Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Facebook

Senatoren grillen Zuckerberg

Der Chef des Konzerns stellt sich in zwei Anhörungen. Er räumt erneut Fehler des sozialen Netzwerks ein, zieht sich mit einstudierten Antworten aber gut aus der Affäre.

12.04.2018
  • PETER DE THIER

Washington. Es war eine einfache Frage, mit der US-Senator Dick Durbin den Wert der Privatsphäre an Facebook-Chef Mark Zuckerberg persönlich demonstrierte. „Mister Zuckerberg, würden Sie sich wohl damit fühlen, uns mitzuteilen, in welchem Hotel Sie die vergangene Nacht verbracht haben?“, fragte der 73-jährige Demokrat aus Illinois in der zweiten Stunde der ersten Anhörung zum aktuellen Datenskandal. „Um... Äh...“, entgegnete der überraschte TechMilliardär und schien kurz zu überlegen, ob er die Frage beantworten soll, bevor er sie vorsichtig lächelnd mit einem „Nein“ quittierte. Dann aber vielleicht die Namen der Leute, denen er diese Woche Kurzmitteilungen geschrieben habe, hakte Durbin nach. „Nein, Senator, ich würde wahrscheinlich bevorzugen, das nicht hier in aller Öffentlichkeit zu tun“, entgegnete Zuckerberg leicht gereizt. „Ich denke, das zeigt, warum es hier eigentlich geht“, resümierte Durbin.

Glimpflich davongekommen

In zwei Anhörungen musste Zuckerberg in den vergangenen Tagen wegen der Affäre um die britische Analyse-Firma Cambridge Analytica vor beiden Kammern des US-Kongresses Rede und Antwort stehen. Mit Spannung war erwartet worden, ob er von den Senatoren „gegrillt“ wird, wie man in den USA sagt. Er ist glimpflich davongekommen. Zu Beginn der fünf Stunden langen ersten Anhörung war Zuckerberg noch sichtlich nervös. Seine Stimme zitterte leicht, als er abermals Fehler einräumte und sich entschuldigte. Alles in allem aber kann der 33-jährige Facebook-Chef aufatmen.

Denn die Mitglieder des „Klubs der alten, weißen Herren“, wie der Senat auch spöttisch genannt wird, gaben sich oft selbst Blößen. Wegen des außerordentlich geringen Kenntnisstands, den viele der Senatoren in Sachen soziale Medien haben, musste Zuckerberg nur selten von seinen sorgfältig vorbereiteten und einstudierten Floskeln abweichen. Wie es um das Fachwissen einiger der Fragesteller bestellt ist, demonstrierte etwa der 84-jährige Senator Orrin Hatch aus Utah. Ratlos fragte er den Facebook-Gründer, wie sein Geschäftsmodell funktioniere und das Unternehmen denn überhaupt Geld verdienen könne, wenn die Nutzung umsonst sei. „Senator, wir schalten Anzeigen“ antwortete Zuckerberg leicht verdutzt.

Bei anderen fragte er eiskalt zurück, was eigentlich gemeint sei – einige Politiker, die ganz offensichtlich Fragen von ihren in Online-Dingen versierteren Mitarbeitern aufschreiben ließen, gerieten ins Trudeln. Um mancher wirr oder unverständlich formulierten Frage konfliktfrei aus dem Weg zu gehen und konkrete Aussagen zu vermeiden, wählte er noch ein weiteres Hintertürchen: „Mein Team wird sich bei ihnen melden“, vertröstete Zuckerberg die Senatoren mehr als ein Dutzend Mal. Zum Beispiel als es um die wichtige Frage ging, ob Facebook weiter Daten über die Aktivität der Nutzer sammele, nachdem sie sich auf einem Gerät ausgeloggt haben. Schwer vorstellbar, dass der Chef und Gründer des größten sozialen Netzwerks die Antwort nicht selbst kennt.

Zugleich signalisierte Zuckerberg in der Befragung erstmals, dass Facebook eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. „Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben“, sagte er auf entsprechende Nachfragen und deutete mit dieser Wortwahl die Alternative an. Er enthüllte zudem, dass Facebook-Mitarbeiter vom Sonderermittler Robert Mueller befragt wurden, der eine mögliche russische Einflussnahme im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 untersucht. Er selbst sei nicht darunter gewesen, erklärte Zuckerberg – und war sich nicht sicher, ob er überhaupt darüber reden durfte.

Dagegen wies Zuckerberg klar den Verdacht zurück, dass Facebook Gesprächen der Nutzer zuhöre, um ihnen passende Werbung zu zeigen. „Das machen wir nicht“, sagte er und nannte die seit Jahren andauernden Spekulationen eine „Verschwörungstheorie“.

Die Politiker forderten trotzdem eine strengere Kontrolle. Nicht nur Facebook, sondern die gesamte Branche müsse mit deutlich schärferer Regulierung und staatlicher Aufsicht rechnen, wenn man nicht Maßnahmen ergreife, um derartigen Verletzungen der Privatsphäre künftig einen Riegel vorzuschieben, sagten die Senatoren. (mit dpa)

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.04.2018, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular