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Hindernislauf um marode Brücken

Schwertransporte zeigen die Probleme in der Infrastruktur

Deutschlands Straßen und Schienenwege werden immer maroder. Das wird zunehmend zum Standortnachteil für die Unternehmen. Sehr anschaulich machen das die Probleme von Liebherr mit Riesenkränen.

01.10.2014

Von DIETER KELLER

Berlin Der direkte Weg von Ehingen bei Ulm nach Bremerhaven führt wahrlich nicht über Potsdam. Trotzdem muss die Liebherr Werk Ehingen neuerdings diesen 260 Kilometer langen Umweg fahren, um einen Fahrkran von der Fabrik an der Donau zur Verladung auf ein Seeschiff zu transportieren, damit er an einen Kunden in Übersee ausgeliefert werden kann. Viel kürzer wäre die Autobahn A7. Doch größere Teile können nicht genutzt werden, weil immer mehr Brücken "abgelastet" werden: Weil sie dringend saniert werden müssten, werden sie für Schwertransporte gesperrt.

Seit Jahren wird in Deutschland zu wenig in die Infrastruktur investiert, also in Straßen und Schienen, klagt die Wirtschaft immer massiver. Welche drastischen Folgen das in der Praxis hat, schilderte der Versandleiter der Liebherr-Werk Ehingen GmbH, Bruno Seele, Politikern und Journalisten in Berlin. In seinem Werk entstehen jährlich 1400 Krane für 1,7 Mrd. EUR. Diese Zahlen zeigen, dass es sich um Riesengeräte mit fünf und mehr Achsen handelt. Der Beispiel-Kran bringt 96 Tonnen (t) auf die Waage. Eigentlich sollten Autobahnbrücken 120 t aushalten. Doch immer mehr sind für Transporte über 44 t gesperrt.

Das bedeutet nicht nur erheblich längere Fahrzeiten, mehr Lkw-Maut und höheren Dieselverbrauch; unterm Strich stehen steigende Kosten. Auch die Anträge und Genehmigungen für die Schwertransporte werden immer umfangreicher und komplizierter. Zudem sind die Verwaltungsbehörden überlastet. Weil der Umweg über Potsdam plötzlich im Juni nötig wurde, kommen die dortigen Behörden mit der Genehmigung nicht nach und brauchen doppelt so lange wie normal.

Noch sind die Probleme in Ehingen nicht existenzgefährdend. Liebherr hat unter anderem darauf reagiert, indem Fahrzeuge leichter oder einfacher zerlegbar konstruiert wurden. Anders sieht es etwa beim Anlagenbauer Alstom aus, der Transformatoren und andere Großanlagen für Kraftwerke baut. Sein Werk in Mönchengladbach hat nur noch einen Abfahrtsweg, und da droht bei einer Brücke im nächsten Jahr die "Ablastung". "Wenn wir unsere Produkte nicht mehr vom Hof kriegen, können wir nur noch zumachen", macht Alstom-Manager Christoph Löwer deutlich.

Ohne Schwertransporte würde die Wirtschaft nicht mehr laufen, betont Seele die Bedeutung der Branche: Der Maschinen- und Anlagenbau ist auf sie ebenso angewiesen wie die Bauindustrie. Auch die Energiewende wäre ohne sie nicht möglich, etwa zum Transport und Aufbau von Windrädern.

Dass in Straßen und Schienen mehr Geld gesteckt werden muss, hat inzwischen auch die Politik erkannt. Die 5 Mrd. EUR, die von der Koalition bis 2017 zusätzlich vorgesehen sind, reichen allerdings bei weitem nicht aus, klagt der Wirtschaftsverband Pro Mobilität. Zudem fehle die Verstetigung und damit die Planbarkeit: Ab 2018 sollen die Mittel laut Haushaltsplanung des Bundes wieder zurückgefahren werden.

Einen Kran zum Einsatzort zu bringen, ist nicht einfach. Vor allem, wenn Brücken unbefahrbar sind. Foto: Liebherr

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Erstellt:
1. Oktober 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
1. Oktober 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Oktober 2014, 12:00 Uhr

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