihnachtsbäume sind persönliche Statements und besonders schön daran ist, dass man sie nur für kurze Zeit abgeben muss. Wie schön, wenn man all die Kostbarkeiten auch wieder einpacken und im nächsten Jahr wieder hervorzaubern kann.

Dabei gibt es unter all den Dekoartikeln oft das eine Ding, das man besonders mag, das besonders schön glitzert, besonders abgefahren ist, besonders alt, besonders elegant, schlicht, wertvoll. Das eben besondere Erinnerungen weckt, an das erste erlebte Weihnachtsfest, an die verstorbene Großmutter oder die eigenen unbeholfenen Bastelversuche, die gerade in ihrer Krummheit unwiderstehlich sind.

Wir würden gerne mehr darüber wissen, nämlich welcher Gegenstand bei Ihnen das Jahr über in der Weihnachtskiste schlummert und Ihnen am Weihnachtsbaum dann besondere Freude macht. Wer einen solchen Baumanhänger zeigen möchte, kann eine Mail, möglichst gleich mit Bild und bis 7. Dezember, an redaktion@tagblatt.de schicken oder an SCHWÄBISCHES TAGBLATT, Redaktion, Uhlandstraße 2, 72072 Tübingen schreiben. Eine Auswahl werden wir dann an Weihnachten in der Zeitung und auf unserer Internetseite www.tagblatt.de veröffentlichen.

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02.12.2017, 02:00 Uhr
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