Glosse

Schweinsbraten des Jahres 2020

Was ist denn nur aus uns geworden? Früher wurde gequarzt, bis die Vorhänge gelb-lappig herumhingen. Okay, es gab Nichtraucher, aber deren Lungen sahen durch die Qualmangriffe auch nicht viel besser aus.

08.08.2020

Von THOMAS VEITINGER

Beim Sonntagsessen war zwischen fetten Schweinsbraten und weniger fettem Kalbfleisch zu wählen. Der Vater holte danach den Schnaps wie selbstverständlich aus dem Schrank und die allsonntägliche Frage lautete: Zwetschge oder Willi? Als Getränk zum Essen war zwischen Bier und Rotwein zu wählen.

Und heute? Quarzen ist verboten. Beim Essen gibt es selbst sonntags nur die Wahl Pasta mit Fenchel und Zitronensauce oder Tomaten-Curry mit Kokos-Quinoa. Und beim Getränk wird auf Wasser aus dem Hahn zurückgegriffen – zimmerwarm.

Aber dafür leben wir alle lang und länger und haben viel Freude. Oder doch nicht? Der Bundesverband der Süßwarenindustrie teilt mit, dass 65 Prozent der Firmen über sinkende Gewinne klagen. Weil sich weniger Menschen in Kaufhäusern und Bahnhöfen rumtreiben und sie im Ausland andere Sorgen haben als Ritter Sport mit Vollnuss oder Rum-Trauben-Nuss.

Hallo? Haben wir vielleicht gerade Krise? Wann soll man denn Schokolade essen, wenn nicht in Krisenzeiten? Die Schokoladenindustrie gibt es doch nur noch wegen unglücklich Verliebter und gestresster Büroangestellter. Nein, vermutlich ist Schokolade auch schon böse und auf irgendeinem Index. Schokolade, der Schweinsbraten des Jahres 2020. Was soll nur aus uns werden?

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2020, 06:00 Uhr

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