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Wahlkampf

Showdown in Adlershof

Viele Deutsche sind noch unentschlossen, wem sie ihre Stimme geben. Das Duell der Kanzlerkandidaten gilt deshalb als letzte Chance der SPD, die Stimmung zu drehen.

02.09.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Martin Schulz lässt nichts unversucht. „Ich möchte mit Dir sprechen“, so wandte sich der SPD-Chef schon vor Tagen per Massenmail an seine bekennenden Sympathisanten und bat darum, ihn auf dem Weg zum TV-Duell mit der Bundeskanzlerin zu begleiten. Eine Telefonkonferenz mit Anhängern, das Einsammeln von Fragen an das Schulz-Team und ein flammender Spendenaufruf – so intensiv hat noch kein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat um Unterstützung vor dem Showdown mit Angela Merkel geworben.

Für den Herausforderer, so hat Schulz seine Anhänger wissen lassen, ist der 3. September „ein wichtiger Termin auf dem Weg zum Wahlsieg“. Das ist, gemessen an der von den Demoskopen beschriebenen Ausgangslage, eher eine Untertreibung. Tatsächlich geht es um die letzte Chance des Genossen, die Stimmung im Land vor dem Wahltag in drei Wochen noch zu drehen und den satten Vorsprung der Titelverteidigerin von der Union zu verringern.

Doch die Aussichten auf einen Swing zu Gunsten des vermeintlichen Underdog sind nicht groß. Zwar könnte sich als Vorteil erweisen, dass vor dem Fernseh-Disput 64 Prozent der Befragten beim jüngsten ARD-„Deutschlandtrend“ mit einem Punktsieg der CDU-Vorsitzenden rechnen – nur 17 Prozent mit einem Triumph ihres SPD-Widersachers. Aber ein Blick in die Vergangenheit lehrt, dass die TV-Zweikämpfe nur eine überschaubare oder flüchtige Wirkung auf die Wahlabsichten der Zuschauer hatten.

Matthias Jung von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen sagt: „Frühere Duelle haben gezeigt, dass ein Großteil der Zuschauer bereits Präferenzen für den einen oder anderen Kandidaten hat und die Diskussion sehr selektiv wahrnimmt.“ Dagegen glaubt Forsa-Chef Manfred Güllner wegen der dieses Mal wesentlich höheren Zahl der Unentschiedenen, dass sich noch bis zu 22 Prozent der Wahlberechtigten vom Ausgang des Events am Sonntag beeinflussen lassen. Das Duell als Straßenfeger, der ganze Familien vor der Glotze in seinen Bann schlägt?

Seit 2002 gibt es auch in Deutschland die aus den USA importierten TV-Duelle. Während sich Helmut Kohl (CDU) einer Auseinandersetzung mit seinen jeweiligen SPD-Gegnern standhaft verweigerte, war der „Medienkanzler“ Gerhard Schröder für einen Fernseh-Disput mit Edmund Stoiber (CSU) sofort bereit. Sogar auf zwei Termine – einmal bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, einmal bei den Privatsendern – ließ sich der Sozi ein. Dass Schröder beim ersten Treffen mit dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht gut aussah, führte dazu, dass er 2005 nur einmal gegen Angela Merkel antreten wollte.

Bei diesem Takt blieb es bis heute. 2009 kriegte es die Bundeskanzlerin mit ihrem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) aus der schwarz-roten Koalition zu tun, 2013 mit dessen Parteifreund Peer Steinbrück. Beide Kandidaten schlugen sich ordentlich, ohne dass sie es an einem einzigen TV-Abend geschafft hätten, gegen eine gewiss nicht glanzvolle Angela Merkel viel Boden gut zu machen. Wird Martin Schulz, im Vorfeld gecoacht von TV-Experte Markus Peichl und Ex-Regierungssprecher Bela Anda, mehr erreichen? Kann er womöglich im Lager der bis zu 46 Prozent noch unentschiedenen Wähler so stark überzeugen, dass er der Kanzlerin ein Stück näher rückt auf der Zielgeraden?

Die Moderatoren jedenfalls wollen dieses Mal mehr direkte Konfrontation der Duellanten. Sandra Maischberger: „Die Kandidaten sollen interagieren, dann könnte es spontaner und spannender werden.“ Als Themenblöcke sind gesetzt: Migration, Außenpolitik, Soziale Gerechtigkeit, Innere Sicherheit. Allerdings hat die Kanzlerin über ihren Unterhändler Steffen Seibert dafür gesorgt, dass die von den Sendern vorgeschlagenen Veränderungen am Format allesamt abgeschmettert wurden. Kein Studio-Publikum, keine zwei Halbzeiten für jeweils ein Moderatoren-Paar, kein zweites Duell.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey erklärt: „Die Ansage aus dem Kanzleramt war: Entweder ein Duell nach den alten Regeln oder kein Duell.“ Von „Erpressung“ will Frey aber nicht sprechen. Sein Vorgänger Nikolaus Brender dagegen ätzt: „Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf.“

Unter diesen Bedingungen hätte man auf das Duell verzichten sollen, sagt Brender. Das aber kam weder für das ZDF noch die anderen Veranstalter in Frage. Peter Frey: „Wir sind stolz, das wichtigste TV-Ereignis des Jahres 2017 zu übertragen – es wird die Initialzündung für den Endspurt des Wahlkampfs sein.“

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02.09.2017, 06:00 Uhr
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