Ufos

Sind Aliens schon unter uns?

Der ehemalige US-Präsident Obama stieß die Diskussion über unerklärliche Erscheinungen am Himmel an. Jetzt soll ein ausführlicher Bericht des Geheimdienstes und des Militärs folgen.

10.06.2021

Von JULIA SIEBRECHT UND IGOR STEINLE

Eine Begegnung der unheimlichen Art zeigt dieses Bild aus einem Video, bei dem viele rätseln, was es zeigt: unbekannte Militärtechnik vielleicht oder gar ein Ufo? Foto: AFP

Berlin. Was Ufos angeht, gibt es seit einiger Zeit neue Sprachregeln zu beachten. Wer in Fachkreisen ernst genommen werden möchte, sollte nicht mehr von unbekannten Flugobjekten sprechen. Genauer gesagt handelt es sich nämlich um unidentifizierte Luftphänomene, weswegen sich die Abkürzung „UAP“ etabliert hat (Unidentified Aerial Phenomenon). Schließlich weiß man nicht, ob es sich bei den Sichtungen um Spiegelungen, Staubkörnchen auf Kameralinsen oder womöglich doch fliegende Untertassen handelt. Von letzteren ist inzwischen allerdings eher selten die Rede. Wird heute über Ufos diskutiert – Verzeihung, UAP –, geht es in der Regel um fliegende Tic-Tac-Bonbons.

Das hat mit Begegnungen wie jener der Navy-Kampfpiloten David Fravor und Alex Dietrich zu tun, die 2004 in der Nähe der kalifornischen Küste einem Objekt hinterherspürten, das zuvor auf dem Radarschirm eines amerikanischen Kriegsschiffes aufgetaucht war. „Es sah aus wie ein Tic Tac“, erinnert sich Fravor in einem US-Podcast. Für ein Minzbonbon verfügte es allerdings über eher ungewöhnliche Flugeigenschaften. „Sie erschienen am Himmel, sanken aus einer Höhe um die 24 000 auf 6000 Meter ab und verblieben dann an genau dieser Stelle“, erinnert sich der Pilot. Seit zwei Wochen hätten sie ein dutzend solcher Objekte auf dem Radar erfasst.

Als Fravor und die ihn begleitenden Jagdfliegerpiloten die Stelle erreichten, sahen sie ein etwa zwölf Meter langes, ovalförmiges Objekt ohne erkennbare Tragflächen oder Antriebssystem, das sich knapp oberhalb des Wassers schnell hin und her bewegte. Das Wasser habe sich darunter gekräuselt. Sobald er dem Ding aber näherkam, nahm es plötzlich „an Geschwindigkeit auf und in weniger als einer Sekunde war es verschwunden“, berichtet der Jagdflieger. Laut Radar sei es knapp 100 Kilometer von ihrem Standort entfernt wieder aufgetaucht – binnen einer halben Minute.

Obama heizte die Diskussion an

Begegnungen wie diese haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem Militärs berichten immer öfter von Objekten, die atemberaubende Flugeigenschaften aufweisen. Seitdem im April 2020 das Pentagon auch noch geleakte Videos von UAP-Sichtungen als echt bestätigt hat, die zuvor als geheim eingestuft waren, ist die halbe Welt im Ufo-Fieber.

Der frühere US-Präsident Barack Obama heizte die Gerüchteküche jüngst ebenfalls ordentlich an: „Über Aliens gibt es einige Dinge, die ich hier nicht sagen kann“, scherzte er Mitte Mai in einer US-Fernsehsendung. „Was wahr ist – und ich meine das ernst – ist, dass es Bilder und Aufnahmen von Objekten im Himmel gibt, von denen wir nicht genau wissen, was sie sind, und bei denen wir nicht erklären können, wie sie sich bewegen.“

Aufklärung könnte nun ein Geheimdienstbericht bringen, der dem Kongress spätestens am 25. Juni vorgelegt werden soll. Bislang geheime Forschung des Verteidigungsministeriums zu unbekannten Luftphänomenen soll darin offengelegt werden. Treibende Kraft dahinter ist Senator Marco Rubio, der dem für die Nachrichtendienste zuständigen Senatsausschuss vorsitzt. Der Republikaner fordert seine Kollegen auf, auf Spott zu verzichten und das Thema ernst zu nehmen: Alles, was Eigenschaften wie die gesichteten Objekte aufweise, sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA, warnt er.

Wachsende Befürchtungen

Zwar enthält der Bericht der „New York Times“ zufolge keinerlei Belege für außerirdisches Leben, wie die Zeitung unter Berufung auf ranghohe Regierungsvertreter berichtet. Die US-Regierung habe allerdings auch keine Erklärung, worum es sich bei den vom Militär gesichteten Phänomenen handelt. Ausgeschlossen werden könne lediglich, dass es sich um geheime US-Militärtechnologie handele. Es gebe allerdings wachsende Befürchtungen, dass die Objekte im Zusammenhang mit chinesischen oder auch russischen Experimenten im Bereich der Hyperschallgeschwindigkeits-Technologie stehen könnten.

Nachgefragt bei einem Pionier der deutschen Ufo-Forschung, bekommt man eine ähnliche Einschätzung. „Ich halte neuartige Militärtechnologien irdischen Ursprungs für plausibler als Aliens“, sagt Hansjürgen Köhler, Mitbegründer des 1976 gegründeten „Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene“ (CENAP). Was Radar- und Infrarotaufnahmen angeht ist er zudem grundsätzlich skeptisch. „Das sind elektronische Aufnahmen, die immer auch beeinflussbar sind und eben nicht zeigen, was real sichtbar ist.“ Die Aufnahmen müssten interpretiert werden, diese Deutungen seien auch für Experten fehleranfällig.

Andere Fachleute wie etwa der frühere US-Geheimdienstchef John Ratcliffe halten es hingegen für völlig ausgeschlossen, dass die militärischen Rivalen Russland oder China über solche Technologien verfügen könnten – erst Recht nicht vor bereits 17 Jahren. Allein die Vorstellung, dass das der Fall sein könnte, käme für das amerikanische Militär einem Albtraum gleich. Senator Rubio wäre es da „lieber, wenn es Aliens wären“.

Zum Artikel

Erstellt:
10. Juni 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Juni 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App