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Security in der Notaufnahme
Subjektives Sicherheitsgefühl: Im SRH Klinikum des Landkreises Sigmaringen ist nun ein Sicherheitsdienst tätig. Er soll bei Konflikten mit Patienten die Wogen glätten. Foto: SRH Kliniken
Nächtliche Übergriffe: Krankenschwestern fühlten sich nicht mehr sicher

Security in der Notaufnahme

Weil Schwestern sich weigerten, nachts zu arbeiten, hat das Sigmaringer Klinikum nun einen Sicherheitsdienst - auch wegen Übergriffen von Flüchtlingen. Die Polizei sieht aber keine Zunahme von Vorfällen.

12.12.2015
  • PETRA WALHEIM DOMINIQUE LEIBBRAND

Sigmaringen. Seit in der Graf-Stauffenberg-Kaserne in Sigmaringen eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet wurde, ist auch im benachbarten Krankenhaus mehr los - vor allem nachts. Immer wieder werden Asylbewerber in die Klinik gebracht, die sich verletzt haben. Manch Angetrunkener oder psychisch Angeschlagener verhalte sich aggressiv gegenüber dem - vorwiegend weiblichen - Pflegepersonal. Es habe vermehrt verbale und tätliche Übergriffe gegeben, informiert Julia Waßer, Sprecherin der SRH-Kliniken im Landkreis Sigmaringen. Sie betont jedoch: "Die gehäufte Anzahl der Übergriffe bezieht sich sowohl auf Flüchtlinge als auch auf deutsche Patienten".

"Das Pflegepersonal hat sich nicht mehr sicher gefühlt", sagt Waßer. Deshalb wurde im November ein Sicherheitsdienst angestellt. Der ist nicht nur in der Notaufnahme präsent. "Der Sicherheitsdienst ist im ganzen Haus tätig. Er ist per Telefon erreichbar und kann gerufen werden, wenn es zu Vorfällen kommt", sagt Julia Waßer. Die Sicherheitsleute arbeiteten "deeskalierend durch Verständigung" und vermittelten zwischen den Parteien. Das Sicherheitspersonal spreche fließend Englisch und Französisch, was viel helfe: Auch Verständigungsprobleme seien eine Ursache für die Probleme. Von September an habe es monatlich 40 Übergriffe gegeben, sagt Pflegedienstleiterin Silvia Stärk. "Unsere Krankenschwestern hatten große Angst." Zum Teil weigerten sie sich, zum Dienst anzutreten. Der Sicherheitsdienst ist nun von Mitternacht bis 6 Uhr im Einsatz, an den Wochenenden bereits von 22 Uhr an. Ein Mitarbeiter patrouilliert pro Nachtschicht durch das Krankenhaus. "Dadurch fühlt sich das Klinikpersonal sicherer", betont Julia Waßer. Übergriffe gebe es weiterhin.

Straftaten wurden bei alldem aber offenbar kaum registriert: Die Sigmaringer Polizei kann die Entwicklung nicht wirklich bestätigen. Ein Sprecher sagt, es gebe zwar Vorkommnisse, doch die würden die Beamten nicht vermehrt beschäftigen. Auch seien bislang kaum Übergriffe zur Anzeige gebracht worden.

Auch Andrea Huthmacher, Mitarbeiterin in der Erstaufnahmestelle, ist nichts bekannt davon, dass Flüchtlinge sich mit Klinikpersonal angelegt haben sollen. Die Mitarbeiter tauschten sich zwei Mal pro Woche mit der Polizei aus - und bislang sei das kein Thema gewesen.

Fakt ist aber, dass in der Sigmaringer Klinik seit über sechs Wochen ein Sicherheitsdienst im Einsatz ist, den die SRH-Kliniken GmbH bezahlen muss. Die Kosten belaufen sich in etwa auf 60 000 Euro pro Jahr.

Dass in einer Klinik ein Sicherheitsdienst tätig ist, hält Julia Waßer für nichts Besonderes. In größeren Städten, wo es in den Notaufnahmen nachts oft turbulent zugeht, sei das Normalität. Anderswo im Land kennt man aber keine vergleichbaren Probleme wie in Sigmaringen: Die Landeserstaufnahme in Meßstetten ist ebenfalls völlig überfüllt. In der zuständigen Zollernalb-Klinik in Albstadt gibt es keinen Sicherheitsdienst. Die meisten der Flüchtlinge werden aber in der Krankenstation direkt auf dem Gelände der LEA medizinisch versorgt. Auch in Ellwangen und Ludwigsburg kommen die Kliniken ohne Sicherheitsdienst aus. Die Frage, wie lange die Security in Sigmaringen tätig sein wird, beantwortet Julia Waßer so: So lange sie benötigt wird.

Keine Zeltstadt für 1000 Flüchtlinge

Pläne In Sigmaringen ist die Stimmung beim Thema Flüchtlinge angespannt: Wohl auch wegen des Widerstands in der Stadt hat die Landesregierung nun Pläne fallengelassen, eine Zeltstadt für rund 1000 Flüchtlinge zu errichten. „Die Zeltstadt in Sigmaringen ist vom Tisch“, bestätigte nun der Sprecher der Lenkungsgruppe Flüchtlingsunterbringung, Michael Brand. Die Sigmaringer waren von Anfang an gegen die geplanten winterfesten Zelthallen auf dem Gelände der Graf-Stauffenberg-Kaserne auf die Barrikaden gegangen. „Ich halte das für unzumutbar“, hatte Sigmaringens Bürgermeister Thomas Schärer (CDU) Ende November zu den Plänen gesagt. Rund 1000 Flüchtlinge zusätzlich unterzubringen, sei für die Stadt mit etwa 15 000 Einwohnern zu viel.

Unmut In der Stadt sind derzeit rund 2300 Flüchtlinge untergebracht, unter anderem in einer Außenstelle der Meßstetter LEA. Bei einer turbulenten Bürgerversammlung wurde der Unmut der Sigmaringer jüngst sichtbar. In der Heimatstadt von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ist es auch bereits zu Schmierereien gekommen, die sich gegen Flüchtlinge richteten. dpa

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12.12.2015, 08:30 Uhr
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