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Schwieriger Weg zur Versöhnung

Singhalesen und Tamilen kommen sich nur langsam nahe

Viele Jahre lang fügten sich Singhalesen und Tamilen alles nur erdenkbar Schlimme zu. Nun herrscht Frieden. Doch der Weg zur Aussöhnung ist lange. Und ob er wirklich beschritten wird, ist noch nicht geklärt.

05.01.2012
  • KLEMENS LUDWIG

Ein Fahrrad kann ein Symbol für einen erfolgreichen Neuanfang sein; zumindest im Norden von Sri Lanka, wo im Mai 2009 ein knapp 30jähriger Bürgerkrieg zu Ende gegangen ist. 300 000 Menschen waren damals Flüchtlinge im eigenen Land, entwurzelt, traumatisiert, perspektivlos. Mahalingam Pakkiyarasa, seine Frau und seine zwei Kinder gehörten dazu. Seit 1997 befanden sie sich immer wieder auf der Flucht. Die letzten Jahres des Krieges waren die schlimmsten. Zerrieben zwischen der singhalesischen Armee und den Tamil Tigers, die sich an Brutalität und Rücksichtslosigkeit in nichts nachstanden, spielte sich ihr Leben nur noch in Bunkern ab.

Heute gehört Mahalingam Pakkiyarasa und seine Familie zu den Privilegierten. Die Hilfsorganisation Sewa Lanka, ein Partner der Deutschen Welthungerhilfe, stellte ihnen ein Haus, eine Wasserpumpe sowie Saatgut zur Verfügung, der Start in ein neues Leben.

Der Norden boomt. Auch politisch ist in der Region Bewegung. Große Schautafeln in Singhalesisch, Tamilisch und häufig auch in Englisch berichten von der nationalen Versöhnung und dem Ende der Tigers, die in den Augen der Regierung nie etwas anderes als eine terroristische Vereinigung waren.

Doch hinter den Kulissen zeigt die Erfolgsgeschichte Risse und Widersprüche. Auffällig ist die weit verbreitete Angst der Tamilen. Kaum jemand weint den Tigers nach. Deren Unversöhnlichkeit und Unwilligkeit, mit der Regierung ernsthaft über eine Autonomie zu verhandeln, hat zu ihrem Untergang geführt und ihnen Sympathien der Zivilbevölkerung geraubt. Dazu kamen Zwangsrekrutierungen unter Jugendlichen und Liquidierungen von Abweichlern. Dennoch wird ihnen zugutegehalten, dass sie Träger der nationalen Identität der Tamilen waren - und die sehen viele im Norden heute ernsthaft bedroht. Zu dieser Identität gehört der Hinduismus, im Gegensatz zu dem landesweit dominierenden Buddhismus. Buddhistische Tempel für die singhalesischen Soldaten werden im hinduistisch geprägten Norden gebaut. "Das ist kein Beitrag zur Versöhnung", beklagt ein alter Tamile, der lieber nicht genannt werden möchte. "Wir Tamilen haben keine Stimme, keine Unterstützung im Land", bestätigt auch der Pfarrer des Marienwallfahrtsortes Madhu, Santhiapally Emilianuspillai.

Die wichtigste Tamilen Partei, die Tamil National Alliance, stellt 14 von 244 Abgeordneten im nationalen Parlament. Ihr Einfluss ist jedoch gering. Die Allianz lehnt die Unabhängigkeit ab und fordert eine echte Autonomie. Doch auch davon ist der Norden weit entfernt. Die Geschicke liegen - wie überall im Land - in der Hand eines vom Präsidenten ernannten Gouverneurs sowie des allgegenwärtigen Militärs.

Gleichzeitig setzt Colombo Zeichen, die nur als Demütigung verstanden werden können. Die Verbrechen der Tiger - wie die Sprengung eines Wasserturmes unmittelbar vor ihrem Rückzug aus Kilinochi, ihrer ehemaligen Hauptstadt - werden zu nationalen Gedenkstätten umgestaltet. Zahllose Reisegesellschaften aus dem Süden erleben dort ungefährdet den Schrecken des Krieges. Dagegen verweigert die Regierung jede Auseinandersetzung mit den eigenen Gräueltaten. Somit bekommen die Tamilen auf Schritt und Tritt demonstriert, dass sie die Geschlagenen sind. Ob das ein Weg zur Versöhnung ist, oder ob dadurch womöglich eine neue Generation von Tigern herangezogen wird, wird sich noch zeigen.

Singhalesen und Tamilen kommen sich nur langsam nahe
Buddhisten beten im Kelaniya Tempel für Frieden in Sri Lanka. Doch die Aussöhnung im Land kommt nur langsam voran. Foto: dpa

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05.01.2012, 12:00 Uhr
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