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Inferno auf der Landstraße

Schrecklicher Unfall in Südfrankreich: Laster rast in Reisebus einer Seniorengruppe

Tragisches Ende eines Seniorenausflugs: Ein Bus kollidiert in Südwestfrankreich mit einem Lastwagen und geht in Flammen auf - eine tödliche Falle für mehr als 40 Menschen, überwiegend Senioren.

24.10.2015
  • PETER HEUSCH (MIT DPA UND AFP)

Libourne Ein fröhlicher Aufbruch in den Kurzurlaub sollte es werden, doch die Reise endete nach kaum zehn Minuten in einer Tragödie. Am frühen Freitagmorgen prallte ein mit Senioren vollbesetzter Bus auf einer kurvenreichen Landstraße unweit der südwestfranzösischen Stadt Libourne frontal mit einem unbeladenen Holztransporter zusammen. Beide Fahrzeuge gingen sofort in Flammen auf - eine tödliche Falle für die Rentner. Obwohl Rettungskräfte und Feuerwehr sehr rasch an der Unfallstelle eintrafen, kamen mindestens 43 Menschen in der Flammenhölle ums Leben - darunter auch ein kleines Kind, das neben dem Lkw-Fahrer saß; es war sein dreijähriger Sohn.

Im Inneren des Reisebusses müssen sich entsetzliche Szenen abgespielt haben. Zwar gelingt es dem Busfahrer, der zu den Überlebenden zählt, nach der Kollision noch, die Türen zu öffnen. Aber nur sieben Passagiere finden ins Freie, den übrigen verstellen die Flammen den Weg. Einige schaffen es zwar, die Scheiben neben ihren Sitzplätzen einzuschlagen, doch sie erstickten, bevor sie sich aus dem lichterloh brennenden Wrack befreien können.

Das fürchterliche Unglück ereignete sich morgens um 7.30 Uhr. Der Reisebus sollte seine Passagiere zu einem Kurzurlaub in die Pyrenäen bringen. Vier der acht der Feuerhölle entkommenen Insassen erlitten zum Teil sehr schwere Verletzungen und wurden sofort per Hubschrauber in das nächste Krankenhaus geflogen. Es dauerte eine gute Stunde, bevor rund 70 Feuerwehrleute den Brand gelöscht hatten, dessen schwarze Rauchsäule kilometerweit zu sehen war.

Zur Unfallursache wollten die Behörden gestern noch keine Angaben machen. "Wir können derzeit bestenfalls Vermutungen formulieren, doch das verbietet sich angesichts der Tragweite dieses Dramas", meinte Pierre Dartout, der Präfekt der Region. Er bestätigte lediglich, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde. Deren Ergebnisse könnten jedoch auf sich warten lassen, da beide in den Unfall verwickelten Fahrzeuge vollständig ausgebrannt sind und der Lkw-Fahrer ebenfalls zu den Todesopfern zählt.

Sicher ist hingegen, dass die Wetterverhältnisse und der Zustand der vor drei Jahren neu geteerten D17 am Unfallort gut waren. Problematischer hingegen die Sicht- und Lichtverhältnisse zu einem Zeitpunkt, an dem die Morgendämmerung gerade einsetzte. Laut Gérard Dupuy, einem Mitglied des Gemeinderats von Puisseguin, hat es am gleichen Ort schon früher mehrere Unfälle gegeben: "Die Kurve ist aus keiner Fahrtrichtung einsehbar und die Straße dort so schmal, dass allein Personenwagen problemlos aneinander vorbeipassen."

Nach unbestätigten Meldungen traf ein Autofahrer aus der Region als erster am Unfallort ein. Er soll erfolglos versucht haben, den Buspassagieren zur Hilfe zu kommen und sich dabei Verbrennungen an den Händen zugezogen haben. In Puisseguin meinten Einwohner zu wissen, dass der Lkw-Fahrer die enge Unglückskurve so weit außen umrundet habe, dass dem ihm entgegenkommenden Bus keine Ausweichmöglichkeit mehr blieb. Allerdings wollte die Präfektur diese Informationen am Nachmittag weder bestätigen noch dementieren.

Frankreichs Staatschef François Hollande, der sich auf einem Staatsbesuch in Griechenland befand, sprach in Athen von einer "fürchterlichen Tragödie" und sprach den Angehörigen der Opfer sein tiefstes Mitgefühl aus. Aus Paris eilten noch am frühen Nachmittag Premierminister Manuel Valls, Innenminister Bernard Cazeneuve und Verkehrsminister Alain Vidalies nach Puisseguin. Valls bezeichnete das Unglück als "einen Schock für das ganze Land" und sicherte den Verletzten und den Familien der Opfer die Unterstützung der Regierung zu.

Deutschlands Bundespräsident Joachim Gauck hat in einem Kondolenzschreiben an Hollande seine Anteilnahme ausgesprochen. "Die Nachricht von dem furchtbaren Busunglück nahe Bordeaux, bei dem so viele Ihrer Landsleute auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind, erfüllt mich mit großer Bestürzung und tiefer Trauer", schrieb Gauck nach Angaben des Bundespräsidialamts in Berlin. "Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen, denen wir Kraft wünschen für die Bewältigung des schrecklichen Verlustes, den sie erlitten haben".

Tatsächlich handelt es sich um den schwersten Verkehrsunfall in Frankreich seit mehr als drei Jahrzehnten. 1982 waren bei einem Busunglück im ostfranzösischen Beaune 53 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 44 Kinder zwischen 6 und 15 Jahren. In das nächtliche Unglück auf der Autobahn A6 waren damals zwei Busse sowie zwei Personenwagen verwickelt gewesen und wie in Puisseguin war der Umstand, dass die Fahrzeuge sofort in Brand gerieten, für die erschreckend hohe Zahl der Opfer verantwortlich.

Schrecklicher Unfall in Südfrankreich: Laster rast in Reisebus einer Seniorengruppe

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24.10.2015, 12:00 Uhr
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