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Haiti

Sex-Skandal erschüttert Oxfam

Mitarbeiter der Hilfsorganisation sollen mit Geldern für Erdbebenopfer Prostituierte bezahlt haben.

13.02.2018
  • TOBIAS KÄUFER (MIT EPD/DPA)

Port-au-Prince. Es sind Vorwürfe, die Oxfam ins Mark treffen. Vor allem weil die Hilfsorganisation einer der schärfsten Kritiker der Ungleichheit zwischen Reich und Arm auf dieser Welt ist. Nun berichtet die „Times“: Mitarbeiter von Oxfam haben sich während eines Einsatzes in Haiti offenbar Prostituierte bezahlen lassen. Mit Geld der Nichtregierungsorganisation hätten die Männer, die nach dem Erdbeben von 2010 zu einem Hilfseinsatz in dem Karibikstaat waren, Orgien veranstaltet. Inzwischen werden Rufe nach einer strafrechtlichen Aufarbeitung lauter. Oxfam hatte die Vorfälle nach eigenen Angaben wohl intern aufgearbeitet, dies aber an der Justiz vorbei getan. Die britische Vizechefin Penny Lawrence trat zurück. Sie übernehme die „volle Verantwortung“ für das Verhalten von Mitarbeitern, auf das nicht angemessen reagiert worden sei.

Kritisch äußerte sich die EU-Kommission. „Wir erwarten, dass Oxfam die Vorwürfe mit maximaler Transparenz und schnellstens aufklärt“, sagte eine Sprecherin. „Wir sind bereit, die Unterstützung für jeden Partner zu überprüfen und, wenn nötig, einzustellen, wenn er nicht den erforderlichen hohen ethischen Standards entspricht.“ Für die Arbeit auf Haiti habe Oxfam Großbritannien 2011 aus dem EU-Budget für humanitäre Hilfe 1,7 Millionen Euro erhalten.

Weiße Herren im SUV

Nach dem verheerenden Erdbeben 2010, bei dem fast 300 000 Menschen ums Leben kamen und den schweren Wirbelstürmen in den vergangenen Jahren war nicht nur auf den Straßen der Hauptstadt Port-au-Prince zu erkennen, wie sich die Machtverhältnisse im ärmsten Land der westlichen Hemisphäre verschoben haben. Hier die nicht immer, aber oft weißen Vertreter der Hilfsorganisationen, von denen sich ein kleiner Teil wie zu Kolonialzeiten aufführte. Dort die schwarzen Empfänger der Transferleistungen, die sich mit den Verteilern der Hilfsgelder gut stellen mussten, damit ihre Projekte bedacht wurden. In den abendlichen Restaurants in Port-au-Prince waren auffällig viele weiße Helfer mit meist viel jüngeren, attraktiven haitianischen Damen zu Gast. Auf den Parkplätzen vor den Restaurants standen fast ausschließlich die teuren SUVs der NGOs.

Der Oxfam-Skandal ist eine Folge der in Haiti bestehenden Parallelgesellschaft. Durch die Schwäche des Staates und der Politik, die als einer der korruptesten der Welt gilt, haben die NGOs notgedrungen eine Art Neben-Regierungsapparat geschaffen, um die Milliarden an Hilfsgeldern, die nach dem Erdbeben flossen, an die Basis zu bekommen. Unter dem Strich haben die Hilfsorganisationen gute Arbeit geleistet, allerdings gab es nie ein echtes Kontrollsystem. Es wäre nicht verwunderlich, wenn weitere Fälle auftauchen, in denen die Macht missbraucht wurde.

Tobias Käufer (mit epd/dpa)

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13.02.2018, 06:00 Uhr
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