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Seid gewarnt!

Bei den alten Griechen wurden die Überbringer schlechter Nachrichten bestraft. Ganz anders beim Tübinger Unternehmen A3M Mobile Personal Protection: Seine Auftraggeber sind froh darüber, rechtzeitig vor aktuellen oder drohenden Gefahren gewarnt zu werden. Die Firma entwickelt und betreibt hocheffektive Frühwarn-, Informations- und Kommunikationssysteme.

07.10.2019

Von TEXT: Birgit Pflock-Rutten|FOTOS: Jörg Romanowski

Marcel Brandt, General Manager bei A3M in Tübingen.

Auf sechs großen Flachbildschirmen an der Wand laufen die Breaking News internationaler Nachrichtenagenturen, Redakteure verfolgen an ihren Monitoren das Weltgeschehen, Krisenmeldungen aus nahezu allen Ländern der Erde gehen hier ein – am Stammsitz der Firma A3M, mitten in Tübingen, in der Hinteren Grabenstraße. Der Informationsdienstleister hat ein Frühwarnsystem für die Touristikbranche und für Geschäftsreisende entwickelt. Auftraggeber des Unternehmens sind die führenden Reiseanbieter wie die TUI-Gruppe, FTI Touristik, Studiosus oder DER Touristik. Aber auch international tätige Firmen mit Mitarbeitern im Ausland unterstützt A3M in ihrer Fürsorge- und Informationspflicht: Kärcher, Weltmarktführer für Reinigungstechnik, nutzt die Dienste der Tübinger, ebenso der Sportausrüster Uvex.

Krisen, Kriege, Katastrophen

Zur Gründung des Unternehmens führte vor vierzehn Jahren der Tsunami in Südostasien mit mehr als 230 000 Toten. Um weitere Katastrophen dieses Ausmaßes zu vermeiden, entwickelten zwei Tübinger Informatikprofessoren ein Frühwarnsystem für Tsunamis.

Auf den Flachbildschirmen an der Wand sowie ihren Laptops und Smartphones verfolgen die Redakteure Nachrichten aus den Krisenherden der Welt.

Dabei blieb es nicht: In den Folgejahren baute das junge Start-up unter dem Namen A3M ein umfassendes „Global Monitoring System“ auf, das von den IT-Spezialisten ständig weiterentwickelt wird. Das System durchleuchtet derzeit 200 000 Onlineportale, davon 650 so genannte Pflichtquellen wie Nachrichtenagenturen, Organisationen wie WHO und WMO oder das Robert Koch Institut. Die Meldungen sind in über 40 Ereigniskategorien eingestuft: von Naturkatastrophen wie Hurrikans, Überschwemmungen oder Erdbeben über Streiks und politische Unruhen bis hin zu Terroranschlägen oder Epidemien. Rund um die Uhr analysieren und bewerten die Redakteure bei A3M die weltweit drohenden Gefährdungsmeldungen.

Rund 2000 Meldungen werden pro Tag gesichtet. „Bei dieser Menge an Informationen müssen wir vorfiltern und entscheiden, was für unsere Zielgruppe relevant ist“, so Marcel Brandt, General Manager bei A3M. Das sind dann um die 20 bis 40 Ereignisse pro Tag.

Nicht alle Meldungen eignen sich für die Zielgruppen-relevante Aufnahme ins Global Monitoring System: Die ausgebrochene Kobra in Herne beispielsweise war unerheblich als Gefahrenquelle für den Kundenkreis. Das gilt ebenfalls für Amokläufe an Schulen in den USA – so schlimm diese Vorfälle auch sind, wenn sie innerhalb geschlossener Räume passieren, gehen keine Warnmeldungen heraus.

Georeferenzierte Informationen

Das Herzstück des Warnsystems ist eine virtuelle Landkarte. Sie zeigt alle gesammelten und ausgewerteten Ereignisse mit unterschiedlichen Symbolen an: eine Welle für Tsunamis beispielsweise, Handgranaten kennzeichnen Terroranschläge und Blitze bedeuten Unwetter. Die Symbole sind je nach Gefahrenstufe farblich markiert. Die Skala reicht von eins (niedrig) bis fünf (hoch). Auch eine Null gibt es: Sie steht für Entwarnung.

Die Global Monitoring App
zeigt Warnungen über Gefahren und Ereignisse in fast
allen Ländern an.

Die ausgewerteten und georeferenzierten Informationen werden mit den Daten der Auftraggeber abgeglichen. „Wir können lokalisieren, wo sich die Geschäftsreisenden beziehungsweise die Gäste der Reiseunternehmen gerade befinden. Wer von einer Gefahrensituation betroffen ist, kann dann umgehend per App gewarnt werden“, so Brandt.

Sicherheitsmechanismen verhindern die Verbreitung von Falschmeldungen, unsichere Infos werden als solche gekennzeichnet. Trotzdem kann es auch mal zu Fehlmeldungen kommen. „2014 wurde ein Flugzeugabsturz im Meer bei Gran Canaria gemeldet“, berichtet Marcel Brandt. Zehn Minuten später kam Entwarnung durch die spanischen Behörden: „Mitarbeiter hätten ein Schiff auf dem Meer, das einen Kran geladen hat, irrtümlich für eine abgestürzte Maschine gehalten“.

Seit knapp zwei Jahren gibt es die App auch für Privatpersonen: die ersten vier Wochen sind kostenfrei, danach sind geringe Gebühren – je nach Nutzungsdauer – fällig.

Die Welt im Wandel

Zweimal pro Jahr veröffentlicht das Unternehmen einen Halbjahresvergleich sicherheitsrelevanter Ereignisse. Daraus kann man ersehen, wie sich Krisenlagen verändern. „Im Vergleich zu 2017 ist 2018 die Anzahl der Terroranschläge zurückgegangen“, berichtet Brandt. „Was wir ebenfalls feststellen: Die Intensität der Hurrikans nimmt zu.“ Das System ist auch ein politischer Seismograph: 2019 gab es im Vergleich zum Vorjahr mehr Einschränkungen durch Demonstrationen. „Die Menschen gehen häufiger auf die Straße“, sagt Brandt.

Eines ist - leider - klar: Eine krisenfreie Welt wird es auch in Zukunft nicht geben. Dementsprechend geht auch die Arbeit bei A3M nicht aus. Das Unternehmen ist daher stets auf der Suche nach Spezialisten – Redakteuren mit einer Affinität zu Themen wie Politik und Sicherheit, aber auch nach IT-Experten für die Weiterentwicklung des Monitoring Systems. Und für neue Aufgaben – A3M hat bereits weitere Ziele auf dem Radar, kündigt Marcel Brandt an: „Wir planen, in Zukunft auch aktives Krisenmanagement anzubieten – inklusive Krisenstab, Koordination oder Mitarbeiterrückführung.“

A3M auf einen Blick

Das Unternehmen wurde 2005 gegründet. Derzeit sind am Stammsitz in Tübingen 17 Mitarbeiter in Redaktion und IT-Entwicklung beschäftigt, ein Mitarbeiter in Korea deckt die Nachtschicht ab. Sieben weitere Mitarbeiter kümmern sich in der Hamburger Niederlassung um Verwaltung, Buchhaltung, Marketing und Kundensupport.

Geschäftsführer von A3M ist seit 2008 Tom Dillon, Marcel Brandt ist als General Manager für die operative Leitung des Unternehmens in Tübingen zuständig.

A3M finanziert sich über die Lizenzgebühren aus der Reisebranche und durch Unternehmensaufträge.

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Erstellt:
7. Oktober 2019, 08:39 Uhr
Aktualisiert:
7. Oktober 2019, 08:39 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2019, 08:39 Uhr

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