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"Pink Viagra" ist am Start

Sie soll Frauen Lust machen: In den USA kommt Addyi in die Apotheken

Addyi ist nicht etwa eine Frau, sondern der Handelsname einer kleinen Tablette, die schon vor ihrer Markteinführung für Wirbel gesorgt hat: Flibanserin heißt der Wirkstoff, der Frauen Lust verschaffen soll.

17.10.2015
  • PETER DE THIER

Washington Zwei Monate, nachdem die US-Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA den Wirkstoff Flibanserin zugelassen hat, kommt Addyi, die mit Spannung erwartete Lustpille für Frauen, in den Handel. Vorerst hält sich die Euphorie aber in Grenzen. Schließlich hat sich der Hersteller, Sprout Pharmaceuticals, verpflichtet, eineinhalb Jahre lang auf herkömmliche Werbung, etwa im Fernsehen, Radio oder Internet, zu verzichten. So bekannt wie seinerzeit Viagra ist das Produkt daher nicht. Dennoch glauben Experten, dass der Pharmakonzern mit der rosaroten Tablette jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Dollar Umsatz machen kann.

Ursprünglich war Flibanserin von Boehringer Ingelheim gegen Depressionen entwickelt worden. Die Deutschen entdeckten den luststeigernden "Nebeneffekt", bekamen aber von der FDA keine Zulassung für "Pink Viagra" und verkauften das Patent schließlich in die USA.

In jenen Talkshows, die auf Frauenthemen spezialisiert sind und vormittags in allen großen Fernsehnetworks laufen, ist das luststeigernde Medikament seit der Genehmigung seines Wirkstoffes Flibanserin ein zentrales Thema. Frauen, die keine Lust mehr auf ihren Partner haben, berichten über Probleme, die in ihrer Beziehung entstanden sind und nicht selten mit der Trennung oder Scheidung enden. Ärzte und Therapeuten lassen sich endlos über jenes Lustlosigkeitssyndrom aus, das mit dem Namen HSDD (Hypoactive Sexual Desire Disorder) mittlerweile Eingang in medizinische Fachliteratur gefunden hat.

Die Talkshow-Runde hat auch Cindy Whitehead gemacht, die Vorstandschefin von Sprout. Sie berichtet stolz, dass das mittelständische Unternehmen mit damals nur 34 Angestellten seit der FDA-Entscheidung 150 neue Mitarbeiter angeheuert hat. "So viel qualifiziertes Verkaufs- und Marketingpersonal brauchten wir allein, um Addyi auf den Start im Handel vorzubereiten", freut sich die Managerin. Auch tut Whitehead ihr Bestes, unter Hinweis auf diverse Studien Skeptiker zu bekehren, die nicht so recht glauben wollen, dass eine Pille, die auf die Psyche wirkt, tatsächlich Lustgefühle hervorrufen kann.

Dass Addyi nicht denselben fulminanten Start haben wird wie seinerzeit Viagra liegt vor allem an den Beschränkungen, die dem Hersteller auferlegt wurden. In den Werbekampagnen für Viagra waren schon im Vorfeld des Verkaufsstarts sympathisch aussehende Männer in ihren Sechzigern mit grau melierten Haaren zu sehen gewesen, die eine der "kleinen blauen Pillen" geschluckt hatten und bereits erste Zärtlichkeiten mit der Partnerin austauschten. Vergleichbare TV-Spots für Addyi wird es aber nicht vor 2017 geben. Stattdessen müssen Ärzte, die die Lust steigernde Tablette verschreiben, ebenso wie Apotheker, die nach Erhalt des Rezepts Addyi verkaufen, auf der Website der FDA eine Zertifikation für die rosarote Pille beantragen.

Wie Whitehead einräumt, besteht eine weitere Herausforderung darin, dass Addyi nicht nach Bedarf, sondern täglich eingenommen werden muss. Folglich könnten sich die Kosten pro Frau auf 400 Dollar im Monat, also fast 5000 Dollar pro Jahr belaufen. Die Konzernchefin ist dennoch optimistisch. "Wir arbeiten eng mit den Krankenversicherern zusammen. Wir wollen sie von der medizinischen Notwendigkeit überzeugen." Whitehead hofft, dass es für Kunden bei einer Selbstbeteiligung von nicht mehr als 30 bis 50 Dollar bleibt.

Sie soll Frauen Lust machen: In den USA kommt Addyi in die Apotheken
Die rosarote Pille soll Frauen wieder Lust auf Sex machen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Paartherapeuten. Foto: © Photographee.eu/Fotolia.com

Sie soll Frauen Lust machen: In den USA kommt Addyi in die Apotheken

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17.10.2015, 12:00 Uhr
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