Standort für Rettungshubschrauber

„Neue Argumente“: Böblingens Landrat kämpft um „Christoph 41“

Böblingens Landrat Roland Bernhard hat sich gemeinsam mit Leonbergs OB Martin Cohn an den Innenminister Thomas Strobl gewandt.

21.09.2022

Von ST

Archivbild: Ulrich Metz

Archivbild: Ulrich Metz

Der Landrat hatte sich in den vergangenen Monaten immer wieder zum Rettungshubschrauber „Christoph 41“ geäußert und auf den Verbleib am Standort Leonberg gepocht. „Der Rettungshubschrauber ist ein zentrales Glied in der Kette der Notfallrettung und ist für unseren Landkreis, aber auch für die gesamte Region von enormer Bedeutung. Auch für das künftige Flugfeldklinikum wird Christoph 41 eine Stütze sein“, wird Bernhard nun in einer Pressemitteilung des Landratsamts zitiert. Seit 1986 ist der Hubschrauber am Kreiskrankenhaus in Leonberg beheimatet, er sei zu einem unersetzlichen Teil der Notfallrettung der Region geworden.

In den vergangenen Wochen sorgte das Thema auch in Wannweil für Aufregung: Dort hatte der Gemeinderat eine Ansiedlung des Rettungshubschraubers abgelehnt, was für viel Kritik und eine Unterschriften-Aktion gesorgt hatte. Nun rückt ein Bürgerentscheid näher. Auch in Tübingen wurde das Thema diskutiert, da die BG-Klinik als möglicher Standort in der Region Neckar-Alb in Frage kommt.

Anlass für das aktuelle Schreiben des Böblinger Landrats sei nun die Aktualisierung des Rettungsdienstplans durch die Landesregierung selbst. Der Plan in der Fassung von 2014 wurde überarbeitet und vor wenigen Wochen neu veröffentlicht. Darin findet sich „eine entscheidende Neuerung“, so heißt es, nämlich die Änderung der vorgeschriebenen Hilfsfrist. „Das ist eine Änderung von so entscheidender Bedeutung, dass sie im Strukturgutachten Luftrettung zu berücksichtigen ist“, so die Forderung des Böblinger Landrats. „Deshalb muss dieses, und damit die Pläne zur Verlegung von Christoph 41 erneut auf den Prüfstand gestellt werden.“

Im überarbeiteten Rettungsdienstplan ist die vorgeschriebene Hilfsfrist neu definiert: Bisher mussten sowohl Rettungswagen als auch Notarzt bei entsprechender Indikation in 95 Prozent aller Einsätze innerhalb von 15 Minuten nach Notrufaufnahme am Notfallort sein. Neu ist, dass die Hilfsfrist jeweils nur für das ersteintreffende Rettungsmittel gilt – gleichzeitig wurde die Frist auf zwölf Minuten verkürzt.

Mit Blick auf diese Neuerung müsse das Strukturgutachten Luftrettung überarbeitet werden, so die Bernhards Forderung. „Das Einsatzgebiet von Christoph 41 deckt einen Radius von rund 100 Kilometern ab und ist kreisübergreifend. Der Standort in Leonberg ist seit 2013 kontinuierlich modernisiert und erweitert worden, die Gebäude und Außenanlagen sind auf modernem Stand. Unser Landkreis ist im Ballungsraum der Region Stuttgart aufgrund vieler sich kreuzenden Autobahnen und dem Bundesstraßennetz verkehrlich besonders belastet und daher ohnehin auf eine wirksame Luftrettung angewiesen. Angesichts der um drei Minuten verkürzten Hilfsfrist verschärft sich dieser Fokus noch einmal“, erläutert Landrat Bernhard den Zusammenhang in seinem Schreiben.

„Ich habe schon früher gesagt, dass ich kein Verständnis dafür habe, dass unsere auch bisher schon guten Argumente offenbar kein Gehör finden“, schreibt Bernhard weiter. „Die Vorhaltung ausreichender Luftrettungsmittel ist gerade in bevölkerungsreichen Regionen mit hohen Einsatzzahlen lebensrettend. Wir brauchen die Luftrettung, um auch bei schwierigen Verkehrsverhältnissen schnell Betroffenen zu helfen und sie in geeignete Kliniken zu bringen.“

Auch argumentiert Bernhard, dass sich im Landkreis Böblingen mit zwei der bundesweit meistbefahrenen Autobahnabschnitten eine besondere Gefahrensituation ergebe. „Eine Verlegung von Christoph 41 birgt die Gefahr einer Verschlechterung für den Landkreis Böblingen“, fasst Landrat Roland Bernhard zusammen. „Dem wollen wir uns entgegenstellen und fordern eine nochmalige Überprüfung angesichts neuer Argumente.“

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Erstellt:
21.09.2022, 11:17 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 37sec
zuletzt aktualisiert: 21.09.2022, 11:17 Uhr

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