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Unser Ort des Tages

Sechzig Jahre alt – und gräulich

Aus dem Wald ist kein Weinberg geworden, sondern ein Verbindungsweg: die Iglerslohstaffel.

13.08.2019

Von Anne Merz

Bevor die Iglerslohstaffel zu ihrem Namen kam, verhandelte im Juli 1959 der Tübinger Gemeinderat in einer öffentlichen Sitzung. Der damalige Oberbürgermeister Hans Gmelin stellte fest, dass im Gewand Iglersloh gebaut werde und für die „Einnummerierung dieser Gebäude“ ein Straßennamen notwendig sei. „Der Verbindungsweg führt in seiner ganzen Länge durch das Gewand Iglersloh. Es erscheint deshalb angebracht, die Bezeichnung des Weges in Verbindung mit dem Gewandnamen zu bringen“, heißt es in dem Protokoll.

Die inzwischen 60-jährige Iglerslohstaffel – für die in der Mitte liegenden Häuser der einzige Zugangsweg – zählt hundertvierundachzig Stufen und ist hundertfünfzig Meter lang. Sie liegt in dem im 19. Jahrhundert entstandenen Tübinger Stadtviertel, nördlich der Altstadt, früher die sogenannte Wilhelmsvorstadt. Von der Straße Im Rotbad führt die Staffel hinunter zur Mohlstraße. Dort fließt der Iglersbach unter der Erdoberfläche weiter ins Ammertaler Iglerbach-Tälchen.

Der bereits im Jahr 1356 erwähnte geographische Name „lueglersloch“ leitet sich von dem Familiennamen Lügler oder Liegler ab. „Loch“ – von „Loh“ abgeleitet – bedeutet, dass im Hochmittelalter der bewaldete Hang abgeholzt worden ist, vermutlich um Weinberge anzulegen.

An der dunkelgrauen Staffel wohnte einst der 1912 im oberschlesischen Gnadenfeld geborene Philosoph Walter Schulz. Von 1955 bis 1978 lehrte er an der Tübinger Uni und lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2000 in Tübingen.

In einem normalen Tempo ist man in vier Minuten die Treppenstufen emporgestiegen und kann ein herrliches Albpanorama genießen, bei klarer Sicht. Linker Hand tut sich der grüne Ausläufer des Österbergs auf. Wenn man abwärtsgehend den Blick ins Weite schweifen lässt, grünt es rechts und links der Staffel wie im Märchenwald, inmitten vogelzwitschender Stille – von bellenden Hunden manchmal jäh unterbrochen.

Auf der einundvierzigsten Treppenstufe von oben gezählt, endet ein angrenzender Fahrstreifen mit einem abgeschlossenen Eisentor, über dem sich stachlig reife und unreife Brombeeren ranken. Auf dieser Spur lassen sich schwere Koffer, Rollstühle, Kinderwägen und Fahrräder hinauf- und hinunter transportieren.

Zu guter Letzt soll auch das Iglersloher Staffelgeländer nicht unerwähnt bleiben: zu beiden Treppenseiten bietet es im Zackenmuster beigebraun gestrichen – mit ein paar rostigen Flecken verziert – dem Iglerslohstaffelbegeher Schutz und Halt.

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Erstellt:
13. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 01:00 Uhr

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