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Orte für exzellente Verrichtungen - Kontrollblick durch Klotüren der Uni

Sind Toiletten der Neuen Aula für Festsaalbesucher zumutbar?

„Beschämend“ nannte eine Festsaal-Konzertbesucherin in einem Leserbrief den Zustand der Toiletten in der Neuen Aula. Nanu, ist die Exzellenz noch nicht in die stillen Örtchen vorgedrungen?

16.01.2014

Von Ulrike Pfeil

Anthrazitgraue Konsolen mit ovalen Waschbecken, großer Spiegel: Der Vorraum der Damentoilette in der Neuen Aula ist merklich um etwas Eleganz bemüht. In den Kabinetten selbst bilden gelbliche Fliesen einen ernüchternden Kontrast zum dunklen Boden. Mal fehlt ein Klodeckel, mal hängt der schwarze Bürstenhalter schief im Gestell. Die Lüftung könnte besser sein, es gibt keinen Design-Award für die Gestaltung, aber der Hygienestatus war am Donnerstagvormittag durchaus zumutbar.

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Die Toiletten in der Neuen Aula seien "beschämend", so schrieb eine Konzertbesucherin in einem Leserbrief. Wir haben daraufhin einen Kontrollgang durch die stillen Örtchen der Uni-Tübingen gemacht.

Im Institut der Erziehungswissenschaften in der Münzgasse stehen die Putzmittel schon bereit.

Abgesehen von den Vorräten an Toilettenpapier herrscht in dieser Örtlichkeit in der Alten Botanik schwäbische Sauber- und ...

... Sparsamkeit.

Ein Killer festlicher Konzertatmosphäre? Die Toilette in der Neuen Aula, wo sich auch der Uni-Festsaal befindet.

Schöne Dekoration an der Klotür im Studenten-Clubhaus in der Wilhelmstraße. Aufkleber werden hier immer wieder abgekratzt.

Besser hier die Spartaste betätigen, als dass es der Finanzminister mit dem Hochschul-Haushalt macht: Ermahnung am Wasserkasten in der Damentoilette neben dem Uni-Rektorat.

Schöne Tür zur Damentoilette im Bonatzbau der Unibibliothek - dahinter verbirgt sich eine etwas bejahrte, aber hygienisch einwandfreie Ladies_APOSTROPHE_ Lounge.

Eine Sehenswürdigkeit im Bonatz-Altbau ist der Retro-Kleiderständer als Trennelement, von dem fröhlich leere Klorollen winken.

Edles Design, verrutschte Klodeckel und Toilettenpapier auf dem Boden: Auch in den Örtlichkeiten der neuen Uni-Bibliothek ist nicht alles am rechten Fleck.

Tristesse der 1970er Jahre: Damentoiletten im Hegelbau.

Nicht schön anzuschauen, aber einigermaßen sauber: In der Mensa Wilhelmstraße wird noch mit Druckknopf gespült.

Im paläontologischen Museum in der Sigwartstraße gibt es sogar zwei Waschbecken. Eines sicher zum Händewasche, das andere vielleicht für fossile Ausstellungsstücke?

Der Kongress kann kommen: Viel Platz und Hygiene bietet die Damentoilette im Kupferbau.

Vor knapp fünf Jahren, hat die Uni-Pressestelle auf TAGBLATT-Nachfrage ermittelt, wurden die Toiletten der Neuen Aula saniert. Sie werden jeden Morgen geputzt, nachmittags wird noch einmal Papier aufgefüllt und kontrolliert, und wenn nötig, ein zweites Mal geputzt. Dann kommt die für Konzertbesucher kritische Einschränkung: „allerdings nicht am Wochenende“.

Aha, da haben wir?s: Das besagte Neujahrskonzert war am vergangenen Sonntag, der Festsaal ausnahmsweise samt Galerie besetzt (macht knapp tausend Leute). Wenn die alle vor dem Konzert nochmal schnell. . ., ist es freilich ziemlich schnell fast egal, ob zuvor eigens geputzt wurde. Das Toiletten-Problem in der Neuen Aula ist nämlich: Es sind einfach zu wenige. Schon zwischen zwei Vorlesungen stehen die Studentinnen Schlange. In welchem Nu so ein öffentlicher Bedürfnisort bei hoher Frequenz versifft, kann man auch in der Stuttgarter Oper beobachten.

Vor Beethoven-Sinfonie oder Gelehrten-Vortrag steigert der Gang auf eine übernutzte Toilette natürlich nicht die festlichen Gefühle. Jedoch, versichert die Uni, Beschwerden seien die seltene Ausnahme.

Ein Killer festlicher Konzertatmosphäre? Toilette in der Neuen Aula, wo sich auch der Uni-Festsaal befindet.

Wer die Toiletten-Situation an der Uni vor der Jahrtausendwende noch vor Augen und in der Nase hat, muss auch zugeben, dass sich etwas getan hat: Die einstigen, mit Klosprüchen reich versehenen und ziemlich kaputten Kabuffs im Untergeschoss des Kupferbaus sind einer großzügigen, funktionalen und blitzsauberen Anlage gewichen – der internationale Kongress kann kommen! Selbst an den knallroten Klotüren im Studenen-Klubhaus werden Aufkleber offenbar regelmäßig entfernt; man sieht?s am Lack.

Im Nebengebäude des Erziehungswissenschaftlichen Instituts in der Münzgasse, wo man vor ein paar Jahren noch in einem ungeheizten, schlauchartigen Raum die Abort spülung mit Klingelzug aktivieren musste, empfängt den Notdürftigen heute ein strahlend weißer Raum. Wie zu Demonstrationszwecken stehen im Flur davor Putzeimer, Bürsten und Lappen Spalier.

Besser hier die Spartaste betätigen, als dass es der Finanzminister mit dem Hochschul-Haushalt macht: Ermahnung am Wasserkasten in der Damentoilette neben dem Uni-Rektorat.

Soll ja keiner denken, das Rektorat hole sich einen Luxus ins Haus, den es anderen Abteilungen und Instituten verweigert! Luxuriös sind in der Alten Botanik allenfalls die Vorräte an Toilettenpapier (hier klaut keiner!), die sich auf dem Wasserkasten stapeln. Sonst herrscht rund um die blauen Türen solide schwäbische Sauber- und Sparsamkeit: „Der letzte macht das Licht aus!“ (Die Aufforderung über dem Lichtschalter in der Damentoilette wäre mal ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragte.) Auftragsgemäß hat frau da bereits die Spartaste an der Spülung gedrückt und wieder hochgezogen, von einem Aufkleber mit Ausrufezeichen ans zertifizierte Ökobekenntnis erinnert.

In der Universitätsbibliothek ist die Auswahl apart: Einerseits, im Neubau, eine der modernsten Toiletten der Universität, durchgestylt bis zur Klobürste, allerdings derart überlaufen, dass die Sauberkeit kaum Schritt halten kann. Kennerinnen gehen deshalb rüber in den Bonatz-Altbau, wo hinter einer grau lackierten Tür mit Leisten-Dekor im Marmorrahmen und mit feiner Messingklinke sich eine zwar etwas bejahrte, aber hygienisch einwandfreie Ladies? Lounge befindet. Eine Sehenswürdigkeit hier ist der Retro- Kleiderständer als Trennelement, von dem fröhlich leere Klorollen winken.

Auch Aufkleber werden immer wieder abgekratzt von der roten Klotür im Studenten-Clubhaus.

Eine Zeitreise in die Vergangenheit der Drück-Wasserspülungen kann man im Keller der Mensa Wilhelmstraße unternehmen. Wegen des langen Schwebezustands über die Nutzung des Gebäudes wird hier nichts mehr gemacht. In manchen Kloschüsseln bilden sich dunkle Kalkränder. Wem angesichts der nicht mehr ganz taufrischen Plastik-Klobürsten der Appetit vergeht, dem sei die Flucht in den Brechtbau angeraten: Dort im Untergeschoss – wenn man sie mal gefunden hat, denn das Hinweisschild ist perdü – finden sich jede Menge Toiletten, jeden Vormittag astrein geputzt.

In ihrer weißen Sterilität vielleicht nicht der inspirierendste Ort der Uni, aber auf jeden Fall parat für exzellente Verrichtungen.

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Erstellt:
16. Januar 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2014, 12:00 Uhr

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