Schwäbische Trachten: Wissenswertes rund um die traditionelle Mode

Weltweit ist das Münchner Oktoberfest ein bekanntes und beliebtes Volksfest, das jedes Jahr zahlreiche Besucher aus aller Herren Länder anzieht. Fast ebenso populär sind aber auch Volksfeste in Schwaben, so etwa der Cannstatter Wasen, der im schönen Stuttgart stattfindet. Viele Menschen nutzen Gelegenheiten wie diese, um sich in einer passenden Tracht zu kleiden und so alte Traditionen aufrecht zu erhalten. Für Außenstehende ist es nicht immer einfach, etwa schwäbische und bayrische Trachten auseinander zu halten, und besonders in unseren modernen Zeiten kommt es auch zu einer Vermischung der Stile.

06.05.2020

Bild: pixabay

Wiederaufleben der Trachtenmode bei jungen Leuten

Während es vor einiger Zeit bei der Jugend meist verpönt war, eine klassische Tracht zu tragen, sind mittlerweile auf vielen Volksfesten besonders auch junge Menschen in Trachtenhosen und Dirndln etwa aus dem Hause Krüger zu sehen. Die Gründe dafür können vielfältig sein: So präsentiert sich Trachtenkleidung fröhlich, bequem und farbenfroh, und nicht selten steht auch der Gedanke an ein Besinnen auf die eigenen Traditionen im Hintergrund. Was für die Jugend oftmals einfach nur Spaß bedeutet, wird von manchen Mitglieder etwa des schwäbischen Kulturrats eher misstrauisch gesehen – vor allem, weil die zur Schau gestellten Trachten nicht immer wirklich schwäbisch sind. Jugendliche und junge Erwachsene, die auf volkstümlichen Festen in „Oktoberfest-Mode“ auftauchen, haben sich in den seltensten Fällen damit befasst, ob ihre Kleidung ihre schwäbische Identität unterstreicht oder eher eine Nachahmung der weltweit bekannten bayrischen Tracht darstellt.

Trachten hatten früher eine große Bedeutung

In der Vergangenheit erfüllten Trachten zahlreiche Funktionen. So gaben die Kleidungsstücke etwa Auskunft über die Religion oder den Familienstand: Auf den ersten Blick war direkt erkennbar, ob eine Frau etwa ledig oder verheiratet war. Darüber hinaus gab es Berufstrachten, und obwohl die Trachtenkleidung in erster Linie vom Volk getragen wurde, adaptierte auch der Adel ab dem Ende des 19. Jahrhunderts die Tracht. Viele der heute getragenen Kleidungsstücke wurden in der Vergangenheit aber in dieser Form gar nicht verwendet: So ist die klassische kurze Lederhose, die heutzutage häufig zu sehen ist, in ihrem Ursprung weder bayrisch, noch schwäbisch. In Schwaben etwa wurden zwar Lederhosen getragen, aber nicht in kurzer Form. In Bayern trat diese kurze Variante der Lederhose erst vergleichsweise spät auf.

Hochgeschlossene Dirndl anstelle von tiefen Dekolletés

Wer heute mit einem Dirndl oder einer vergleichbaren Tracht unterwegs ist, setzt nicht selten auf einen tiefen Ausschnitt und betont kurze Röcke oder Kleider. Hierbei handelt es sich aber in jedem Fall um eine Anpassung an die zeitgenössische Mode: Klassische Dirndl und ähnliche Trachten für Damen waren damals eher hochgeschlossen und verhinderten so die heute sehr beliebten „tiefen Einblicke“. Auch die Röcke und Kleider waren damals meist bodenlang: Mini-Dirndl, wie sie mittlerweile auf vielen Volksfesten zu bewundern sind und vor allem von jungen Frauen gerne getragen werden, gab es damals nicht. Dafür war eine Kopfbedeckung auch für die Damenwelt Standard und aus der authentischen Damenmode nicht wegzudenken. Volksfest-Besucher, die sich möglichst eng an die Original-Trachten halten möchten, sollten auch heute noch eher zu einer lange Lederhose beziehungsweise einer Kniebundhose oder einem längeren Dirndl greifen.

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Erstellt:
6. Mai 2020, 16:23 Uhr
Aktualisiert:
6. Mai 2020, 16:23 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. Mai 2020, 16:23 Uhr

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