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Schmider punktet vor Gericht

Schweizer Richter weist Forderungen nach Schadenersatz gegen Ex-Flowtex-Chef zurück

Manfred Schmider, Ex-Chef der Skandal-Firma Flowtex, steht erneut vor Gericht. Dass er in der Schweiz hinter Gitter muss, ist kaum zu erwarten. Zu Prozess-Beginn kassierte die Staatsanwaltschaft eine Niederlage.

06.10.2015
  • SWP

Frauenfeld Manfred Schmider wirkt gelassen. In Gerichtssälen bewegt sich "Big Manni", einst Chef der Skandalfirma Flowtex aus Ettlingen bei Karlsruhe, so souverän wie andere in ihrer Stammkneipe. Er hat sich kaum verändert, seit Reporter ihn 2011 auf Mallorca sichteten. Das gewellte Haar trägt er wie stets ganz nach hinten. Sein Blick weicht oft einem verschmitzten Schmunzeln. Weißes Hemd, Loden-Sakko, schicke Turnschuhe.

Sieben Jahre hat Schmider in Deutschland als Haupttäter eines der größten Fälle von Wirtschaftskriminalität hinter Gittern verbracht, bis er 2007 auf Bewährung freikam. Jetzt werfen ihm Schweizer Staatsanwälte Geldwäsche vor und fordern dreieinhalb Jahre Gefängnis.

Dass es so weit kommt, erscheint nach dem ersten Verhandlungstag vor dem Bezirksgericht in Frauenfeld (Kanton Thurgau) eher ungewiss. Immerhin verbucht Schmider bereits heute einen Teilerfolg. Er kann sich auf einige der besten Schweizer Anwälte stützen. Deren Argumentation folgt Gerichtspräsident Rudolf Fuchs in der wichtigen Frage, ob mutmaßlich in der Schweiz versteckte Millionen aus dem Flowtex-Betrug zwecks Entschädigung von Gläubigern eingezogen werden dürfen.

Dürfen sie nicht, sagt Fuchs. Weil nämlich dieselben Forderungen bereits seit 2012 in einem Zivilverfahren in Meilen am Zürichsee behandelt werden. Da könnten sie nicht auch noch in dem Strafverfahren in Frauenfeld eine Rolle spielen. Entsprechende Forderungen deutscher Insolvenzverwalter müssen also abgetrennt werden.

Die Thurgauer Staatsanwaltschaft wirft dem 66-jährigen Schmider vor, Millionen aus den Flowtex-Betrügereien in der Schweiz gebunkert und "gewaschen" zu haben. Ebenfalls angeklagt sind Schmiders Ex-Frau (69) sowie die gemeinsamen Nachkommen, eine Tochter (27) und ein Sohn (29). Vor allem die ehemalige Frau Schmider soll "aus Verbrechen stammendes Deliktgut" bewusst der Insolvenzmasse der bankrotten Firma vorenthalten haben. Deshalb fordert die Anklage für sie in diesem Verfahren die höchste Strafe - 5 Jahre und 5 Monate.

Schmider hatte 1986 in den USA die Lizenz für sogenannte Horizontal-Bohrmaschinen erworben, mit denen Rohre ohne aufwendige Grabungen unterirdisch verlegt werden können. Zum Vertrieb gründete er die Firma Flowtex. Doch von 3100 "verkauften" Superbohrern existierten die weitaus meisten nur auf dem Papier. Die Gewinne aus den Luftgeschäften zweigte "Big Manni" ab - bis sie im Februar 2000 aufflogen. Gesamtschaden: 2,6 Mrd. EUR.

Schweizer Richter weist Forderungen nach Schadenersatz gegen Ex-Flowtex-Chef zurück
Manfred Schmider, der ehemalige Flowtex-Chef, bei seiner Ankunft in Frauenfeld in der Schweiz. Dort steht er seit gestern erneut vor Gericht. Foto: dpa

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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