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Daimler

Skandale überstrahlen die Erfolge des Sterns

Der Autokonzern steht wirtschaftlich blendend da. Aber die Aktionäre interessieren sich mehr für die Sünden der Vergangenheit.

06.04.2018

Von DIETER KELLER

Vorstandschef Dieter Zetsche in der Kritik: Die Stimmung bei der Hauptversammlung war kühl. Die Aktionäre sind unzufrieden mit dem Börsenkurs. Foto: Britta Pedersen/dpa

Berlin. Es könnte alles so schön sein in der Daimler-Welt“, seufzte Winfried Mathes vom Investmenthaus Deka. Eilt doch der Stuttgarter Autokonzern von Rekord zu Rekord. Er verkauft so viele Autos wie noch nie, macht Rekordgewinne, und die Aktionäre beschlossen auf der Hauptversammlung am Donnerstag eine kräftige Erhöhung der Dividende auf stolze 3,65 EUR je Aktie. Nur: Wo bleibt der Rekordstand beim Aktienkurs? Davon ist nichts zu sehen. „Die Rekordzahlen versinken in Problemen“, klagte Mathes, und er sprach da vielen Aktionären aus der Seele.

In früheren Jahren waren die Sorgenfalten eher bei Kleinaktionären zu sehen. Doch jetzt sind sie auch bei den Vertretern großer Anleger wie der Investmentfonds angekommen. War doch der Börsenkurs Ende 2017 niedriger als zu Jahresbeginn. Aktuell liegt er mit 69,41 EUR noch leicht darunter. Zu besten Zeiten waren es 93 EUR, erinnerte sich ein Aktionär wehmütig. Dabei schüttet Daimler für 2017 mit 3,9 Mrd. EUR so viel aus wie kein anderer Dax-Konzern, betonte Vortsandschef Dieter Zetsche. Selbst beim Erzrivalen BMW habe sich der Börsenkurs besser entwickelt, stößt den Aktionären übel auf.

„Man hat das Gefühl, die ganze Welt habe Daimler am Wickel“, klagte Mattes. Die Gründe hatte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Manfred Bischoff, schon zum Start des Aktionärstreffens in der unterkühlten Atmosphäre des City Cubes auf dem Berliner Messegelände genannt. Die „hervorragenden Ergebnisse“ stehen im Schatten gleich mehrerer Skandale. Wegen der Beteiligung am Lkw-Kartell, das 14 Jahre lief, hat Daimler bereits eine Rekordstrafe von 1 Mrd. EUR gezahlt. Jetzt gibt es jede Menge Klagen von Lkw-Käufern auf Entschädigung. Auf wie viele Millionen sie sich summieren, kann Finanzchef Bodo Uebber noch nicht sagen.

Es gibt noch ein zweites Kartellverfahren: Vor einigen Monaten hat sich Daimler selbst wegen Absprachen mit VW und BMW im Einkauf angezeigt. Und dann ist da natürlich der Diesel-Skandal. Das Wort Manipulationen wollte Zetsche für Daimler nicht in den Mund nehmen. Er versuchte gegenüber den Aktionären nur mit der sehr allgemeinen Aussage in die Offensive zu gehen: „Wir setzen uns mit voller Kraft dafür ein, mehr Fakten und Sachlichkeit in die Diesel-Diskussion zu bringen.“ Dafür gab es von den 5300 Aktionäre nur wenig Beifall. Der Konzern befürworte, „was technisch sinnvoll und finanziell verantwortbar ist.“ Das heißt auch weiter: Nur Software-Updates für mehr als 3 Mio. Daimler-Diesel, aber weder eine Hardware-Nachrüstung noch eine Entschädigung von Autobesitzern in Europa.

Wenn es bei Daimler keine Abgasmanipulationen gab – warum hat dann der Konzern 285 Mio. EUR für die Softwareupdates bei Euro-5- und Euro-6-Fahrzeugen ausgegeben, fragte ein Aktionäre. Er verwies auf die neuesten Vorwürfe aus den USA, auch bei Mercedes-Benz-Dieseln seien Software-Funktionen gefunden worden, die bei Abgastests auf dem Prüfstand wirksam werden. Daimler habe das bisher nicht bestritten. „Ihr Risikobericht liest sich wie ein Eingeständnis“, verwies er auf die umfangreichen und schwer verständlichen Ausführungen im Geschäftsbericht.

Die sind auch den Vertretern institutioneller Anleger ein Dorn im Auge – und ein Buch mit sieben Siegeln. Wie viele Millionen da für welche Risiken zurückgelegt wurden, wollte Uebber nicht sagen – Geschäftsgeheimnis. Zudem könnte das ein Hinweis für Richter sein, wie weit sie gehen können. Nur wolkig sprach er davon, die Restwerte von vermieteten und verleasten Diesel-Pkw seien „geringfügig vermindert“ worden. Mancher Aktionär sorgt sich, es könnte noch mehr Lasten durch Strafzahlungen geben.

Zetsche und Uebber mussten sich auch die Frage gefallen lassen, ob sie angesichts des schwachen Börsenkurses nicht weniger statt mehr Vergütung verdient hätten. Bekommt der Vorstand bei BMW doch deutlich weniger.

Viel lieber als über die Sünden der Vergangenheit redete Zetsche darüber, was die Stuttgarter alles tun, um in Zukunft zu bestehen. Wobei schon Elektroautos ein Risiko für sich sind: Bis 2022 will Mercedes-Benz in jedem Autosegment mindestens eine elektrifizierte Variante anbieten. Das ist gut für die CO2-Bilanz – „aber nicht so gut für unsere Konzern-Bilanz, jedenfalls vorübergehend“. Das klingt nicht nach steigenden Börsenkursen.

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Erstellt:
6. April 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. April 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. April 2018, 06:00 Uhr

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