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Studentenwelten – Wohl dem, der eine Bude hat

Schwierige Herbergssuche des Doppel-Abi-Jahres

Weihnachten 2012 – die Herbergssuche ist vorbei. Nicht nur die von Maria und Josef, sondern auch jene, mit der die Neu-Studenten des Doppel-Abi-Jahrgangs zu kämpfen hatten. Der Wohnungsmarkt hat sich in seiner durchschnittlichen Katastrophen-Lage eingependelt. Und wer eine Bude gefunden hat, lebt in seiner eigenen kleinen Welt.

26.12.2012

Von Matthias Stelzer

Tübingen. Etwa 27.000 Studenten, mehr als jemals zuvor, sind derzeit an der Uni Tübingen eingeschrieben. Der doppelte Abitur-Jahrgang bescherte der Hochschule den Boom und der Stadt eine Herbergssuche ungewohnten Ausmaßes. Nun ist Tübingen ja ohnehin nicht gerade für seinen entspannten Wohnungsmarkt bekannt. Aber der Herbst 2012 war richtig heiß.

Beim Studentenwerk Tübingen-Hohenheim gingen statt der gewöhnlichen 3000 Zimmer-Bewerbungen 4000 ein. Beim Studentenwerk e.V. (Stuwe) drängelten sich 200 Leute um die paar freien der insgesamt 88 Zimmer. Die Mitwohnzentrale hatte kräftig zu schaffen und auf dem freien Wohnungsmarkt ließ die steigende Nachfrage ganz offensichtlich auch die Preise steigen.

Studentenzimmer mit einer Größe von 10 bis 25 Quadratmeter kosteten in Tübingen zuletzt zwischen 250 und 500 Euro – undichte Fenster und Renovierungs-Rückstände inklusive. „Es gibt auf dem privaten Wohnungsmarkt natürlich sehr teure Angebote“, sagt Studentenwerks-Pressefrau Alexandra Vogel. Eine Tatsache, die den Studentenheimen noch mehr Zulauf verschafft. „Bei uns sind viele aufgelaufen, die eigentlich gar nicht in ein Wohnheim wollten“, sagt auch Stuwe-Heimrätin Mirjam Haas. Vorbehalte, die man bei den „richtigen Leuten“ schnell abbauen konnte: „Wir sind ja mehr eine Mega-Mega-WG.“

Apropos Wohngemeinschaften: Die erleben derzeit eine Renaissance. Weil die Gruppengröße Wohnraum eher bezahlbar macht, entstehen immer mehr Wohngemeinschaften mit vier, fünf, sechs Mitgliedern. Nachvollziehen lässt sich dieser Trend im Wohnungsmarkt des TAGBLATTS oder auch auf den Internetplattformen. Bei wg-gesucht.de beispielsweise sind derzeit über 3000 WG-Gesuche eingestellt. Hilferufe, die sich so lesen: „Hi, ich bin 19 Jahre alt und studiere Biologie im ersten Semester. Ich suche ab sofort ein WG-Zimmer in Tübingen oder Umgebung mit Anbindung an den Öffentlichen Nahverkehr. Ich bin ein netter, hilfsbereiter und verantwortungsbewusster junger Mann, koche gerne und bin handwerklich und technisch begabt.“ Oder auch so: „Ich heiße Lisa und bin 21 Jahre alt. Ich befinde mich noch bis März im Auslandssemester in Peru. Das erschwert mir natürlich die Zimmersuche ungemein. Ich habe Angst, dass ich nichts finde. Eine Freundin hilft mir im Moment bei der Suche. Und wenn ich dann noch eine Chance bekommen würde, mich euch via Skype vorzustellen, wäre das Ganze natürlich perfekt :-)“

„Die Beheimatung ist für viele Studienanfänger ein echtes Thema“, sagt Bernd Hillebrand, der katholische Hochschulpfarrer aus Tübingen. Ein Fehlstart auf dem Wohnungsmarkt könne sich stark auf die ganze Studienzeit auswirken. Gerade in einer Zeit, in der junge Menschen zuhause ausziehen und ihre eigene Welt entdecken, bräuchten sie Halt. „Es gab zuletzt viele, die auf Anhieb keine Herberge fanden. Das war schon prekär“, sagt Hillebrand.

Das Thema studentisches Wohnen hat die Katholische Hochschulgemeinde deshalb auch zu ihrem Semester-Leitthema gemacht. „Meine Bude – meine Welt“, heißt das Projekt, mit dem sich die Aktiven aus dem Tübinger Erasmushaus mit Pastoralreferentin Katharina Lohmüller ihrer Form des „Schöner Wohnens“ näherten. Etwa 80 Student(inn)en haben für einen Fotowettbewerb ihre Herbergen fotografiert. Entstanden sind Bilder von teils zauberhaft schlichten Tübinger Wohnwelten. Fotos, die unweigerlich an ein Zitat Friedrich Schillers denken lassen: „Raum ist in der kleinsten Hütte ...“

Dies ist die Welt von Robert. Klein und nicht übertrieben rein, aber eine Herberge, die auf sein Tübinger Studentenleben optimiert ist.

Praktisch und auf ein Regalbrett zugeschnitten: die Gewürz-Welt von Markus.

Die Ausstellung „Meine Bude – meine Welt“ ist im Erasmushaus, Belthlestraße 40, vom 7. Januar bis zum 28. Februar zu sehen. Und zwar: montags, 9 bis 15.30 Uhr, dienstags, donnerstags, freitags 9 bis 16.30 Uhr und mittwochs 9 bis 19 Uhr.

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Erstellt:
26. Dezember 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Dezember 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Dezember 2012, 12:00 Uhr

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