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Schwer heimgesucht
Ulrich Gohl verteilt die Exponate der Ausstellung. Auf Bannern treten die Versehrten den Besuchern entgegen. Foto: Ferdinando Iannone
Ausstellung

Schwer heimgesucht

Das Museo in Gablenberg rückt von Sonntag an die Stuttgarter Lazarette des Ersten Weltkrieges ins Zentrum. Versehrte ließen sich für Postkarten an ihre Angehörige fotografieren.

05.04.2018
  • DANIEL GRUPP

Stuttgart. Wir werden schwer heimgesucht in diesem Weltkrieg“, schreibt ein „Wilhelm“ aus dem Stuttgarter Lazarett an seine Eltern. Er habe die Nachricht vom Tod des „A.“ erfahren, steht auf der Postkarte, die der Kriegsversehrte am 5. Februar 1915 an seine Eltern schickte. In welchem Verhältnis Wilhelm zu dem Gefallenen A. stand, werden die Empfänger der Karte gewusst haben, mehr als 100 Jahre später müsste man raten. Wilhelm kann seine Angehörigen aber immerhin beruhigen: „Mir geht es soweit gut.“

Wobei solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen sind, denn Postkarten wurden von der Militärzensur kontrolliert. Die Schreiber mussten vorsichtig sein. Ein Satz wie, „Es geht noch gut“, konnte bedeuten, dass der Versehrte bald wieder an die Front musste, erläutert Ulrich Gohl. Die Formulierung „ganz gut“ sei ein Hinweis, dass es dem Absender eher schlecht gehe.

Die Schreiber dieser Postkarten rücken in den Mittelpunkt der Ausstellung „Lazarette des Ersten Weltkriegs“, die am Sonntag im Museo, in Gablenberg eröffnet wird. Der 63-jährige Gohl hat zusammen mit den Museumsverein die Ausstellung rund um die Stuttgarter Lazarette auf die Beine gestellt. Seit 15 Jahren denke er an eine solche Schau, erzählt der Historiker. Auf dem heutigen Gebiet der Landeshauptstadt gab es 16 Lazarette mit diversen Zweigstellen sowie Genesungsheimen. Genutzt wurden auch das Alte Schloss und Privatvillen. Bilder zeigen, wie Brauereisäle und eine Fabrikhalle mit Betten bestückt waren. Die Männer, die in Friedenszeiten dort gearbeitet oder Bier getrunken hätten, waren an der Front, erläutert Gohl.

Diese Männer haben sich oft mit ihren Kameraden fotografieren lassen. Aus den Fotos wurden Postkarten, die an Angehörige in ganz Deutschland versandt wurden. An den Uniformen auf den Bildern wird deutlich, dass auch französische Kriegsgefangene in den Lazaretten waren. Gemeinsam stellten sich die damaligen Feinde zum Gruppenbild nebeneinander. Das Rote Kreuz organisierte die Postsendungen in die Länder der Kriegsgegner.

Diesen Menschen und ihren Postkarten ist der erste Ausstellungsraum gewidmet. Hier möchte Ausstellungsmacher Gohl die Gefühle ansprechen. Dazu wurden Ausschnitte der Fotografien stark vergrößert. Auf sieben Bannern blicken die Versehrten nun den Besuchern über die Schultern. „Die Männer stehen uns auf Augenhöhe gegenüber.“

Das „Reservelazarett Stuttgart 1“, stand auf dem Gelände des heutigen Kulturparks Berg. Es hatte rund 500 Plätze. Dort gab es eine Werkstatt für Prothesen. Die Versehrten lernten mit ihren Behinderungen umzugehen. Die Ausstellung zeigt Krücken, die das Rote-Kreuz-Museum in Geislingen zur Verfügung gestellt hat. „Wir haben aus verschiedenen Museen und Sammlungen Dinge zusammengetragen“, berichtet Gohl: „Es gibt nicht viele Objekte, aber starke Originale, die zu bestimmten Themen etwas sagen.“ Zu sehen ist zum Beispiel auch ein Feldoperationsbesteck, wie es Chirurgen benutzten. Den 25 Kilogramm schweren Koffer mit den Instrumenten stellte das Chirurgiemuseum in Tuttlingen zur Verfügung. Erst am Dienstag ist ein russisches Operationsbesteck hinzugekommen. Eine Ärztin, die auf das Besteck gestoßen ist, habe ihm die mehr als 100 Jahre alten Chirurgen-Werkzeuge angeboten, erzählt der Ausstellungsmacher. Das neue Exponat wird während des Aufbaus in die Schau integriert.

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05.04.2018, 06:00 Uhr
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