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Schwimmer und Sammler

Seit gestern hängt der Neoprenanzug des Forschers Andreas Fath im Haus der Geschichte

Andreas Fath ist Hochleistungssportler und Wissenschaftler. Beides hat er im vergangenen Jahr vereint, als er den Rhein durchschwamm und Proben entnahm. Sein Ziel ist die Schonung der Ressource Wasser.

30.10.2015
  • TOBIAS KNAACK

Stuttgart Sie haben ihn aufgehängt. Gut zwei Meter über dem Boden. Gleich neben einer Treppe. Hinter Plastik. Da hängt er, der Neoprenanzug von Andreas Fath, der im vergangenen Jahr zu Forschungszwecken den Rhein von der Quelle am schweizerischen Tomasee bis zur Mündung in die Nordsee im niederländischen Hoek van Holland geschwommen ist. In vier Wochen.

1231 Kilometer hat Fath, Professor für Chemie und Analytik an der Hochschule in Furtwangen, im Sommer 2014 zurückgelegt - kraulend. Rund 50 Kilometer am Tag. Sein ständiger Begleiter, seine zweite Haut: ein Spezial-Schwimmanzug. Der ist nun im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart, wo Fath ihn gestern gemeinsam mit Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger präsentierte. In der Abteilung "Museum der Gegenwart" hängt er zwischen anderen "zeitgenössischen" Exponaten wie dem Ball des WM-Spiels um Platz drei 2006 zwischen Uruguay und Deutschland in Stuttgart.

Die Abteilung ist an der Schnittstelle zwischen der Dauerausstellung zur Landeshistorie und dem Sonderthemenbereich. Dort geht es gerade um den Schwarzwald. "Es könnte aber auch mal der Rhein sein", sagte Lutum-Lenger, die die "große Bedeutung" des Flusses für Baden-Württemberg betonte. In diesem Zusammenhang sei Faths Forschung sehr bedeutend und der Anzug "ein schwimmendes Labor und ein Stück Umweltgeschichte".

Fath selbst hat, wie er sagt, auf den 1231 Kilometern ein ambivalentes Verhältnis zu seinem Anzug entwickelt. Er sei "Fluch und Segen" zugleich. Segen, weil er "mich gewärmt und in der Strömung getragen hat". Fluch, weil "er mich eingeengt hat" - und sogar verletzt. Im Nacken hat der 50-Jährige noch heute eine sichtbare Narbe vom Verschluss, die er sich nach zweieinhalb der vier Wochen zuzog. Es war der kritischste Moment seines Schwimm-Marathons.

Die Reise wertete Fath auch mit einem Jahr Abstand "in allen Belangen als Erfolg". 128 Substanzen konnten er und sein Team mittels eines Mikrofleece-Samplers an der Wade aus dem Wasser filtern und analysieren. Sie fanden Kleinstpartikel und Rückstände von Kosmetika, der Anti-Babypille oder Spülmaschinen-Tabs. Und dass, obwohl der Rhein schon als "recht sauberer Fluss" gilt. Fath möchte mit seiner Arbeit vor allem auch für Mikroplastik im Wasser sensibilisieren.

Fath ist auf einer Mission: Gewässerschutz. Die überlebenswichtige Ressource Wasser gelte es zu schützen. "Es gibt keine Alternative." Und seine Mission ist noch nicht beendet: Fath war kürzlich in Tennessee in den USA. Dort gibt es nicht nur Whiskey, sondern auch Wasser im Tennessee River - und von Seiten von US-Kollegen das Interesse, dass Fath auch den etwa gleichlangen Fluss wissenschaftlich durchschwimmt. Fath ist begeistert, auch wenn "es noch nicht ganz fix" sei. Die Finanzierung ist noch unklar. Aber so weit, dass der kommende Sommer als Termin feststeht, ist das Projekt schon gediehen. Und so könnte der Schwimmer und Sammler wieder auf Reisen gehen.

Seit gestern hängt der Neoprenanzug des Forschers Andreas Fath im Haus der Geschichte
Der Schwimmer und sein Anzug: Andreas Fath präsentierte im Haus der Geschichte in Stuttgart gestern den neuen Platz seines Neopren-Begleiters. Foto: dpa

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30.10.2015, 12:00 Uhr
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