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Sensoren messen den Wasserdruck
Vom Duschen im Wohlfühl- modi bis zur Smartphone- gesteuerten Toilette reicht das Spektrum moderner Bäder. Foto: hansgrohe/Hansgrohe SE
Sanitärbranche

Sensoren messen den Wasserdruck

Viele Verbraucher in Deutschland bauen ihr Badezimmer zur Wohlfühlzone um und geben kräftig Geld aus, auch für digitale Lösungen. Der Markt ist dennoch hart umkämpft.

11.04.2018
  • GERHARD BLÄSKE

Ulm. Das Bad ist den Deutschen lieb und teuer. Jeder Zweite gibt mehr als 10 000 EUR für die Renovierung seines Badezimmers aus. Dabei hat er bei Wasserhähnen, Duschen, Badewannen oder Toiletten die Qual der Wahl zwischen No-Name-Produkten aus dem Baumarkt, billigen Fälschungen oder den großen Herstellern aus Deutschland. Neben Villeroy & Boch, Dornbracht oder Duravit aus dem badischen Hornberg im Ortenaukreis sowie Geberit aus Pfullendorf nahe des Bodensees sind das vor allem Hansgrohe aus Schiltach im Schwarzwald sowie Grohe aus Düsseldorf.

Grohe ist in 150 Ländern tätig und nach eigenen Angaben mit einem Anteil von 6 Prozent Weltmarktführer. Das Unternehmen hat fünf Werke weltweit, davon drei in Deutschland. Eines davon ist im badischen Lahr. Der Umsatz dürfte laut Grohe-Chef Michael Rauterkus im vergangenen Jahr auf 1,5 Mrd. EUR gestiegen sein. Der Konzernchef strebt eine Rendite von 20 Prozent an.

Verwechslungsgefahr

Etwas kleiner ist Hansgrohe aus Schiltach. Produkte der Marken Axor und hansgrohe werden an fünf eigenen Produktionsstandorten, davon zwei in Deutschland, produziert und in 140 Ländern verkauft. Mit 4800 Mitarbeitern wurde 2016 mehr als 1 Mrd. EUR Umsatz erlöst.

Die Verwechslungsgefahr zwischen beiden Unternehmen ist groß. Hansgrohe ist älter und wurde 1901 gegründet. Grohe ist eine Gründung von Hans Grohes zweitem Sohn Friedrich. Beide Firmen haben sonst nichts mehr miteinander zu tun.„Das ist marketingtechnisch eine Herausforderung“, räumt Grohe-Chef Michael Rauterkus gegenüber der SÜDWEST PRESSE ein.

Der Markt ist attraktiv, aber auch hart umkämpft. Der Umsatz der deutschen Sanitärbranche stieg 2016 um 4 Prozent auf 23,9 Mrd. EUR. „Unsere Kapazitäten sind am Anschlag“, sagt der Grohe-Chef.

Sensoren messen den Wasserdruck
Grafik: SWP

„Das Bad ist die neue Küche“, meint Thorsten Klapproth, seit 2014 Chef der Hansgrohe SE und vorher Konzernleiter des Küchengeräteherstellers WMF. Doch im Hinblick auf Großbritannien oder die USA, wo Bäder oft eher Nasszellen ähneln, oder Indien und China, meint Rauterkus: „Wir wollen nicht nur Luxusanbieter sein.“ Handbrausen gebe es schon ab 20 EUR.

Die Digitalisierung ist auch im Bad längst Realität. „Die Integration von Sensoren in der Haustechnik wird auch im Bad neue Anwendungsmöglichkeiten bieten“, meint Jan Heisterhagen, Vize-Chef Produkt Management der Hansgrohe SE. Es gehe um das ökologischere Management von Wasser und Energie, „individuelle Wohlfühlmodi unter der Dusche“, aber auch um Sprachsteuerung mit Amazon Alexa oder Google Home.

Warnung bei Wasserrohrbruch

Bei Grohe dagegen geht es um Innovationen wie eine Smartphone-gesteuerte Toilette, die WC und Bidet in einem ist, oder ein Trinkwassersysteme, mit dem sich kohlesäurehaltiges Mineralwasser direkt aus dem Wasserhahn zapfen lässt.

Außerdem hat das Unternehmen ein Wasserwarnsystem entwickelt, das ständig den Wasserdruck analysiert, Mikro-Leckagen, aber auch einen Wasserrohrbruch erkennt und im Bedarfsfall einen Schaden nicht nur per App meldet, sondern den Hauptwasserhahn selbständig abdreht.

Eine intelligente und digital vernetzte Toilette hat Duravit vorgestellt. Diese kann via App auf Wunsch vollautomatisch den Urin des Nutzers analysieren und soll bald in Serie gehen.

„Unsere Top-3-Innovationen machen fast die Hälfte unseres Umsatzzuwachses aus“, berichtet Rauterkus von Grohe. Hansgrohe generiert nach eigenen Angaben „zwischen 25 und 30 Prozent des Umsatzes durch Neuprodukte, die jünger als drei Jahre sind“.

Synergien erreichen beide im Konzernverbund. Hansgrohe profitiert von Großaktionär Masco. Grohe gehört seit 2014 dem japanischen Baustoffkonzern Lixil. „Ein Glücksfall“, meint Rauterkus. Die Mutter ist selbst im Kerngeschäft Bäder tätig. Grohe kann nun komplette Bäder inklusive Keramik anbieten. Im Unternehmen ist wieder Ruhe eingekehrt, nachdem zuvor mehrere Private-Equity-Inhaber drastisch Personal abgebaut hatten. „Wir haben jetzt einen strategischen Investor, der die Branche versteht und sehr langfristig denkt“, freut sich Rauterkus.

„Made in Germany“ ist von zentraler Bedeutung – etwa in Asien. „Hochwertige Badarmaturen, Duschen und Brausen mit „German Engineering“ beziehungsweise „Made in Germany“ erfreuen sich hier wachsender Beliebtheit“, sagt Rauterkus: „Mehr als 60 Prozent unserer Wertschöpfung kommen aus Deutschland. Dafür zahlt die Welt.“

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11.04.2018, 06:00 Uhr
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