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„Sinnbild für die weltoffene Stadt“
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller enthüllt in Berlin in der Hauptstraße 155 die Gedenktafel für David Bowie. Foto: Kai Nietfeld/dpa
Berlin ehrt Popstar David Bowie mit einer Gedenktafel aus Porzellan

„Sinnbild für die weltoffene Stadt“

Eine Pilgerstätte für die Fans von David Bowie: Eine Gedenktafel aus Porzellan an seinem Berliner Wohnhaus erinnert jetzt an den Popstar.

23.08.2016
  • PETER GÄRTNER

Berlin. Als David Bowie im Sommer vor 40 Jahren von Los Angeles nach West-Berlin zog, suchte er vor allem Ruhe und wollte von Kokain und Heroin loskommen. „Darauf muss man erst einmal kommen“, meinte gestern Berlins Regierungschef und Kultursenator Michael Müller (SPD) launig. Die Stadt sei damals eher nicht mit einer Entzugsklinik assoziiert worden. Man denke nur an die (Drogen-)Kinder vom Bahnhof Zoo.

Gleichwohl wurde es eine besondere Beziehung. Denn was der Musiker in der eingemauerten Stadthälfte gefunden habe, inspirierte seine Kreativität. Bowie habe, so Müller, „unser Zusammenleben viele Jahre bereichert“ und mit dem Lied „Heroes“ die heimliche Hymne der Stadt geschrieben. Er sei „Sinnbild für die weltoffene und tolerante Atmosphäre in der Stadt“, die auch heute Künstler aus aller Welt anziehe. Der Regierungschef ließ es sich im Wahlkampf nicht nehmen, die Gedenktafel für den „herausragenden Künstler“ an seinem früheren Wohnhaus im Schöneberger Kiez höchstselbst zu enthüllen.

Die Plakette wurde im ältesten Betrieb der Stadt, der „Königlichen Porzellanmanufaktur“ (KPM), hergestellt. Dutzende Fotografen und Kameraleute prügelten sich fast um die erste Aufnahme des in die Fassade eingelassenen Porzellanschildes – als wäre der im Januar verstorbene Sänger persönlich anwesend. Hunderte Fans begleiteten die Ehrung. In dem eher unscheinbaren Mietshaus Hauptstraße 155 hatte Bowie zwischen 1976 und 1978 in einer Sieben-Zimmer-Wohnung im ersten Stock gelebt.

Eduard Meyer erinnerte sich an eine bescheidene Möblierung und an den Mitbewohner Iggy Pop, der stets den Kühlschrank leerte, ohne ihn wieder aufzufüllen. „In den meisten Räumen lagen recht spartanisch lediglich Matratzen auf dem Boden, nur die Küche war perfekt eingerichtet.“ Bowies Toningenieur berichtete von einem Weihnachtsgansessen an einem großen Eichentisch und einer warmen Stimmung, die von seinem späteren Freund ausging. „Anfangs war David sehr zurückhaltend“, erinnerte sich Meyer an den Sommer 1976. „Erst als er erfuhr, dass ich selbst Musiker bin, änderte sich das rasch.“

Zwei der wichtigsten Alben Bowies, „Heroes“ und „Low“, sind in der Berliner Zeit entstanden (das Album „Lodger“ nur zum Teil), und Meyer hat sie in den Kreuzberger Hansa-Studios im Schatten der Mauer produziert. „The big hall by the wall“, habe Bowie den Meistersaal, den Ort der Aufnahmen, genannt. Die DDR-Grenzer waren damals mit die ersten Hörer der Musik des Briten. „Heroes“ sei der „einzige Pophit“ gewesen, der von der Berliner Mauer handelte, meinte Bowie-Biograf Tobias Rüther.

Berlin war für Bowie die „Stadt seiner Jugendträume“. Die Kunst und Kultur der Weimarer Republik habe er geliebt, die Expressionisten im Brücke-Museum besuchte er oft. Auch interessierte ihn die damalige Musik-Avantgarde wie Kraftwerk und Harmonia. Bevor er in die Hauptstraße zog, hatte Bowie kurzzeitig beim „Tangerine Dream“-Gitarristen Edgar Froese gewohnt. Als „Popstar mit Problemen“, so Rüther, kam er in die Stadt, in der es schon genug Spinner gab. „Es war eine neue Freiheit: keiner quatschte ihn an, er hat es genossen.“ Junge Leute kämen weiter nach Berlin, um zu suchen, was Bowie hier gefunden habe. Bis heute ist die Gegend um die vom Verkehrslärm geplagte Hauptstraße ein wenig glamouröses Viertel, neben dem Eingang zur 155 befindet sich ein Tattoo-Studio und eine Physio-Praxis. Für die Bowie-Pilger ist hier Schluss: die frühere Wohnung ist längst eine Zahnarztpraxis.

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23.08.2016, 06:00 Uhr
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