Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sicher, sparsam und korrekt unterwegs
Wo fährt er denn hin? Autos können heute bereits weitgehend ohne Fahrer ihren Weg finden - erlaubt ist das aber nicht. Foto: Lars Schwerdtfeger
"Auto 4.0": Autonomes Fahren kommt - Was passiert mit erzeugten Daten?

Sicher, sparsam und korrekt unterwegs

Heute übliche Fahrerassistenz-Systeme waren vor einigen Jahren noch verpönt. Auch autonomes Fahren soll in einigen Jahren völlig normal sein. Doch bis dahin sind viele Probleme zu lösen - auch juristische.

05.12.2015
  • ANDREAS BÖHME

Triberg. Als Rainer Stickelberger in den 70er Jahren noch Rechtswissenschaften in Freiburg studierte, da steuerte er einen blauen NSU Prinz. Das mit Abstand elektronischste Teil seines ersten Gebrauchtwagens war die Uhr, die es gegen Aufpreis gab. Gleichwohl, beteuert der Südbadener, habe er sich in dem Kleinwägelchen richtig autonom gefühlt.

Fast ein halbes Jahrhundert später macht er sich als Justizminister Gedanken, ob die Gesetzgebung dem technischen Fortschritt noch nachkommt. Autos lenken, bremsen und beschleunigen nun autonom, sind randvoll mit Computern und Chips bestückt, liefern Daten en masse und brauchen keine Fahrer mehr. Das diesjährige rechtspolitische Symposium in Triberg hat sich dem vernetzten Straßenverkehr gewidmet, dem "Auto 4.0", das, sagt Stickelberger, "auf einem schmalen Grat zwischen Technik und Recht" verkehrt.

Bislang sind es nur Prototypen, die der Autozulieferer Bosch in mehr als 1000 Arbeitsstunden für vollständig autonomen Betrieb umrüstet und die auf der Autobahn A81 getestet werden. Oder der selbststeuernde Laster, indem vor wenigen Wochen Regierungschef Winfried Kretschmann über die A8 fuhr, eng eskortiert von Streifenwagen, damit nichts passiert.

Denn nicht nur rechtliche, auch technische Fragen sind ungelöst. Michael Meyer, Boschs Mann für die Vorentwicklung des autonomen Fahrens, erinnert daran, wie vor einem Jahrzehnt heute selbstverständliche Fahrassistenz-Systeme abgelehnt wurden und verspricht autonomen Autos steigende Akzeptanz. In kleinen Schritten wohlgemerkt, zunächst nur auf der Autobahn und schon deshalb unfallfreier, "weil ein autonomes Fahrzeug regelkonform fährt". Mehr Sicherheit, besserer Verkehrsfluss, höhere Energieeffizienz sprechen für die Automatisierung. Doch noch, so das Fazit des Symposiums, gibt es mehr Fragen als Antworten.

Die wichtigste scheint die nach der Datenflut. Kai Nehm, ehemaliger Generalbundesanwalt und amtierender Präsident des Verkehrsgerichtstages, fordert, damit im Fall des Unfalls die Verantwortungskette vom Hersteller über den Halter bis hin zum Fahrer aufgedröselt werden kann, Zugang zu allen Daten, die ein Auto sammelt, am besten über einen Unfalldatenspeicher. Dadurch ändere sich für Halter und Fahrer nichts, wohl aber für die Eigentümer der Daten. Wer aber ist das? Wenn die Autoindustrie behaupte, die Daten gehörten ihr, "dann ist das verfassungsrechtlich sehr fragwürdig". Nehm sieht die Notwendigkeit für ein neues Datenschutzrecht.

Doch was für Daten sammelt so ein autonomes Auto überhaupt? Außer einer hochpräzisen Landkarte, Kamera- und Radardaten braucht es für das autonome Fahren gar nicht so viel. Aber schon heute sind mehr als fünf Dutzend Sensoren verbaut, die vor allem dem Komfort und der Sicherheit dienen. Im Einzelnen sind sie unproblematisch, glaubt der Wettbewerbsrechtler Volker Lüdemann, im Zusammenspiel aber so gefährlich wie Google und Facebook. Ein Beispiel: Der Sensor unter dem Beifahrersitz registriert jedes Mal das Gewicht und stellt über Monate hinweg fest: es nimmt zu. Aha, eine Schwangere, ergibt die Datenauswertung. Und vom neunten Monat wird Werbung in die Frontscheibe gespiegelt, die den Weg zum Windel-Geschäft weist.

Die Datenschutzdebatte ist nur eines von vielen Rechtsthemen. Mehr als 18 000 Auseinandersetzungen nach Verkehrsunfällen landeten im vergangenen Jahr vor den Zivilgerichten. Haftungsprobleme werden deshalb ebenso diskutiert wie die ethisch-moralische Frage, wie ein autonom fahrendes Auto in dramatischen Situationen zu entscheiden hat, wenn unvermeidlich ist, dass Dritte zu Schaden kommen. Und ob die Technik dabei ebenso Fehler machen darf wie der Mensch. Noch hinken Recht und Politik der Entwicklung hinterher. "Ich bin noch nicht so weit zu sagen, wie der Staat reagiert", räumt Stickelberger ein. Denn staatlichen Ebenen fehle es noch an Kompetenz: "Die Automobilwirtschaft ist uns um Jahre voraus."

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.12.2015, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular