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Teures Paket

Schwierige Planung der Generalsanierung des Stuttgarter Opernhauses

Wann kann die Generalsanierung des Stuttgarter Opernhauses beginnen? Ein Interim scheint gefunden, aber es ist keine nachhaltige Lösung.

25.11.2017
  • JÜRGEN KANOLD

Stuttgart. Enten gibt es dort auch, in den Teichen des Unteren Schlossgartens. Das seinen Eckensee liebende Stuttgarter Opernpublikum könnte sich heimisch fühlen im alten Paketpostamt am Ende der Ehmannstraße: ein paar Stationen nur vom Hauptbahnhof aus mit der Stadtbahn zur Haltestelle Mineralbäder, dann gut 300 Meter hoch durch den Park und noch die Eisenbahnstrecke auf einer Fußgängerbrücke überquert. Parkplätze wären auch vorhanden, aber ans Autofahren möchte man in Deutschlands Feinstaub-Hauptstadt nicht sofort denken.

Lange haben Stuttgart und das Land nach einem Interimsort für das zu generalsanierende Opernhaus gesucht. Die Würfel scheinen, wie berichtet, für die Post-Immobilie gefallen, OB Fritz Kuhn und Kunstministerin Theresia Bauer haben sich dafür ausgesprochen. Jetzt am Montag berät der Verwaltungsrat der Staatstheater – aber hat er auch den Mut, einen Beschluss zu fassen?

Post am Park

„Wer erstmal dort ist, sagt: wow!“ Marc-Oliver Hendriks, der Geschäftsführende Intendant der Staatstheater, spricht von einer „Türlenstraßen-Situation“. Das Ausweichquartier fürs Schauspiel in einem ehemaligen Autohaus während der Sanierung des Schauspielhauses sei vom Publikum auch sehr gut angenommen, ja geliebt worden. Fest steht mit einem Interim in der Ehmannstraße aber: Es wird auf keinen Fall eine nachhaltige Lösung geben. Auch das zum Spielort für Oper und Ballett zu ertüchtigende Paketpostamt wird eines Tages abgerissen werden – als Maßnahme für einen grünen „Burgfrieden“ im S21-Streit, wie man so schön sagt: Der Rosensteinpark soll erweitert werden.

Mindestens 50 Millionen Euro nur für ein Interim? Wobei es offizielle Zahlen noch nicht gibt. In Köln hat die Stadt mehr als 100 Millionen Euro für wechselnde Ersatzorte im Endlosprozess der dortigen Opernsanierung ausgegeben. Frankfurt rechnet mit 70 Millionen Euro für ein Interim. Dabei geht es nicht nur um die Baukosten, sondern um mögliche Einnahmeausfälle. Rund 1400 Plätze bietet die Stuttgarter Oper – das ist die Vorgabe für das Ausweichquartier: Jede Reihe, die fehlt, schmerzt die Kasse.

„Wir als Staatstheater richten den Blick natürlich besonders aufs Publikum, wir möchten, dass es mit einer großen Begeisterung zum Interim findet – und wieder zurück“, sagt Hendriks. Ein Standort auf einem Daimler-Gelände in einem Industriegebiet am Neckar, in der Nähe des Mercedes-Museums, sei von befragten Opernbesuchern als „Worst-Case-Szenario“ bezeichnet worden: „Da will niemand hin.“

Und der Eckensee direkt vor dem Opernhaus? Dieser Standort hätte den Charme der zentralen Lage gehabt, wobei Umweltschützer sofort ein innerstädtisches Öko-System bedroht sahen. Der unmittelbare Anblick von Kränen und Baucontainern von einer Ersatzoper aus hätte dort aber auch nicht gerade stimulierend auf die Besucher gewirkt.

Seit der „Aufbruch Stuttgart“, diese von Wieland Backes begründete Bürgerinitiative, aber die Landeshauptstadt aufrüttelt und für ein verkehrsberuhigtes Kulturquartier mobilisiert, hat auch die Debatte über die Generalsanierung des Opernhauses eine neue Dynamik erfahren. Erst war der Neubau eines Konzerthauses ein Hauptthema – ein bisschen Elbphilharmonie-Glanz für eine Stadt, die sich in den S21-Leiden nach positiver Ausstrahlung sehnt.

Dann brachte der Architekt Arno Lederer eine verblüffende Idee ins Spiel, alle Tabus ignorierend: Den Littmann-Bau von 1912 nicht aufwändig für rund 400 Millionen Euro sanieren und mühsam auf heutige technische Standards erweitern, sondern ihn künftig als Konzerthalle nutzen, als gewissermaßen drittes Haus der Staatstheater. Und dafür in der fortgesetzten Linie und Symmetrie einer Theatermeile an der Adenauerstraße, ans Schauspielhaus anschließend, ein modernes Opernhaus neu bauen. Und zwar auf der Fläche des dann abzureißenden (aber denkmalgeschützten) Katharinenstifts von 1905, eines von S21-Baustellen umzingelten Gymnasiums samt Turnhalle.

Arno Lederers Vision klingt spektakulär, aber sehr vernünftig bezüglich der Nachhaltigkeit – und teurer wäre dieses Projekt gewiss nicht, allein schon wegen gesparter Kosten für eine Ersatz-Oper. Doch auf dieses Schlachtfeld, in diesen Kampf wollen die verantwortlichen Politiker offenbar nicht mehr ziehen.

Es läuft auch die Zeit. Eineinhalb bis zwei Jahre wird es dauern, eine Interimsoper herzurichten. Vor 2021 erwartet also niemand, dass mit der Generalsanierung begonnen wird. Aber wann könnte die Eröffnungspremiere im Stuttgarter neuen alten Opernhaus stattfinden? „Eher in der zweiten Hälfte der zweiten Hälfte der 20er Jahre“, sagt Marc-Oliver Hendriks. Dann wären wir schon fast bei 2030.

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25.11.2017, 06:00 Uhr
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