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Hübsch abhängen

„Shoefiti“-Fans verzieren Stromleitungen mit Schuhen

Kunst. Pfiffige Menschen haben über Jahrhunderte hinweg Definitionen für dieses Phänomen formuliert. Kreativität, Profession, Autonomie – solcher Begriffe bedienen sich die Theoretiker. Aber: Paare von Schuhen, die mit verknoteten Bändeln über Stromleitungen, Ästen und Straßenlaternen hängen – ist auch das Kunst?

12.08.2011

Von Fabian Ziehe

„Na klar!“, sagen die Fans des „Shoefiti“ – eine Wort-Kreation aus „shoe“ (Schuh) und „Graffiti“. Anhänger dieser „Kunst“ scheint es auch in Tübingen zu geben. Das lassen herabhängende Galoschen am Geschwister-Scholl-Platz und neuerdings in der Friedrichstraße vermuten. Ob die baumelnden Treter aus einer Bierlaune oder aus künstlerischem Kalkül heraus in die Höhe geworfen wurden – wer weiß. Andernorts hat das gewiss kulturelle Ambitionen: In Hochburgen des Hip-Seins (erraten: gemeint sind Orte wie Berlin) gibt es schon Installationen aus Schuhwerk in luftiger Höhe – weltweit elektronisch verbreitet via Foto und Video. Auch in Filmen wie „Big Fish“, „Spritztour“ und „Wag the dog“ taucht „Shoefiti“ auf.

Schaut man sich in Zeitungen und auf Homepages um, erläutern und kommentieren sie dort Shoefiti seit zwei bis drei Jahren. Emsig wird diskutiert, was dahinter steckt. Es gibt Theorien, dass früher Gangs oder Drogendealer per Schuh-Wurf kommuniziert hätten, es gar ein Soldatenbrauch oder ein schottischer Initiations-Ritus junger Männer sein soll. Die Seite shoefiti.com listet all diese Entstehungslegenden auf. Ob irgendetwas dran ist, weiß keiner.

In Tübingen kann man bei Shoefiti (noch) nicht von einem Massenphänomen berichten. „Mir ist das gänzlich neu“, sagt Rainer Letsche vom Tübinger Ordnungsamt. Auf den ersten Blick nimmt er es gelassen. Sachbeschädigung sei es erstmal nicht. Die Stadtwerke müssen sich darum kümmern, wenn die Straßenbeleuchtung beeinträchtigt wird. Die Zuständigen versprechen, die Schuhe bei der nächsten Inspektion abzuhängen. Bislang sehen die Stadtwerke aber keinen Grund zur Sorge oder zum Eingreifen. Ebenso wenig die Polizei: „Eine Häufung ist nicht festzustellen“, sagt Polizeisprecher Ewald Raidt.

Aber wer weiß, was Shoefiti noch bringt. Nimmt es bald überhand, ist es bald vergessen? Noch ist es hip, versprüht anarchischen Charme und bringt einander Unbekannte dazu, gemeinsam Hübsches und Sinnloses zu tun. Das Sinnlose hat System: Zunächst ließ sich die Netzgemeinde an den verrücktesten Orten steif daliegend fotografieren („Planking“). Nun gibt es zwei neue trendige Spleens: das Dahocken wie eine Eule („Owling“) und das Spähen um eine Ecke („Peeping“). All das ist gänzlich sinnfrei. Und will nur eins sein: spontanes Kunsthappening.

Zwei baumelnde Sportschuhe am Stromkabel einer Straßenlaterne sind das neue Accessoire der Tübinger Friedrichstraße. Bild: Metz

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Erstellt:
12. August 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2011, 12:00 Uhr

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