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Leitartikel

Selbst vorsorgen

Starkregen hat gute Aussichten, zum Wort des Jahres 2016 zu werden. Allein die Unwetter Ende Mai und Anfang Juni mit sintflutartigen Regenfällen binnen kürzester Zeit haben ganze Orte verwüstet und die Versicherungen mindes- tens 1,2 Milliarden Euro für Schäden an Häusern, Hausrat, Betrieben und Autos gekostet, von den nicht versicherten Dingen ganz zu schweigen. Wer weiß, was in den nächsten Wochen noch alles dazukommt.

01.08.2016
  • DIETER KELLER

Ob beim Elbe-Hochwasser 2002, diversen Überschwemmungen 2013 oder jetzt bei Schäden wie in Braunsbach bei Schwäbisch Hall, die öffentliche Diskussion läuft immer gleich: Erst fordern Politiker schnelle Hilfen – und dann eine Versicherungspflicht für alle Wohnhäuser gegen Elementarschäden. Realisiert wurde dies nie, schon weil sich die Grundsatzfrage nach der Eigenverantwortung der Bürger stellt: Sollte die Politik sie zur Vorsorge zwingen, in diesem Fall gegen dramatischen Vermögensverlust, oder sollte sie jedem die Freiheit lassen, sich dafür oder dagegen zu entscheiden?

In einer freiheitlichen Gesellschaft wie der unseren sollte der Staat seinen Bürgern eigentlich möglichst wenig Vorschriften machen. Schließlich wissen sie theoretisch selbst am besten, was gut für sie ist. Keine Institution hindert sie etwa daran, sich beim Hausbau völlig zu übernehmen. Eine Versicherungspflicht gibt es für Privatleute, abgesehen von der Sozialversicherung, nur in einem Fall: Wer ein Auto besitzt, muss eine Kfz-Haftpflichtversicherung haben. Dabei geht es aber nur um den Schutz von Dritten, nämlich des unschuldigen Unfallopfers insbesondere bei Personenschäden. Dagegen ist jeder Autobesitzer frei in der Entscheidung, ob er sein eigenes Auto gegen Unfallschäden und den Totalverlust absichert oder nicht.

Bei der Gebäudeversicherung geht es nur um Sachschäden am eigenen Vermögen, auch wenn sie im Einzelfall existenzgefährdende Dimensionen haben können. Allerdings geraten gerade Landespolitiker leicht in den Verdacht, dass es ihnen weniger um das Wohl ihrer Bürger geht als um den Landeshaushalt. Im Zweifelsfall fühlt sich die Politik nämlich verpflichtet, finanziell einzuspringen, auch wenn das letztlich nicht gerecht ist. Der Dumme ist, wer sich freiwillig versichert: Er muss nicht nur für seine Prämien aufkommen, sondern auch für die Steuern, um denen zu helfen, die keine Eigenvorsorge betreiben. Dieser Aspekt ist in der öffentlichen Diskussion erstaunlich selten zu hören.

Nachdenklich machen sollte, dass die Assekuranz nicht etwa ein gutes Geschäft wittert, sondern eine Versicherungspflicht strikt ablehnt, und das mit guten Argumenten. Aus Sicht der Unternehmen gehört es zur Verantwortung des Einzelnen, sich um sein Hab und Gut zu kümmern. Mit einer Pflichtversicherung sinkt der Anreiz, gegen Elementarschäden vorzusorgen. Zudem kann man ein Unternehmen nicht zwingen, eine Versicherung abzuschließen, wenn das Risiko nicht zu vertreten ist. Das ist nach Ansicht der Branche allerdings gar nicht so hoch: Mehr als 99 Prozent der Häuser seien problemlos zu versichern, und selbst für den Rest gebe es Lösungen, versprechen die Versicherungen. Die müssen sie dann auch anbieten.

Mit dem Klimawandel wird die Zahl und die Größe von Elementarschäden weiter zunehmen. Die Politik kann nur die Folgen für die Gemeinschaft mildern, die Absicherung des Einzelrisikos liegt beim Bürger selbst. Wer hier nach dem Staat ruft, überfordert dessen Rolle und ist am Ende selbst Schuld, wenn er in Not gerät. Zu einer freien Gesellschaft gehören Eigenverantwortung und Eigenvorsorge. Dafür sollte die Politik werben.

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01.08.2016, 06:00 Uhr
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