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Kriminalität

Schweigen für den guten Ruf

Der Stuttgarter Einzelhandel verzeichnet jedes Jahr einen Millionenschaden durch Ladendiebe. Aus Angst vor einem schlechten Image behalten das einige Geschäfte lieber für sich.

08.02.2018

Von DAVID NAU

Unter anderem mit dem Handtaschen-Trick schmuggeln Diebe ihre Beute aus dem Laden. Dabei wird die Einkaufstasche von Innen mit Aluminiumfolie ausgekleidet, um die Signale der Diebstahlsicherung abzuschirmen. Foto: Fotosenmeer.nl - fotolia.com

Stuttgart. Allein am Montagnachmittag passiert es in der Stuttgarter Innenstadt innerhalb von knapp vier Stunden drei Mal: Um 15.30 Uhr versucht ein 25-Jähriger in der Stephanstraße die Sicherungsetiketten mehrerer Kleidungsstücke mit Alufolie zu umwickeln und durch die Sicherheitsschleuse zu schmuggeln. Nur drei Stunden später schneiden zwei Diebe die Sicherung einer Jacke ab und verstauen sie in ihrem Rucksack. Eine halbe Stunde danach entfernt ein 18-Jähriger in der Königstraße die Sicherungsetiketten von mehreren Klamotten. Alle Täter werden verhaftet.

„Ladendiebstahl kommt in Stuttgart tagtäglich vor“, sagt Michael Schossig vom Polizeipräsidium Stuttgart. Auf Einladung der IHK informierte er am Dienstag Händler über Ladendiebstahl und gab Tipps zur Prävention. Allein in Stuttgart-Mitte erfasste die Polizei 2034 Ladendiebstähle im Jahr 2016, in der ganzen Stadt waren es 3966 – im Schnitt über zehn Taten pro Tag.

Auch Mitarbeiter klauen

Die Zahlen in der Polizeistatistik stellen aber nur die Spitze des Eisbergs dar. Laut einer Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI bleiben 98 Prozent aller Ladendiebstähle unentdeckt. Den Forschern zufolge verursachen diebische Kunden in Deutschland jährlich Schäden in Höhe von 2,1 Milliarden Euro. Aber nicht nur Kunden klauen. Auch Mitarbeiter, Lieferanten und Servicekräfte greifen in den Geschäften oftmals zu. Weitere 1,2 Milliarden Euro Schaden rechnet das Institut dieser Gruppe zu. Der geschätzte Schaden in Baden-Württemberg liegt zwischen 500 und 700 Millionen Euro.

Auch die Einzelhändler in der Stuttgarter Innenstadt sind von Diebstählen regelmäßig betroffen. „Ladendiebstahl ist ein großes Thema für die Händler, es wird aber nicht sehr gerne darüber gesprochen“, sagt City-Managerin Bettina Fuchs. Die Geschäfte fürchteten um ihren Ruf und behielten Diebstähle deswegen lieber für sich. Fuchs rät den Betroffenen aber, sich dringend an die Polizei zu wenden und alle Diebstähle zumindest dort anzuzeigen. „Je mehr Hinweise die Behörden bekommen, umso eher kann den Dieben auch das Handwerk gelegt werden.“

Die Kriminellen gehen bei ihren Touren in den Shoppingläden zunehmend kreativer vor, sagt Polizeihauptkommissar Michael Schossig. Verwendet wird zum Beispiel der Einkaufstaschen-Trick. Dabei kleiden die Täter ihre Taschen mit Alufolie aus, um die Signale der Diebstahlsicherung abzuschirmen. „Das ist ein sehr effektives Mittel. In die Tasche passt alles, was klein und teuer ist“, sagt Schossig.

Ein gutes Mittel, um Diebstähle zu erschweren, seien Ladendetektive oder Videoüberwachung: „Gerade Kameras haben eine abschreckende Wirkung.“ Hilfreich sei auch eine persönliche Begrüßung der Kunden am Eingang. „Das vermittelt den Eindruck, dass man wahrgenommen wurde und nicht unbeobachtet ist“, erklärt der Polizist.

Rainer Bartle, Geschäftsführer der Buchhandlung Wittwer, hat die Erfahrung gemacht, dass die Diebe immer gezielter vorgehen. „Die Zahl der Gelegenheitsdiebstähle ist zurückgegangen“, sagt er. Stattdessen würden die Täter gezielt bestimmte Produkte stehlen und diese dann im Internet verkaufen. Bei Wittwer arbeitet man eng mit der Polizei zusammen und bringt jeden Fall zur Anzeige. Mit Erfolg: „Wir haben von der Polizei auch schon eine ganze Palette Bücher wieder zurückbekommen“, sagt Bartle, der auch für zehn Stuttgarter Traditionsgeschäfte spricht.

Die haben sich mittlerweile vernetzt und tauschen sich aus. „Oftmals stehlen Diebe, die beim einen klauen, auch beim anderen“, sagt Bartle. Und auch die Mitglieder der City-Initiative kooperieren. Dort gibt es einen Schnellwarnverteiler, über den dringende Hinweise an die Geschäfte weitergegeben werden.

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Erstellt:
8. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Februar 2018, 06:00 Uhr

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