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Burgherr mit Geld gesucht

Schweres Erbe alter Adelsfamilien - Schlossverwaltung als Herausforderung

Ein Schloss oder eine Burg sein Zuhause nennen zu dürfen, klingt nach einem Märchen. Doch der Erhalt eines alten Gemäuers fordert seinen Besitzer ständig heraus. Nicht jeder Erbe ist davon angetan.

16.10.2015
  • KATHARINA HÖLTER, DPA

Andernach Als kleines Mädchen huschte Anna durch die zugerümpelten, unrenovierten Zimmer in der alten Burg. Sie waren vollgestellt mit Habseligkeiten aus vergangenen Jahrhunderten: verschnörkelten Möbeln, düsteren Adelsgemälden und Jagdtrophäen. Das war Annas Abenteuerspielwiese. Bis heute ist der Ort ein Abenteuer geblieben.

Nun trägt die 32 Jahre alte Anna Prinzessin von Hohenzollern zusammen mit Mutter Heide (72) die Verantwortung für das Gemäuer aus dem 14. Jahrhundert: Schloss Burg Namedy im rheinland-pfälzischen Andernach bei Koblenz. Beide müssen monatliche Fixkosten für Wasser, Heizung und Strom von 8000 Euro erwirtschaften - hinzu kommen auch Instandhaltungs- und Renovierungskosten.

"Es ist ein hartes Geschäft, dafür muss man sich entscheiden", sagt Anna von Hohenzollern. Das Traditionsbewusstsein allein sei nicht der Grund für den Einstieg in den Betrieb vor fast sechs Jahren gewesen. "Ich hatte das Glück, dass mich keiner aus der Familie gezwungen hat, das zu machen." Schloss Burg Namedy dient als Veranstaltungsort für kulturelle Events, aber auch für Hochzeiten oder Tagungen.

Häufig gelingt ein Generationswechsel bei Burgen und Schlössern, die sich in Privatbesitz ehemaliger Adelsfamilien befinden, nicht so fließend. Der finanzielle Aufwand, Denkmalschutzauflagen und ein Leben in der Provinz schrecken den Nachwuchs ab. "Es ist ein ständig nagender Zahn: Von Generation zu Generation gehen immer mehr Objekte für die private Seite verloren", sagt der Ehrenpräsident der Deutschen Burgenvereinigung, Alexander Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (71). Im Schloss Sayn, wenige Kilometer von Namedy entfernt, hat er immer noch das Sagen. Die für eine Nachfolge infrage kommenden Söhne leben in europäischen Großstädten und arbeiten in interessanten Berufen, sagt Sayn-Wittgenstein-Sayn. "Eine Betriebsübernahme würde einen Umzug mit der Familie in die "Provinz" bedeuten, sie müssten den Gürtel enger schnallen und die Ärmel hochkrempeln, um den wirtschaftlich komplizierten historischen Besitz zu erhalten. Da wartet man gerne, bis die ältere Generation nicht mehr kann."

Vor allem im Osten Deutschlands zeigt sich das Problem: Wegen der Enteignungen 1945 wurde die Erbfolge unterbrochen. Nach der Wende versuchten viele ehemalige Besitzer, die Herrenhäuser zurückzukaufen. Den umliegenden Grundbesitz durften sie nicht erwerben - die Landwirtschaft als Ertragsquelle ging verloren. Auch private Investoren kauften die Gemäuer, verkauften sie aber wieder schnell. "Jedes Mal geht es den Objekten schlechter", sagt Sayn-Wittgenstein-Sayn. "Es ist immer ein Problem, wenn man keine historisch gewachsene Bindung zu den Häusern hat."

In Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Hessen sind Burgen und Schlösser zum Großteil immer noch mit dem landwirtschaftlichen Grundbesitz verbunden. Im heutigen Rheinland-Pfalz seien diese Bindungen wegen der wiederholten Besetzung durch Frankreich und Zerstörungen im 17. Jahrhundert vielerorts aufgehoben worden. Deshalb werden hier Anwesen wie Sayn und Namedy auch häufig kommerziell genutzt.

Schweres Erbe alter Adelsfamilien - Schlossverwaltung als Herausforderung
Prinzessin Heide von Hohenzollern (links) und ihre Tochter, Prinzessin Anna von Hohenzollern, vor der Burg Namedy in Andernach (Rheinland-Pfalz). Foto: dpa

Schweres Erbe alter Adelsfamilien - Schlossverwaltung als Herausforderung
Prächtig und mächtig: die private Burg Hohenzollern bei Bisingen im Zollernalbkreis. Foto: dpa

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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