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Sirrende Drohnen über den Baumkronen
Beobachter aus der Luft: Forstwissenschaftler Uli Riemer steuert im Wald bei Freiburg eine Drohne. Foto: dpa
Forstwissenschaft

Sirrende Drohnen über den Baumkronen

Mit digitaler Hilfe begutachten Experten Pflanzen, Tiere und Böden. Erderwärmung und Schädlinge setzen dem Wald zu.

21.10.2017
  • LSW

Freiburg. Vor lauter Bäumen sehen Wissenschaftler und Förster manchmal den Wald nicht. „Unsere Technik, den Wald zu beobachten, hinkt dem Tempo hinterher, mit dem sich der Wald verändert“, sagt der Freiburger Forstwissenschaftler Ulrich Kohnle. Schützen wollen die Experten den Wald daher verstärkt aus der Luft. Drohnen und Flugzeuge liefern Bilder aus der Vogelperspektive und helfen mit digitaler Technik, den Wandel im Wald schneller und besser als bisher erkennen zu können. Die Technik wird unter anderem in Freiburg erprobt. Der Bedarf ist da: Der Wald steht unter vielfältigem Druck.

2000 Wissenschaftler tagen

„Der Wald hat es verdient, dass man auf ihn aufmerksam macht“, sagt der Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium und frühere Forst- und Umweltminister in Sachsen-Anhalt, Hermann Onko Aeikens (CDU). Auch deshalb tagte kürzlich in Freiburg ein Fachkongress mit mehr als 2000 Wissenschaftlern aus fast 90 Ländern. Anlass war das 125-jährige Bestehen des internationalen Verbandes forstlicher Forschungsanstalten (IUFRO). Der Wald im digitalen Zeitalter ist das Thema. Es gebe Handlungsbedarf, sagt Aeikens. Der Klimawandel stresse den Wald. Der Schutz des Waldes gewinne daher weltweit an Bedeutung.

Kohnle, Förster und promovierter Forstwissenschaftler, kennt das aus der Praxis: „Der Wald wandelt sich schneller und stärker als früher. Um darauf reagieren zu können, nutzen wir neue Technologien“, sagt der Abteilungsleiter Waldwachstum bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg in Freiburg. Mit einer Drohne sind Kohnle und seine Kollegen im Wald unterwegs. Das kleine, handliche Fluggerät steigt auf und kreist über den Baumkronen. Es liefert den Forstexperten Luftbilder, Videos von oben und sogenannte Laserscans – und damit wichtige Informationen. Zum Beispiel, welche Schäden Borkenkäfer angerichtet haben oder welche Bäume absterben.

Mit der bisherigen Technik, sagt Kohnle, werden Wälder in Deutschland im Schnitt alle zehn Jahre vermessen und gründlicher unter die Lupe genommen. Dies geschieht in der Regel vom Boden aus mit Landkarten und Datenblättern. Weil sich Wetterphänomene sowie Baum- und Schädlingsarten aber schneller entwickelten und änderten als früher, sei das zu langsam. Digitale Technik bringe Zahlen und Daten rascher und präziser – und lasse sich weltweit vernetzen. „Das ist wichtig, um Wälder nachhaltig zu schützen.“ Es gehe darum, schneller mit Schutzmaßnahmen reagieren zu können.

Im Blick haben Förster die Bedeutung des Waldes für den Klimaschutz. Nach Angaben des Bundesministeriums senkt der deutsche Wald die CO2-Emissionen jährlich um 14 Prozent. Doch der Wald ist es auch, der von Schadstoffen und Klimaveränderungen besonders betroffen ist. Er ist den Folgen des Klimawandels schutzlos ausgeliefert.

„Der Klimawandel und die Globalisierung fordern den Wald heraus“, sagt Baden-Württembergs Forstminister Peter Hauk (CDU), der sich für eine intensive Waldforschung ausspricht. Durch die Erderwärmung steige die Gefahr von Stürmen und Starkregen, zudem gebe es lange Trockenheitsphasen. Zudem seien die Waldböden immer häufiger mit Schadstoffen belastet. Hinzu komme: „Es gibt immer mehr Schädlinge im Wald und es gibt auch immer mehr neue Arten von Schädlingen, die aus allen Teilen der Welt zu uns kommen und unsere Wälder schädigen.“

Passende Arten pflanzen

„Das schlichte Konservieren, wie Naturschutz früher verstanden wurde, funktioniert nicht mehr“, meint der baden-württembergische Minister. Das sieht auch Forstexperte Kohnle so. Würden gezielt passende Baumarten gepflanzt, könnten Wälder besser vor Stürmen und Unwettern geschützt werden. Verändern werden sich mit den Jahren die Baumarten und damit das Bild des Waldes, sagt er. Die für den Schwarzwald typische Weißtanne habe sich als robust erwiesen. Auch die importierte Douglasie halte dem Klimawandel und Schädlingen gut stand. Die Esche habe es dagegen schwer, sich zu behaupten, ebenso die Buche. Dies alles müsse jedoch weiter erforscht werden.

Doch Bäume und Böden allein haben die Drohnen nicht im Visier. Auch in die Wälder zurückkehrende bedrohte Tierarten wie Wildkatze oder Wolf können aus der Luft beobachtet und geschützt werden, sagt der Leiter der Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg, Konstantin von Teuffel. Forstforschung diene so nicht nur dem Natur-, sondern auch dem Artenschutz. In Baden-Württemberg sei das eine Menge Arbeit: 40 Prozent des Landes besteht aus Wald. dpa

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21.10.2017, 06:00 Uhr
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